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Mit Pflöcken und Flatterband hatte das Wasserwirtschaftsamt auf der Wiese zwischen der Karwendelsiedlung und dem Gaißacher Gewerbegebiet Mosersäge den Verlauf des Erddeichs und dessen Höhen markiert. Heuer soll die Planung abgeschlossen werden, dann beginnt das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Parallel werden Grundstücksverhandlungen geführt. Ein konkreter Baubeginn kann nicht genannt werden.

Wasserwirtschaftsamt

Ein Deich für die Karwendelsiedlung

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Die Absicherung der Gebiete an der Großen Gaißach ist einer der nächsten wichtigen Bausteine für den Hochwasserschutz im Isarwinkel. Das Wasserwirtschaftsamt hat die geplanten Maßnahmen nun vorgestellt.

Gaißach/Bad Tölz– Normalerweise ist die Große Gaißach nicht sehr angsteinflößend. Sanft schlängelt sie sich auf der Ortsgrenze zwischen Gaißach und Bad Tölz an der großen Wiese zwischen Gewerbegebiet Mosersäge und Karwendelsiedlung entlang. Doch bei Starkregen, wenn aus dem Einzugsgebiet Luckenkopf und Rechelkopf das Wasser gen Tal drückt, kann sich der Wildbach in einen reißenden Strom verwandeln. 58 Kubikmeter pro Sekunde rauschen dort bei einem Hochwasserereignis durch, wie es alle 20 Jahre vorkommen kann. Bis zu 92 Kubikmeter können es bei einem 100-jährlichen Hochwasser sein. Um die Anwohner auf Tölzer und Gaißacher Seite vor Überschwemmungen zu schützen, plant das Weilheimer Wasserwirtschaftsamt (WWA) Hochwasserschutzmaßnahmen. Am Donnerstag wurden sie den Anliegern und Betroffenen bei einem Ortstermin vorgestellt.

Der erste Entwurf war vor knapp einem Jahr nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen. Vorgesehen war da ein bis zu vier Meter hohes Dammbauwerk nahe der B 13, das das Wasser auf der Wiese zurückhalten und nach und nach Richtung Isar lenken sollte. Allerdings wären hier auf der Wiese Wassertiefen bis zu 3,50 Meter erreicht worden. Daher tüftelte die Weilheimer Behörde an einer Optimierung dieser Variante, die nun Planer Heiko Nöll vom Büro CDM Smith Consult im Pfarrheim Heilige Familie präsentierte. „Wir haben den Damm ein Stück zurückgesetzt, um die Wasser- und Deichhöhen zu minimieren.“ Vorgesehen ist nun ein ansteigender etwa 490 Meter langer Erddeich: Der wird im oberen Bereich der Wiese – dort steht das Umspannwerk – zirka einen Meter hoch sein, im mittleren 1,50 Meter und im unteren 2,50 Meter. „So lenken wir das Wasser zur Isar aus der Fläche raus. In etwa sechs Stunden dürfte die Welle durch sein“, sagte Nöll. Die Modellierung der Deichböschungen werde „bestmöglich ans Gelände angepasst.“ 

Mehr Platz unter der Brücke, mehr Wasser für den Ratzenbach

Heiko Nöll, Planer von der Firma CDM Smith Consult.

Unten an der Isar wird das Wehr zurückgebaut. Die Große Gaißach bekommt durch den Bau einer Rampe im Mündungsbereich dafür ein gleichmäßigeres Gefälle. Das schafft mehr Platz unter der B 13-Brücke – und eine Durchgängigkeit für Fische, auch bei niedrigem Pegelstand. Ob das Wasser denn in die Isar abfließen könne, wenn auch diese sehr voll sei, wollte ein Anwohner wissen. „Die Große Gaißach hat so viel Gefälle, dass sie immer in die Isar reindrücken wird“, sagte Nöll. Dass der Platz unter der Brücke reicht, um alles Wasser durchzulassen, bezweifelte ein Anwohner. „Da wird der Dreck von der Wiese mitgespült. Da kann es doch sein, dass es zumacht, und es bei uns in den Garten läuft.“ Bäume und Geschiebe seien bei den Berechnungen, was der Durchlass im Ernstfall aufnehmen muss, mit berücksichtigt worden, sagte David Vogl vom WWA, der das Projekt bislang betreut hat.

Zurückgebaut wird der ehemalige Werksbach, der das Moraltgelände mit Löschwasser versorgte. Durch eine neue Ableitung aus der Großen Gaißach soll dafür die Alte Gaißach (Ratzenbach) künftig wieder gleichmäßig mit Wasser versorgt werden. „Wir werden das aber mit einem Schieber versehen. Wenn zu viel Wasser kommt, kann das gedrosselt werden“, sagte Nöll. Man wolle die Hochwasserproblematik in einem anderen Bereich schließlich nicht verschärfen.

Ob man denn die Grundeigentümer der Wiese schon gefragt habe, ob man den Deich bei ihnen bauen dürfe, wollte ein Zuhörer wissen. „Wir brauchen erst eine Vorstellung, was wir bauen wollen, bevor wir in die Verhandlungen eintreten“, erklärte Dora Schulze vom WWA. Es müsse sich aber keiner Sorgen machen. „Wir stellen den Deich nicht einfach hin.“ Man sei „ganz am Anfang des Verfahrens“, ergänzte Vogl. „Sonst bräuchten wir Sie ja nicht nach Ihren Vorschlägen und Einwänden fragen.“

„Wichtig ist, dass der Spiel- und Bolzplatz erhalten bleiben“, betonte Stadträtin Camilla Plöckl (SPD). Werden sie, garantierte Vogl. Den besten Platz müsse man aber noch suchen. Beruhigt war auch eine Anliegerin, die sich um den Uferbewuchs sorgte. „Müssen die Bäume weg?“ Nein, sagte Vogl. Da nur im unteren Bereich der Großen Gaißach Wasserbausteine zur Sanierung des Uferschutzes eingesetzt werden sollen, „versuchen wir, den Bewuchs zu erhalten“.

Müssen die Anlieger mitbezahlen?

Ob die Anlieger an den Kosten (geschätzt 1,5 Millionen Euro) beteiligt werden, war eine weitere Frage. „Für den Hochwasserschutz an Wildbächen sind wir verantwortlich“, sagte Schulze. Mitfinanzieren müssen die Maßnahme die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Gaißach. „Den Gemeinden steht es frei, ihren Anteil auf die Anlieger umzulegen. Ich kenne keinen einzigen Fall in Bayern, wo das gemacht wurde.“

Gaißachs Bürgermeister Stefan Fadinger war es wichtig, dass die Flächen auch nach dem Deichbau landwirtschaftlich nutzbar bleiben. Hier müsse man eventuell über Grundstückstausche reden. „Die Stadt ist ja auch einer der Eigentümer...“, sagte er. Einschränkungen bei der Nutzung wird es allerdings geben, räumte Vogl ein. Eine Beweidung mit Kühen sei nicht mehr möglich. „Die treten sich Bahnen und können den Deich beschädigen.“

Noch zwei Hinweise nahm das WWA mit. Ein Anwohner wünscht sich eine „Tölzer-Gaißacher-Freundschaftsbrücke über die Große Gaißach.“ Siedlervorstand Georg Eibl regte an, die Einmündung der Blombergstraße in die B13 zu begradigen. Das schaffe auch eine bessere Erreichbarkeit für Lkw in der Bauphase.

Nöll betonte das Ziel der Maßnahme: Es gehe darum, Hochwassersicherheit zu schaffen – und zwar auf Gaißacher und Tölzer Seite. Wie wichtig das ist, zeigten die Schadensberechnungen, die das WWA angestellt hatte. Bei einem 30-jährlichen Hochwasserereignis wäre mit einem Schaden in Höhe von 7,75 Millionen Euro zu rechnen, bei einem 100-Jährlichen mit über elf Millionen.

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