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In welchem Takt sollen die drei Städte verbunden sein? Wie oft müssen die anderen Orte durch Busse angebunden sein? Solche Zielvorgaben definiert der Nahverkehrsplan.

Ein neues Konzept für den ÖPNV

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Weniger Autos auf den Straßen, mehr öffentliche Verkehrsmittel. Der Kreisausschuss hat jetzt über ein neues Konzept dazu beraten.

Bad Tölz– Beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat der Landkreis Defizite. Das weiß jeder, der auf Bus oder Bahn angewiesen ist, und tatsächlich steht das auch im Strukturgutachten des regionalen Planungsverbands. Die Verbesserung des ÖPNV wird aber notwendig sein, damit der Landkreis seine Klimaziele erreicht. Bis 2035 möchte er bekanntlich unabhängig von fossilen Brennstoffen sein. Und noch einen zweiten Grund gibt es für die Grünen im Kreistag, warum das Thema ÖPNV angegangen werden muss: Es sind einfach zu viele Autos auf den Straßen unterwegs. Vor allem rund um die drei Städte staut es sich zu Spitzenzeiten, „und man kommt nicht von A nach B“, sagte Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne) im Kreisausschuss.

Um ein Konzept für die Zukunft zu haben, fordern die Grünen deshalb seit Längerem die Fortschreibung des Nahverkehrsplans. Der aktuelle stammt aus dem Jahr 1997. Hatten sich einige Kreisräte zuletzt noch gegen die Aktualisierung gesträubt und darauf verwiesen, dass man auf die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried warten oder zumindest mehr über den angepeilten Takt wissen müsse, gibt es jetzt ein Umdenken. „Die Fortschreibung ist grundsätzlich sinnvoll“, befand CSU-Fraktionschef Martin Bachhuber. „Wir können nicht warten, bis irgendwann die S-Bahn fährt.“

Auch Landrat Josef Niedermaier (FW) stand der Sache aufgeschlossen gegenüber. „Man merkt, dass gerade auch in den Nachbarlandkreisen viel läuft.“ Zudem reformiere der MVV sein Tarifsystem. Und unter Umständen steht dem Freistaat sogar noch eine viel tiefgreifendere Veränderung bevor: Bei der Stippvisite von Minister Markus Söder vor wenigen im Tölzer Kurhaus war von einem einheitlichen Landestarif die Rede.

Klingt wie ein unerfüllbarer Wunschtraum, schließlich gibt es im Moment nicht einmal im Landkreis einen einheitlichen Tarif, weil nur der Norden zum MVV-Gebiet gehört. In Baden-Württemberg wird aber genau dieser Wunschtraum im Dezember 2018 Wirklichkeit: Unter dem Motto „Ein Land, eine Fahrt, ein Ticket“ können Fahrgäste dann mit nur einem Fahrschein und zu einem einheitlichen Tarif durchs ganze Bundesland fahren. „Baden-Württemberg hatte den Mut das auf den Weg zu bringen“, sagt Niedermaier. Sollte etwas ähnliches in Bayern angegangen werden, „unterstützen wir das natürlich“.

Auch deshalb sei es wichtig, mit einem neuen Nahverkehrsplan schon mal die Grundlagen zu definieren. Der ist eine Art Leitbild. In welchem Takt sollen die drei Städte verbunden sein? Wie oft müssen die anderen Gemeinden durch den ÖPNV bedient werden? All diese Fragen werden hier beantwortet.

Das alles ist mit viel Arbeit verbunden: „Wir müssen mit der Erstellung einen externen Dienstleister beauftragen“, sagte Niedermaier. Und es wird dauern: „Das ist kein Prozess, der 2019 beendet ist.“ ÖPNV-Experte Matthias Schmid erläuterte kurz den möglichen Zeitplan. Mitte des Jahres könnte die Ausschreibung für den Dienstleister fertig sein. Ist der Auftrag vergeben, könnte 2019/2020 der eigentliche Plan entstehen, der 2021 dann beschlossen werden sollte. Das ist gerade rechtzeitig, denn zahlreiche Konzessionen für Buslinien laufen 2024 aus und könnten dann verändert, ergänzt und neu vergeben werden.

Der erste Schritt ist jedenfalls getan: Der Kreisausschuss stimmte am Montag geschlossen dafür, die Neuaufstellung in die Wege zu leiten. Nur den von den Grünen angeregten Arbeitskreis zu dem Thema wollte die Mehrheit nicht gründen. Dafür gebe es schließlich den Infrastrukturausschuss.

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