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Diese ungewöhnliche Aufnahme von Edi Singer aus dem Kriegswinter 1917 zeigt seinen Verwandten Josef Singer, Jaklbauer von Fischbach-Tal, der sich in Schale geworfen hat, als er diesen wohlgenährten Ochsen zum Schlachthof in der Nockhergasse bringt.  

Präsentation im Stadtmuseum

Ein Fenster ins alte Tölz: Neues Buch mit historischen Aufnahmen und Geschichten

Neun Jahre nach seinem kenntnisreichen und bildmächtigen buch über Bad Tölz hat Autor Christoph Schnitzer nun ein weiteres Buch über die Stadtgeschichte herausgegeben.

Bad Tölz – Das neue Buch von Christoph Schnitzer, Redakteur des Tölzer Kurier, trägt den Titel „Bad Tölz – Rare Fotos, vergessene Geschichte(n) bis 1920“. Als Mitautoren haben sich der Tölzer Ortshistoriker und Thomas-Mann-Forscher Martin Hake, Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr und der Tölzer Postkartensammler Gisbert Pohl beteiligt. Wesentlichen Anteil am Werk hatte auch Dagmar Rogge (Grafik).

Die unterhaltsame Buchpräsentation mit zahlreichen Gästen fand am Mittwochabend im Historischen Sitzungssaal des Stadtmuseums statt. Claus Janßen, Vorsitzender des Historischen Vereins, würdigte Schnitzers Konzept mit bislang größtenteils unbekannten Fotos und „auf dem Stand der Forschung seriös recherchierten, erklärenden Texten, welche die Geschichten hinter den Bildern erzählen und ein Fenster zum alten Tölz öffnen“. Er betonte, Tölz sei „reich an Geschichte, aber bislang arm an Publikationen“. Umso verdienstvoller sei die Leistung von Schnitzer und seinen Unterstützern.

Anders als beim kartonierten Paperback seines ersten Stadtbuches hat sich Christoph Schnitzer für eine gebundene Hardcover-Version entschieden. Hatte das Erfolgsbuch von 2010 auch den interessierten Urlauber im Blick, verfolgt der neue Band einen noch anspruchsvolleren Ansatz und richtet sich mehr an diejenigen, die sich dieser Stadt als ihrer liebenswerten, geschichtsträchtigen Heimat verbunden fühlen. Eine absolut attraktive Zugabe für den weihnachtlichen Gabentisch.

Bei der Buchpräsentation (v. li.) Autor Christoph Schnitzer, Postkartensammler Gisbert Pohl, Grafikerin Dagmar Rogge, Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr und Thomas Mann-Experte Martin Hake. 

Als geschichtsinteressierter Redakteur beim Tölzer Kurier hat sich Christoph Schnitzer seit vielen Jahren durch das Archiv der seit 1863 erscheinenden Zeitung gelesen und vieles entdeckt, was für „nicht wichtig genug genommen worden ist, um Eingang in die offizielle Geschichtsschreibung zu finden“ – ein Anstoß für sein Buch. Als drei „Glücksfälle“ nannte Schnitzer die umfassenden privaten und städtischen Text- und Bildersammlungen seiner Mitautoren. „Unermüdlich und hilfsbereit“ habe ihm etwa Stadtarchivar Sebastian Lindmayr „die Wege ins Innerste dieses Tölzer Wissenslabyrinths erschlossen“.

Wer weiß heute noch etwas vom mondänen „Parkhotel“ der jüdischen Familie Hellmann und seinem anspruchsvollen internationalen Publikum – oder von den Aufenthalten von Kaiserin Sisis Schwester Mathilde alias „Fräulein Schmidt“, Mark Twain und Reichskanzler Otto von Bismarck, von einem gefakten und einem tatsächlichen Aufenthalt von Karl May oder davon, was die skandalöse „Lady Chatterley“ mit Bad Tölz zu tun hat? Und wer weiß noch, dass es in der Nockhergasse einen Schlachthof gab und die schlanke Spitze des 1877 erbauten neugotischen Pfarrkirchenturms zunächst mit Schindeln eingedeckt war, deren Auswechslung von der angelegten Leiter aus eine gefährliche Arbeit war, und dass droben im Ausguck ein Türmer Brandwache hielt?

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Unzählige Geschichten und Bilder enthält das Buch, Erinnerungen an eine Windhütte auf dem Zwiesel, an Kuranwendungen im Pferdestall der Villa Frieda, an witzige Sprüche in alten Gästebüchern, an eine „Gummikuh“ über der Stadt, manipulierte Fotos und eine Höllenmaschine. An Schüler, die vor 100 Jahren im Bürgergarten wie die Vandalen hausten; an ein Radfahrverbot und die erste elektrische Straßenbeleuchtung 1889; und an die vor 1912 bestehende „Klodeckl-Fabrik Moralt“ am heutigen Standort des Gymnasiums.

Eine Besonderheit des Buches ist seine zeitliche Eingrenzung bis etwa 1920. Das sollte „Raum schaffen“ für noch weitgehend Unbekanntes und Überraschendes, erklärt Schnitzer im Vorwort: für Gemälde, Stiche, historische Ortspläne und vieles, was in bisherigen Veröffentlichungen zu kurz gekommen ist und doch seinen ganz eigenen Charme hat.

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Geplant sind zwei weitere Bände für die Zeiträume 1920 bis 1950 und 1950 bis 1970. Wer interessante Fotos von Bad Tölz hat und vor allem auch ihre Geschichte zu erzählen weiß, kann sich gerne an den Autor (cs@cs-press.de) wenden.  

Das Buch ist im Verlag cs-press@print erschienen. Es hat 164 Seiten; zahlreiche historische Ortskarten, Stiche und Gemälde, 290 historische Fotografien, zum Teil mit Gegenüberstellungen zu aktuellen Ansichten. Es ist für 22,80 Euro im Tölzer Buchhandel, im Stadtmuseum und bei der Tankstelle Schnitzer an der Ludwigstraße erhältlich. (rbe)

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