Seit 50 Jahren spielt Michael Disl in der Tölzer Stadtkapelle. Das Foto zeigt ihn als einen der Fanfarenreiter bei der Leonhardifahrt.
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Seit 50 Jahren spielt Michael Disl in der Tölzer Stadtkapelle. Das Foto zeigt ihn als einen der Fanfarenreiter bei der Leonhardifahrt.

Seltenes Jubiläum

„Pfundskerl“ Michi Disl ist seit 50 Jahren bei der Tölzer Stadtkapelle

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Ein halbes Jahrhundert Musikant in der Tölzer Stadtkapelle: Dieses seltene Jubiläum feiert Hornist Michael Disl. Der Tölzer ist aber auch durch anderes ehrenamtliches Engagement im Landkreis gut bekannt.

Bad Tölz/Eurasburg – Gefeiert werden sollte schon längst, doch Corona machte den Musikern von der Tölzer Stadtkapelle um Dirigent Josef Kronwitter einen Strich durch die Rechnung. Dass jemand 50 Jahre im Dienst der Kapelle steht, ist ein seltenes Jubiläum. Angestoßen wird aber am heutigen Mittwoch im Familienkreis von Michael („Michi“) Disl, denn heute wird er 69 Jahre alt.

Disl ist ein Tölzer Urgestein, auch wenn er vor Jahrzehnten nach Hofstätt (Gemeinde Eurasburg) geheiratet hat. Der gelernte Schlosser und seine Familie betreiben eine Landwirtschaft im Nebenerwerb, der Schwerpunkt liegt heute auf Rössern. Bei der Tölzer Leonhardifahrt ist Disl einer der Fanfarenreiter, auch diese Pferde stammen von seinem Hof.

Disl stammt selbst aus einer Tölzer Landwirtschaft („beim Koch“). Besonders musikalisch, erzählt er, sei die Familie aber nicht gewesen. „Aber mi hod’s immer druckt, Musi z’macha“, sagt er schmunzelnd. Also lernte er als junger Bursche Trompete, weil „sie das bei der Stadtkapelle immer gebrauchen können“, hatte ihm sein Lehrer Hans Erhard gesagt. Unter Dirigent Herbert Nieswandt ging’s dann 1970 los. Allerdings blieb Disl nur vier Jahre bei der Trompete, denn Nieswandt brauchte Hornisten. „Er zeigte auf mich und sagte: Du spielst jetzt Horn“, erinnert sich Disl. „Und ich hab mir gedacht: Passt schon.“ Man habe „halt mehr Begleitung und nicht so viel Melodie“.

Seit 1974 spielt Disl also Waldhorn und sitzt heute, wie Dirigent Josef Kronwitter schmunzelnd berichtet, als „Hahn im Korb“ zwischen mehreren Mädels. „Die haben eine Riesengaudi.“ Denn Disl, sagt der Dirigent, habe das „Herz am rechten Fleck“.

Während so mancher Musiker aus familiären oder beruflichen Gründen sein Engagement bei der Stadtkapelle aufgeben muss, kam das für Disl nie in Frage, auch dann nicht, als er nach Hofstätt gezogen war. Zwar schloss er sich später den Beuerberger Alphornbläsern an, war 18 Jahre Feuerwehrkommandant in Herrnhausen und ist stellvertretender Hauptmann bei den Gebirgsschützen in Beuerberg – doch die Tölzer Stadtkapelle spielte in musikalischer Hinsicht sozusagen immer die erste Geige. Er selbst spielt am liebsten Polkas und „schöne Ouvertüren“. Ein Leben ohne Blasmusik, sagt Disl, sei für ihn „undenkbar“. Er war dabei, als das Ensemble 2008 und 2010 bestes Blasorchester in Bayern wurde. „Das war eine Sensation, da bin ich noch heute stolz drauf.“ Auch mit den Fishbones stand er auf der Bühne. Disl selbst erinnert sich noch gern an die großen Schützenfeste in Beverungen, auf denen die Stadtkapelle in den 1990er-Jahren zu Gast war: „Das war Wahnsinn, immer Halligalli.“ Dass die Musiker 2020 nicht wie geplant nach Russland reisen konnten, bedauert er sehr, blickt aber schon optimistisch ins Jahr 2022: „Dann holen wir das nach.“

Die vielen Musikerkollegen schätzen ihren „Michi“ sehr und beschreiben ihn als bescheidenen, zuverlässigen und hilfsbereiten Kameraden. „Er ist eine große Stütze im Verein und immer da, wenn es was zu tun gibt“, sagt Dirigent Kronwitter. Für ihn ist Disl „ein Pfundskerl, den ich nicht vermissen möchte“. Es sei großartig, wenn jemand 50 Jahre lang dem Ensemble die Treue halte.

Disl selbst hätte sein 50-Jähriges gerne beim großen Muttertagskonzert der Stadtkapelle im vergangenen Jahr gefeiert, und zwar mit der Polka „Ein halbes Jahrhundert“. Jetzt müsse er sich, scherzt er, für die Feier, die hoffentlich heuer nachgeholt werden kann, etwas Neues einfallen lassen, „denn es sind ja dann schon 51 Jahre“.

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