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Das Straßennnetz ist gut, aber viele Verbindungen sind überlastet: Diese Erkenntnis aus dem Strukturgutachten fürs Oberland trifft auf alle Fälle auf die B 472 in Bad Tölz zu. 

Infrastruktur-Gutachten

Ein Thema, das bewegt: Der Verkehr in der Region

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Das Straßennetz im Oberland ist gut, viele Verbindungen sind überlastet. Wegen der starken Beanspruchung der Infrastruktur gab es sogar schon Bürger, die den Wunsch äußerten: „Bitte schaut, dass nicht noch mehr Arbeitsplätze in die Region kommen.“ Wie man den Verkehrsproblemen begegnen kann, ist eines der Themen eines Strukturgutachtens.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Das Thema Siedlungs- und Verkehrsentwicklung beschäftigt alle Kommunen in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Miesbach, die zum Planungsverband Oberland gehören. Um herauszufinden, wie der Ist-Zustand ist, wie sich die Landkreise entwickeln müssen, um nicht noch mehr Probleme zu bekommen und welche Maßnahmen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verbessern könnten, wurde ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben. Erstellt hat es eine Bietergemeinschaft aus MVV und Transver GmbH. In der Sitzung des Planungsverbands am Donnerstag im Tölzer Landratsamt wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Das Gutachten ist ein Mammutwerk. Schon die Zusammenfassung umfasst mehr als 60 Seiten. Viele Erkenntnisse sind nicht neu, sie aber mal gesammelt zu sehen, ist hilfreich. Die Region – vor allem die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach – wächst. Das gilt nicht nur für die Einwohnerzahlen, sondern auch für die Wirtschaft. 140.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftige arbeiten im Oberland – die meisten davon (45.000) in Weilheim-Schongau. Tendenz: steigend. Das ist schön, bringt aber auch Probleme. „In einer Bürgerversammlung hat sogar jüngst jemand gesagt, schaut bitte, dass nicht so viele Arbeitsplätze in die Region kommen. Wir halten das nicht mehr aus“, berichtete der Tölzer Landrat Josef Niedermaier.

Denn die Leute wollen nicht nur irgendwo wohnen, sondern müssen auch irgendwie zu ihrer Arbeitsstelle fahren. Dabei ist das Straßennetz gut, viele Verbindungen seien aber überlastet. Verkehrsplaner Ulrich Glöckl nannte die wenig überraschenden Beispiele A 8, B 472 bei Tölz, die Autobahnzubringer oder auch die Ortsdurchfahrt Weilheim. Viele Verkehrsprojekte seien geplant. „Dadurch verlagern sich oft aber nur Engpässe“, sagte Glöckl. Beispielsweise schaffe der Bau der Tölzer Nordspange keinerlei Entlastung für den Moraltverteiler. Man investiere also viel Geld, löse aber die Probleme nicht.

Ein Lösungsansatz ist der Ausbau des ÖPNV. Das Problem: Gerade Gewerbegebiete sind zwar straßenmäßig gut erschlossen, Busverbidungen sind aber eher rar – vor allem außerhalb der Schulzeiten. „Und die Busverbindung, die kurz vor Schichtende fährt, bringt Ihnen auch nichts“, sagte Markus Haller, Bereichsleiter Konzeption beim MVV.

Generell regt das Gutachten bessere Bus-Verbindungen zwischen den Mittel- und Oberzentren an – und zwar landkreisübergreifend, mindestens im Stundentakt und mit einem möglichst einfachen Tarifsystem. Das Gutachten befasst sich aber auch mit Verbesserungen im Zugverkehr, Radwegeplanung oder neuen Mobilitätsformen wie Car-Sharing und geht auf die Wechselwirkungen von Siedlungsentwicklung und Mobilität ein. Kernaussage hier: Innen- vor Außenentwicklung – zumindest, wenn man den Individualverkehr reduzieren möchte. „Wenn Sie sehr viele Ortsteile anbinden müssen, wird ein attraktiver ÖPNV schwierig“, sagte Haller. Eine der Leitlinien lautet daher Stärkung der Siedlungsentwicklung an den Schienenwegen und an Achsen mit gutem ÖPNV. Ähnliches gelte für die Neuausweisung von Gewerbegebieten.

Aussagen wie diese ließen Bürgermeister Peter Erhard aus Böbing (Weilheim-Schongau) zusammenzucken. Er befürchtet, dass Gemeinden wie seine so abgekoppelt werden. „Auch wir auf den Dörfern haben unser Existenzrecht – und dazu gehört Siedlung genauso dazu wie eine vernünftige Gewerbestruktur.“ Der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak war etwas konsterniert. „Das Gutachten sagt nur, dass Entwicklung im Hauptort stattfinden soll, nicht in den Weilern. Wenn wir uns nicht einmal auf diesen Grundkonsens einigen können, können wir gleich aufhören.“ Sonst brauche man sich überhaupt keine Gedanken mehr über Verkehrsmaßnahmen machen. Landrat Niedermaier gab ihm Recht. Es gehe nur darum, zu schauen, wo kleinteilige Entwicklung verkraftbar ist. „Wir sagen nicht, alle außerhalb der Verkehrsachsen dürfen sich nicht mehr entwickeln.“

Geplant ist nun, das Papier in den Kreistagen der vier Landkreise vorzustellen. Das Gutachten dient dann als Grundlage für die Fortschreibung des Regionalplans. Eckpunkte hierfür werden in der Sitzung im Juli festgelegt. 

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