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Sang in der Alten Madlschule seine Lieder, aber auch Stücke von Reinhard Mey und Georg Danzer: Dominik Plangger. 

Alte Madlschule in Bad Tölz

Ein Liederabend übers Loslassen und den Neuanfang

Der Südtiroler Liedermacher Dominik Plangger war in der Alten Madlschule in Bad Tölz zu Gast. Ein Abend übers Loslassen und den Neuanfang.

Bad TölzNein, von Silvestertrubel, Neujahrseuphorie und Feierlaune war nichts zu spüren, als Dominik Plangger am 3. Januar die Bühne betrat. „Wintersunn und Raunacht“ heißt sein Programm, und so fahl wie die Wintersonne in diesen Tagen durch die Wolkendecke leuchtet, so fahl schimmern auch die meisten seiner Texte voll stiller Melancholie. Die Zuhörer erlebten in der Alten Madlschule einen Abend übers Loslassen und den Neuanfang, der gut zum Jahreswechsel passt.

Der Südtiroler Liedermacher stellt sich in die Tradition von Reinhard Mey und Konstantin Wecker und muss den Vergleich mit diesen auch nicht scheuen. Meisterhaft beherrscht er die Gitarre, und angenehm unaufgeregt trug er mit wandlungsfähiger Stimme seine Lieder vor. Das erste Lied über die Vergänglichkeit des Sommers als Metapher für die Vergänglichkeit des Lebens sang er auf Hochdeutsch, das seine Südtiroler Herkunft nicht hätte ahnen lassen. Umso sympathischer wirkte sein charmanter Akzent, mit dem er durchs Programm führte. Da hätten es gern auch etwas längere Moderationen und Erklärungen zu seinen Liedern sein dürfen. Aber so hörte das Publikum im gut besuchten Saal umso mehr seiner Lieder, die auf Deutsch und Südtirolerisch, aber auch auf Italienisch und Jiddisch erklangen.

So wandlungsfähig Plangger in sprachlicher Hinsicht ist, so facettenreich präsentierte sich auch seine Stimme: mal halb gebrochen-depressiv der Liebe von „Gestern noch“ nachtrauernd, mal mit südländischem Charme, mal innig-melancholisch auf seine ländliche Kindheit am Stilfser Joch zurückblickend.

Einige seiner Texte drehen sich um das Verlassenwerden und die unglückliche Liebe. Im Laufe des Abends drängte sich die Vermutung auf, dass dieser Mann wohl schon zu oft verlassen worden ist – umso mehr freute man sich dann mit ihm, dass er seit drei Wochen stolzer Vater einer Tochter ist. Auch wenn das bedeutet, dass das Publikum auf seine Frau an der Geige verzichten musste. In mancherlei Hinsicht war sie aber doch anwesend. Zum einen, da sie durch ihre jüdischen Wurzeln dafür verantwortlich ist, dass ein Lied auf Jiddisch erklang, zum anderen konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das einzige positive Liebeslied des Abends wohl ihr gewidmet war. In vielen Moderationen, in denen Plangger immer wieder Einblick in sein Leben gewährte, spielte sie eine Rolle – und natürlich die kleine Tochter, die sich glücklich schätzen darf, mit solchen Schlafliedern bedacht zu werden, und die manches aus dem Leben des Papas erst mit 18 Jahren erfahren soll – so zumindest Planggers Vorsatz.

Auch wenn das Melancholische und Nachdenkliche thematisch überwog, so gab es doch auch andere Themen, etwa das Spannungsverhältnis zwischen Stadt und Land und, besonders schön poetisch eingefangen, die Sehnsucht nach der Rückkehr aus der Stadt nach Hause aufs Land.

Neben Planggers eigenen Kompositionen erklangen Lieder von Reinhard Mey, Georg Danzer und Konstantin Wecker, denn „gute Lieder gehören gesungen“. Das letzte „offizielle“ Stück des Abends hieß „Weltverdruss“ – für Plangger die beste Übersetzung für das Wort „Blues“. Doch ganz so melancholisch entließ er sein Publikum dann doch nicht hinaus in die raue Nacht. Die Zugabe „Mi Madele, mi Tschurele“ ist das Lied, das ihn in Südtirol bekannt gemacht hat und das er nun endlich auch für sein Kind singen kann. Darin heißt es: „Die Liab duat guad und duat a weh.“ Eigentlich die Überschrift des ganzen Abends.Eva Pehl

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