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Ex-König mit Nachfolgerin: Der langjährige TV-Chef Max Kiechle wurde mit Ovationen verabschiedet. Nachfolgerin Jane Clarke überreichte er einen symbolischen Schlüssel. 

Turnverein Bad Tölz

Eine Frau führt nun den größten Sportverein

Bad Tölz - Eine epochale Wende beim Tölzer Turnverein: 150 Jahre lang hat es gedauert, ehe am Samstag mit Christiane „Jane“ Clarke erstmals eine Frau an die Spitze des größten Sportvereins im südlichen Landkreis gewählt wurde.

Ebenfalls eine Premiere ist, dass der am Freitagabend in der Hauptversammlung des Traditionsvereins neu erkorene Vorsitz nicht aus den Reihen der Turner kommt. Das war im Vorfeld nicht ganz unumstritten. Jane Clarke ist in der Handball-Abteilung verwurzelt. Sie ist nun Chefin von rund 2150 TV-Mitgliedern. Der Turnverein ist größter Sportverein im Südlandkreis. Mehr Vereinsmitglieder hat in Tölz nur der Alpenverein.

Auch bei restlichen Posten in der TV-Führungsetage gab es diverse Veränderungen: Während Sebastian König weiterhin als stellvertretender Vorsitzender fungiert, wurde mit Michael Ernst ein weiterer Stellvertreter neu installiert. „Noch ein letztes Mal“ hatte sich Heiner Murr für das Amt des Schatzmeisters zur Verfügung gestellt, zu seinem neuen Stellvertreter wurde Kurt Schmid gewählt.

Schriftführerin ist nach wie vor Marina Menacher, und als Beisitzer fungieren nun Johanna Schellhorn und Anke Matthäi. Komplettiert wird das Führungsteam durch die Jugendvertreterin Maria Lijsen, die allerdings bereits vor zwei Wochen vom TV-Nachwuchs gewählt worden war.

Stehende Ovationen hatte es gegeben, als Max Kiechle nach 18 Jahren an der Spitze des Vereins, seinen letzten Rechenschaftsbericht abgegeben hatte. Als symbolischen Akt der Amtsübergabe überreichte er schließlich eine Riesenbreze in Form eines Schlüssels an seine Nachfolgerin.

Das laufende Jahr steht natürlich ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Tölzer Turnvereins. Vor dem offiziellen Feiertag am 27. Juli soll freilich noch der geplante Büroanbau an die Dreifach-Turnhalle an der Jahnstraße fertiggestellt werden. Abzüglich des städtischen Zuschusses in Höhe von 70 Prozent der Baukosten, muss der Verein noch rund 100 000 Euro aus Eigenmitteln zusteuern. „Keine Sorge, wir haben das Geld“, beruhigte schließlich Schatzmeister Murr die Versammlung. Er konnte erneut von einem „finanziell überaus erfolgreichem Jahr“ berichten. Das Plus in niedriger fünfstelliger Höhe sei freilich nicht zuletzt deshalb zustande gekommen, weil wegen der Belegung der Gymnasiums-Turnhalle durch Asylbewerber viele „Turnstunden“ ausgefallen und somit keine Übungsleiter-Vergütungen angefallen seien.

„Vor 24 Jahren hat alles angefangen, heute ist Schluss“, so die letzten Worte Kiechles, der freilich versprach, dass er dem Verein immer verbunden bleiben würde. Und damit er dieses Versprechen auch nicht vergisst, ernannte ihn die Versammlung unter großem Beifall auch gleich zum neuen „Ehren-Vorsitzenden“.

Das letzte Wort hatte dann freilich seine Nachfolgerin Jane Clarke: „Ich werde für die Tölzer Turnfamilie in den nächsten Jahren alles geben. Ich weiß, dass die Fußstapfen, die der Max hinterlassen hat, groß sind. Mir ist auch bewusst, dass nicht immer alles auf Anhieb klappen wird. Dennoch glaube ich, ich schaffe das.“ Sie gab dann auch gleich die Devise für ihr neugewähltes Führungsteam aus: „Wir wollen gestalten und nicht nur verwalten.“

Ewald Scheitterer

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