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„Gebäude in nicht mehr zeitgemäßem Zustand“: Der Eigentümer des früheren Moralt-Geländes will die dortigen Bauten in Abstimmung mit einem künftigen Nutzer erneuern oder abreißen und neu bauen. 

Zwei Jahre nach dem Umzug des Traditionsunternehmens 

Ein Hotel auf dem ehemaligen Moralt-Gelände? Eine Immobilienanzeige wirft Fragen auf

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Einst war der Name Moralt der Inbegriff für Industrie in Bad Tölz. Seit das Traditionsunternehmen 2016 nach Hausham umzog, liegt ein Teil des ehemaligen Werksgeländes brach. Wird ausgerechnet dieses Areal nun zu einem neuen Hotelstandort?

Bad Tölz– „Neubau Hotel nach Absprache in Bad Tölz direkt an der Isar zu vermieten“: Diese Überschrift einer Immobilienanzeige im Internet lässt aufhorchen. In der Objektbeschreibung wird nämlich das ehemalige Moralt-Betriebsgelände als möglicher Standort für ein solches Projekt angepriesen. Ist also nach den konfliktbeladenen Hotel-Projekten Arzbacher Straße und Bichler Hof ausgerechnet der südliche Ortsrand an der Lenggrieser Straße im Fokus für den Bau eines neuen großen Beherbergungsbetriebs? Ganz so ist es dann doch nicht, wie Nachfragen des Tölzer Kurier ergeben haben.

Der letzte Produktionstag der Firma Moralt in Bad Tölz liegt nun ziemlich genau zwei Jahre zurück. Damals zog das traditionsreiche Unternehmen wie berichtet nach 116 Jahren am Standort Lenggrieser Straße nach Hausham um. Auf dem südlichen Teil des früheren Moralt-Geländes ist nach wie vor die Firma SWL tätig, die 2012 einen Teil der Moralt AG übernommen hatte. Sie produziert hier weiterhin mit rund 50 Mitarbeitern spezielle Stäbchenplatten. Der nördliche Geländeteil hingegen liegt seit 2016 brach.

Die Immobilienanzeige, die suggeriert, dass nun ein Hotelinvestor gesucht werde, überrascht. Zwar liegt das Areal direkt am Flussufer, weist aber ansonsten nicht gerade die idyllischste und touristische Umgebung von Bad Tölz auf. Bei genauerem Lesen der Anzeige ist dann auch davon die Rede, dass dort „verschiedene Entwicklungen denkbar“ seien: neben besagtem Hotelneubau etwa auch ein Gewerbepark. Aktuell befänden sich auf dem Gelände „eine Reihe von Gebäuden in nicht mehr zeitgemäßem Zustand“. Weiter heißt es: „Der Eigentümer wird in Abstimmung mit einem langfristigen Mieter die Gebäude auf einen zeitgemäßen Standard bringen oder abreißen und neu bauen.“

Auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt Hans Wehrmann, Geschäftsführer der Firma Certina, die das komplette Moralt-Grundstück 2003 erworben hat: „Ich will das ganze Gelände in den nächsten zwölf Monaten überplanen.“ Auf die Art der Nutzung sei er noch überhaupt nicht festgelegt.

Der Gedanke an ein Hotel ging ihm zufolge von der Stadt Bad Tölz aus. „Es gibt ja eine Bedarfsanmeldung an Hotelbetten von Seiten der Stadt“´, sagt er. Vor diesem Hintergrund habe der Makler angeregt zu versuchen, das Areal auf diese Art zu vermarkten. Es ist aber offenbar eher ein Versuchsballon. „Eine konkrete Planung gibt es nicht“, sagt Wehrmann. Er sei vielmehr für alles offen – ob nun für ein Hotel, Gewerbe oder auch Wohnbebauung. Wichtig sei ihm, dass die künftige Nutzung „den Bedürfnissen der Region entspricht“. Ferner betont er, dass er „in enger Abstimmung mit der Stadt“ vorgehen wolle.

Lesen Sie auch: Zum Bürgerbegehren in Sachen Hotelprojekt an der Arzbacher Straße steht ein Gerichtstermin an 

Die Position des Rathauses dazu ist klar – und hat sich in den vergangenen zwei Jahren auch nicht geändert: „Unser Ziel für diese Stelle ist wieder Gewerbe“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Falko Wiesenhütter. Grundstücke dafür seien in der Stadt nämlich Mangelware und stark nachgefragt. Die Stadt wünsche sich, dass sich neue Firmen in Bad Tölz niederlassen – „für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Gewerbesteuer“, so Wiesenhütter –, habe aber derzeit keine einzige städtische Fläche dafür anzubieten.

Wegen seiner Lage – auf eine große Länge entlang der B 13 und somit sehr gut angebunden – sei das ehemalige Moralt-Areal für Firmenansiedlungen „prädestiniert“. Im Flächennutzungsplan sei das Gebiet auch als Gewerbefläche ausgewiesen. Wohnungen könne sich die Stadt an dieser Stelle nicht vorstellen – und ein Hotel eigentlich auch nicht. Wiesenhütter formuliert es zurückhaltend: „Wir werden einen Hotelbau an diesem Standort nicht forcieren.“ Ein Hotel an der Lenggrieser Straße hält der City-Manager „mit der jetzigen Umgebungsbebauung nicht für realistisch“.

Wiesenhütter bestätigt, dass die Gespräche zwischen Rathaus und Eigentümer Wehrmann laufen. Letzterer hält es nach seinen Erfahrungswerten für wahrscheinlich, dass noch drei Jahre ins Land gehen, bevor auf dem Gelände tatsächlich etwas gebaut wird.

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