1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Ein Prost auf den Reutberg: Alois Ostler erzählt, wie er für eine Brauerei gekämpft hat

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Alois Ostler

Kommentare

Alois Ostler mit seiner Schreibmaschine, Ende der 1970er-Jahre.
42 Jahre Tölzer Kurier: Alois Ostler mit seiner Schreibmaschine, Ende der 1970er-Jahre. © Archiv

Lokalreporter Alois Ostler, seit 1978 beim Tölzer Kurier, erzählt die Geschichte seines Lebens.

Alois Ostler, Jahrgang 1955, hat sein Volontariat beim Tölzer Kurier am 1. Februar 1978 begonnen – und der Heimatzeitung bis heute die Treue gehalten. Er ist verheiratet, hat drei Söhne und lebt in Arzbach. Ab dem 1. Januar 2021 wird er in Rente sein. Hier erzählt er die Geschichte seines Lebens. Dieser Text erscheint ergänzend zum Interview: „Lokaljournalismus hat eine Bombenzukunft".

Zu den wichtigsten Geschichten, die ich in über vier Jahrzehnten für den Tölzer Kurier geschrieben habe, zählen für mich persönlich die vielen Beiträge über den Reutberg. Das dortige Kloster und die Brauerei haben es mir angetan. Das beliebte Ausflugsziel liegt bei Sachsenkam – am Rande der Bundesstraße zwischen Bad Tölz und Holzkirchen. Dort wird seit nahezu 350 Jahren Bier gebraut.

Damit wäre 1987 fast Schluss gewesen. Die Genossenschaftsbrauerei hatte Schulden und sollte fusionieren mit der benachbarten und nicht weniger verschuldeten Genossenschaftsbrauerei in Holzkirchen. „Aus zwoa Kranke werd koa Gsunder“, kommentierte ein Versammlungsteilnehmer, als im Oktober 1987 ein engagierter Freundeskreis das Ruder in die Hand nahm. Es war die Stunde von Hans Kappelsberger. Der „Langerbauer“ von Helfertsried brachte die Brauerei in die Erfolgsspur. Als Vorstandsvorsitzender bestimmte er fast 25 Jahre deren Geschicke. Bei seinem Abschied wurde er als „Retter von Reutberg“ gefeiert.

Mit ausführlichen Hintergrundberichten, frechen Kommentaren und bissigen Karikaturen haben mein Kollege Christoph Schnitzer, Kurier-Karikaturist Hans Reiser und ich Ende der 1980er-Jahre den „Geist von Reutberg“ beschworen. Die Heimatzeitung hat damals deutlich gemacht, warum es sich lohnt, für den Fortbestand der jahrhundertealten Sudstätte zu kämpfen. Auch wenn ich seinerzeit „Prügel“ bezogen habe, als ich mich mit der Kirche angelegt habe, die die Brauerei mit einer Wucher-Pacht über die Klinge springen lassen wollte: Dieser Einsatz hat sich gelohnt.

Für den Tölzer Kurier habe ich die schwierigen Zeiten begleitet und mich Jahr für Jahr bei der Generalversammlung mit der wachsenden Schar an Genossen über den Aufschwung gefreut. Das Bier genießt längst Kult-Charakter mit Kunden auf der ganzen Welt. Die Klosterbrauerei ist ein kerngesundes, regionales Unternehmen. Ein Prost auf den Reutberg!

Auch interessant

Kommentare