Kurz und allgemein verständlich: Die neue Chronik von Bad Tölz.

Neue Chronik

Ein Lenggrieser schreibt Tölzer Geschichte

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Über ein Jahrhundert galt die „Westermayer-Chronik“ als maßgebliches Nachschlagewerk zur Geschichte von Tölz. 119 Jahre nach deren Ersterscheinen setzt jetzt ein Buch von Stephan Bammer neue Maßstäbe: kompakter, moderner und bunter.

Bad Tölz– Geschichtsschreibung ist nichts Unverrückbares. Was einmal als unumstößliche „Wahrheit“ galt, sieht die nächste Generation dank neuer Quellen und Methoden vielleicht schon wieder ganz anders. Insofern war es überfällig, auch einen neuen Blick auf die Historie von Bad Tölz zu werfen. Das tut der Lenggrieser Autor Stephan Bammer in seiner „Kurzen Geschichte von Bad Tölz“. Am Dienstag wird diese moderne Tölzer Chronik der Öffentlichkeit vorgestellt.

Als Standardwerk zur Geschichte von Bad Tölz galt bislang die „Chronik der Burg und des Marktes Bad Tölz“ von Georg Westermayer. Die stammte allerdings aus dem Jahr 1898, erschien zuletzt in dritter Auflage 1976.

Stephan Bammer, Autor der „Kurzen Geschichte von Bad Tölz“.

Die Idee zu einer neuen Chronik gab es schon länger. „Das war ein altes Projekt von Josef Katzameyer“, erklärt Bammer. Zwischenzeitlich sei angedacht gewesen, dass die Chronik zum Jubiläum „100 Jahre Stadt Bad Tölz“ 2006 erscheinen sollte. Katzameyer, der 40 Jahre Vorsitzender des Historischen Vereins war, und der Kulturwissenschaftler Bammer wollten dafür zusammenarbeiten. Doch das Vorhaben ließ sich zu Lebzeiten Katzameyers († 2012) nicht mehr umsetzen. Nun beauftragten die Stadt Bad Tölz und der Historische Verein Bammer mit dem Verfassen eines Buchs.

Die Vorgaben: „Kurz, allgemeinverständlich und illustriert“ sollte es sein, so Bammer. Eine „Chronik für den breiten Leserkreis“, bei der weder der Umfang noch der Preis eine Hemmschwelle darstellen. Tatsächlich: Mit 88 Seiten ist die jetzt vorliegende „Kurze Geschichte von Bad Tölz“ sehr kompakt geworden und mit einem Preis von 15 Euro erschwinglich.

Weniger Text ist aber keineswegs gleichbedeutend mit weniger Arbeit. „Je kürzer das Buch ist, desto gewichtiger ist jeder Halbsatz“, sagt Bammer. Zwei Jahre widmete sich der 52-Jährige dem Buchprojekt. Die Westermayer-Chronik sei dabei sein Ausgangspunkt gewesen, erklärt er. Sie habe er kritisch „durchgefieselt“ und dabei auch die angegebenen Quellen überprüft, von denen heutzutage viele im Internet zugänglich seien.

Bammer nennt ein Beispiel dafür, dass frühere Geschichtsschreiber nicht unbedingt immer richtig lagen. Die einst verbreitete Ansicht, Tölz habe schon zu Römerzeiten existiert, sei etwas, was sich Historiker in früheren Zeiten „zusammengereimt“ hätten. Der um 1500 lebende Historiker Aventinus „konnte sich nicht vorstellen, dass es an dieser wichtigen Verkehrsachse keine römische Siedlung gegeben haben sollte“. Mehr auf der Basis von logischer Herleitung und Spekulation sei dann vom römischen Namen „Tollensium“ die Rede gewesen. Tatsächlich aber habe Tölz früher „Ried“ beziehungsweise „Reginried“ geheißen, was sich aus „Ried“ wie „Rodung“ und dem Vornamen „Reginbrecht“ zusammensetze. Frühestens ab etwa 1180 bis 1200 sei dann der Name „Tolnze“ oder „Tollenz“ aufgekommen, abgeleitet von dem aus dem oberpfälzischen Döllnitz stammenden Adeligen Heinrich von Tolnce oder Tolinze.

Als „Highlight“ seines Buchs bezeichnet es Bammer, dass es neue Erkenntnisse über die urkundliche Ersterwähnung von „Reginbrechtisried“ im 11. Jahrhundert enthält – basierend auf dem „Zufallsfund einer hiesigen Historikerin“. Mehr will der Autor vor der offiziellen Buchpräsentation am Dienstag noch nicht verraten.

In der „Kurzen Geschichte von Bad Tölz“ sind nun jedem Kapitel von den Anfängen bis in die Gegenwart genau zwei Seiten gewidmet. Bei dieser knappen Darstellung war es eine der Hauptaufgaben des Autors, Wichtiges von Unwichtigem zu scheiden.

Das tat er aber nicht allein. Kräftig mitdiskutiert hat ein kompetenter Fachbeirat, bestehend aus dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, Claus Janßen, den Stadtarchivaren Manuela Strunz (Archäologin) und Sebastian Lindmeyr (Volkskundler) sowie Stadtmuseums-Chefin Elisabeth Hinterstocker (Kunsthistorikerin).

Was zum Konzept des Buchs gehört: Auf jeder Seite findet der Leser Fotos aus dem heutigen Stadtbild, die Anknüpfungspunkte zum jeweils geschilderten historischen Sachverhalt darstellen. „So erfährt man, warum an der Fassade des Marienstifts Kurfürst Emanuel abgebildet ist und wer die zwei kleinen Kerle daneben sind“, sagt Bammer.

Die Brücke zum Zeitalter der Pest schlägt ein Fresko in der Mühlfeldkirche, und zum Thema Napoleon weist das Buch auf ein kleines Gemälde mit einem napoleonischen Soldaten im Stadtmuseum, einem Seidl-Bau und ehemaliges Rathaus, hin. Der Leser kann sich somit die Tölzer Geschichte auch ganz anschaulich auf Spaziergängen durch die Stadt vergegenwärtigen.

Buchvorstellung

Zur Präsentation von „Eine kleine Geschichte von Bad Tölz“ sind alle Interessierten am morgigen Dienstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr ins umgebaute Tölzer Rathaus eingeladen. Es ist zugleich die erste öffentliche Veranstaltung im neuen Sitzungssaal.

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