Sensationelle Wendung bei Football Leaks: FC Bayern verhinderte angeblich Superliga

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Matthias Wilke (63) war auf der „Sea -Eye“ Stellvertreter des Kapitäns. Dieses Foto entstand, als die Crew einen Fischkutter mit 23 Flüchtlingen gefunden hatte. Sie wurden an Bord geholt und medizinisch versorgt.

Unterwegs mit der „Sea Eye“

Ein Einsatz, der unter die Haut geht

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Nach zwei Wochen auf dem Mittelmeer ist der Tölzer Matthias Wilke wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Der 63-Jährige war an Bord der „Sea Eye“, um Menschen in Not zu helfen.

Bad Tölz– Matthias Wilke ist müde und wirkt abgekämpft. Zwei Wochen Seenotrettungs-Einsatz haben Spuren hinterlassen, nicht nur körperlich, auch seelisch. Vier Tage hatte er jetzt Zeit, sich zu erholen. Für den Hilfseinsatz verwendete Wilke drei Wochen seines Jahresurlaubs. Am heutigen Montag beginnt er wieder, als Suchthilfe-Fachbereichsleiter für den Kreisverband der Diakonie nahe Stuttgart zu arbeiten.

Mit neun anderen Freiwilligen war Wilke auf der „Sea-Eye“ unterwegs. Die Seenot-Retter kümmern sich um Menschen, die auf dem Mittelmeer in Not sind, egal, ob Freizeit-Segler oder Flüchtlingsboot. Weil das Einsatzgebiet der „Sea Eye“ an der tunesisch-libyschen Grenze liegt, sind es aber vor allem Flüchtlinge, die Hilfe brauchen. Die sieben Männer und zwei Frauen an Bord hatten aber weniger Einsätze als erwartet, nämlich nur zwei. Der Grund: „Der Wind war ungünstig“, berichtet Wilke.

Nach der Abreise vom Stützpunkt in Malta herrschte zwei Tage stürmische See, und ausgerechnet der Schiffsarzt war derjenige, der wieder von Bord musste – er hatte sich eine Viruserkrankung zugezogen. Weil sich eine mitreisende Fernseh-Journalistin bereit erklärte, aktiv in die Wach-Dienste einzusteigen, „konnten wir unsere Schichten so wie geplant durchführen“.

Das Wetter beruhigte sich wieder, die Crew spielte sich ein. „Es gab drei Wach-Schichten mit je zwei Leuten, die die See beobachteten.“ Nachts waren sie drei Stunden, tagsüber vier Stunden auf den Beinen. Einen geregelten Tag-Nacht- beziehungsweise Schlafrhythmus gab es nicht, „aber das wussten wir ja alle vorher“. Zudem stand die „Sea Eye“ in Kontakt mit dem italienischen MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre), das die Helfer bei Notfällen anfunkt. Nach einigen Tagen war es soweit. „Zwanzig Minuten nach Mitternacht kam die Information“, erinnert sich Wilke. Nach 40 Seemeilen (gut vier Stunden Fahrt) waren sie im Suchgebiet angekommen, und nach bestimmten Mustern (etwa Zick-Zack-Kurs) wurde dann das Einsatzgebiet abgefahren. Das dauerte – erst gegen 18 Uhr war das Boot gefunden: Ein Fischkutter mit 23 Afrikanern an Bord. Weil Kinder und eine geschwächte hochschwangere Frau an Bord waren, ordnete das MRCC an, dass die „Sea Eye“ die Flüchtlinge zu sich an Bord holt. „Wir hatten das sehr oft trainiert, es klappte sehr gut“, erzählt Wilke. Die Menschen wurden so gut es ging versorgt und einige Stunden später an ein größeres Schiff übergeben, das wiederum einige Tage später mit insgesamt 160 Flüchtlingen in Italien vor Anker ging.

Beim zweiten Hilfseinsatz gelang es der Crew nicht, die zwei gemeldeten Boote mit Flüchtlingen zu finden. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, berichtet Wilke. „Sie könnten ja auch untergegangen sein.“ Stunden später kam Entwarnung: Diese Boote waren an einer Ölplattform ein gutes Stück weiter weg angelandet.

Waren sie nicht im Einsatz, übte die Crew mit dem Rettungsleiter, der dauerhaft auf der „Sea Eye“ ist, den Ablauf von Einsätzen: Bergungen, Arbeiten mit dem Kran oder Ankermanöver.

Nicht nur während dieser Zeit, auch jetzt macht sich Wilke viele Gedanken. Als sie die 23 Afrikaner an Bord genommen hatten, erzählt er, sei es schwierig gewesen, emotional gelassen zu bleiben. „Natürlich gibt es Menschen, die findet man sympathisch, und andere nicht.“ Sympathie, sagt er, dürfe aber kein Auswahlkriterium sein. „Jeder Mensch hat humanitäre Grundrechte.“

Wilke unterstreicht nach wie vor, dass dieser Einsatz für ihn weder Abenteuerurlaub noch Grenzerfahrung gewesen sei. Der Tölzer vertritt die Ansicht, dass er als jemand, der „in einem Schlaraffenland lebt“, auch die Verpflichtung habe, moralisch „auf ein Konto einzuzahlen“, in dem unveräußerliche Rechte stünden – Rechte, die jeder Mensch habe, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht und Religion. Und er sei davon überzeugt, dass es auch ein Grundrecht sei, seine Heimat verlassen zu dürfen. „Niemand macht das aus Jux und Dollerei.“ Menschen, die auswanderten, müsse man das Recht zugestehen, ihnen befristet eine Obhut zu geben, damit sie sich ein Land suchen könnten, das sie aufnimmt. „Kein Land kann gezwungen werden, die Leute dauerhaft aufzunehmen.“ Man brauche international Migrationsregeln, fordert Wilke. Einhergehend sollte man auch Fluchtursachen bekämpfen, „aber das geht nicht schnell. Es fließt schon viel Geld, aber vielfach in falsche Hände.“

Für Wilke beginnt heute wieder der Arbeitsalltag, doch die Erlebnisse an Bord werden noch lange nachwirken. Der 63-Jährige kann sich vorstellen, noch ein weiteres Mal auf der „Sea Eye“ zu helfen.

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