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Margarete Veit war lange Jahre die Besitzerin der Tölzer Jacke. 

90 Jahre altes Stück aus Tölz 

Tölzer Trachtenjacke mit Geschichte

Eine 90 Jahre alte Trachtenjacke kehrt nach Bad Tölz zurück. Sie hat zu ihrer langen Geschichte auch ein ungewöhnlich „flippiges Design“. 

Bad Tölz – „Was für ein ausgefallenes Stück“, schwärmt die Tölzer Stadtmuseumsleiterin Elisabeth Hinterstocker und fährt mit der Hand über den Stoff einer rotblau-karierten Trachtenjacke. Vielleicht könnte man sie ganz ähnlich heute in einer Boutique finden. Die Jacke, von der Hinterstocker spricht, ist aber ihrer Schätzung zufolge bereits 90 Jahre alt und kehrte vor Kurzem dorthin zurück, wo sie vielleicht einst gefertigt wurde – nach Tölz. Museumswürdig machen das gute Stück die modischen Farben, die Accessoires wie die Knöpfe, deren Hersteller im Tölzer Gries saß sowie eine erzählenswerte Geschichte.

Volontariat im Tölzer Modehaus Richter 

Die Jacke wurde bis in die jüngste Zeit noch gerne von Margarete Veit aus Garmisch-Partenkirchen getragen. Ihr Bruder Konrad lebt heute in Kempten. Aufgewachsen sind die beiden Geschwister aber nördlich des Bodensees in Tuningen, wo der Papa ein Textilgeschäft besaß. Es bestand eine Verwandtschaft zum Tölzer Modehaus Richter, wo bereits der Vater volontierte. In den 1950er-Jahren hat auch Sohn Konrad seine Kenntnisse über Textilien und den Verkauf in Tölz vervollständigt. „Tölz war eine Eishockey-Hochburg. Wir sind viel Skifahren gegangen. Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich der heute 82-Jährige zurück.

Margarete Veit hat die Trachtenjacke immer gerne getragen. 

Für wen die Trachtenjacke gemacht wurde, wissen die die Geschwister nicht. „Vielleicht eine höher gestellte Persönlichkeit?“ Für Hinterstocker erzählt das ursprünglich als Herrenjacke gefertigte Textil aber eine Menge mehr. Sie besitze ein für die 1930er-Jahre geradezu „flippiges Design“. In der damaligen Zeit sei die Tracht schon sehr „uniformiert“ gewesen. Wer diese Jacke getragen habe, „wollte auffallen und ist aufgefallen“.

Traditionelle Trachtenjacke kommt nach vielen Jahren nach Tölz zurück 

Die vermutete Provenienz aus der Region Bad Tölz lässt sich an den Knöpfen ablesen. Der Macher hat sich stolz darauf verewigt. Und zwar als „Josef Eckart Bad Tölz“. Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr hat Josef Eckart mit Beruf „Goldarbeiter“ im Adressbuch von 1911 gefunden. Eckart hat in der Botengasse 4 (heute ein privates Wohnhaus) gelebt und gearbeitet. Der gebürtige Schwabniederhofener starb 1935. Die Knöpfe sind mit 1864 datiert, was nicht das Herstellungsjahr des Knopfes sein muss. Das Motiv der Patrona Bavariae wurde wohl von einer alten bayerischen 10-Kreuzer-Münze kopiert.

Tölzer Knöpfe: Gefertigt wurden sie von Josef Eckart. 

„Die Jacke gehört wieder zurück nach Tölz“, waren sich die beiden Veits einig und haben sie dem Museum vorbeigebracht. Elisabeth Hinterstocker freut sich, dass das 90 Jahre alte Kleidungsstück eine so hohe Wertschätzung erfahren hat und nun wieder zurückkehrt. Es sei so ausgefallen, dass sie überlege, die Trachtenjacke in der künftigen Textilausstellung des Stadtmuseums zu zeigen.

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