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Eine Heimat für alte Obstbaumsorten: Neues Projekt am alten Tölzer Schmidl-Haus

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Freuen sich über das Projekt Tölzer Obstbaumschule: Thomas Hölzl und Bürgermeister Ingo Mehner (re.) vor dem Schmidl-Haus.	Fotos: Pröhl (2)/Bock
Freuen sich über das Projekt Tölzer Obstbaumschule: Thomas Hölzl und Bürgermeister Ingo Mehner (re.) vor dem Schmidl-Haus. © arp

Eigentlich war der Abriss des Schmidl-Hauses neben dem Tölzer Friedhof beschlossene Sache. Doch nun ist alles anders: Thomas Hölzl (33) wird die verfallene Villa und die dazu gehörenden rund 6500 Quadratmeter Grund von der Stadt kaufen und dort die Tölzer Obstbaumschule einrichten.

Bad Tölz - Das Projekt widmet sich dem Erhalt und der Aufzucht alter Obstsorten aus dem oberbayerischen Alpenvorland. Das Schmidl-Haus möchte der 33-Jährige möglichst erhalten, „obwohl der Zustand sehr schlecht ist“, und irgendwann als Seminar-und Schulungsräume nutzen.

Angebot für Abbrucharbeiten: „War für mich eine zwiespältige Sache“

Ursprünglich hatte die Firma Hölzl ein Angebot für die Abbrucharbeiten bei der Stadt abgegeben. „Für mich war das immer eine zwiespältige Sache“, bekennt Hölzl, weil die Villa eben diese spezielle Aura habe und „es schade wäre“, wenn sie verschwände. Und weil Hölzl eben nicht nur gelernter Straßenbauer und Bautechniker ist, sondern auch Landschaftsbau studiert hat und irgendwie „der grüne Spinner in dem Haufen ist“, wie er sagt, entstand die Idee für die Obstbaumschule. „Natürlich ist das ein Stück weit verrückt, aber ich hoffe, dass es die Leute schätzen“, sagt er.

Die Gewächshäuser sind in desolatem Zustand. Scherben bedecken den Boden.
Die Gewächshäuser sind in desolatem Zustand. Scherben bedecken den Boden. © Bock

Viele alte Obstbaumsorten sind fast vergessen

Es gebe so viele alte Obstbaumsorten, manche fast vergessen und vom Aussterben bedroht. „Vielleicht steht sogar nur noch ein einziger Baum dieser Art in einem Bauerngarten“, sagt Hölzl. Von einigen Arten seien nicht einmal mehr die Namen bekannt. Um diese alten Sorten geht es ihm. Hauptaugenmerk der Schule sei die Veredelung mit Edelreisern dieser Bäume, um sie am Leben zu erhalten. Zurückgreifen kann er dafür auch auf die Ergebnisse des Biodiversitätsprojekts „Apfel, Birne, Berge“, an dem sich auch der Landkreis beteiligt. Hier wurden Grundbesitzer zur Meldung von alten Obstbaumsorten aufgerufen.

Ein Sichtungsgarten für „sämtliche Nischenbereich der Gärtnerei“

Verkaufen möchte Hölzl die Pflanzen dann an Menschen, die eben nicht auf Massenware setzen. „Natürlich kann man für 40 Euro einen Baum aus Holland kaufen. Oder man investiert das Doppelte und hat einen Tölzer Apfel“, erklärt er. Um das Ganze auch erfahrbar zu machen, ist bis zum Frühjahr 2023 das Anlegen eines Sichtungsgartens geplant. Dort könnten neben den Obstbäumen auch Elemente der Permakultur oder Naturgärten mit Blühwiesen eine Rolle spielen – „sämtliche Nischenbereiche der Gärtnerei“, sagt Hölzl.

Die Gewächshäuser sind abbruchreif, doch eines will Hölzl erhalten

Der Weg bis dorthin ist aber ein weiter – und er ist mit Scherben gepflastert. Die Gewächshäuser im hinteren Grundstücksbereich sind abbruchreif. Möglichst bis zum Herbst möchte sie Hölzl entfernt haben – genauso wie das Hüttensammelsurium neben der Villa. Eines der Glashäuser aber möchte er erhalten und bis zum Ende des Jahres sanieren. „Kunst unter Glas“ und anderes könnte er sich dort vorstellen. Noch im Mai sollen die ersten Pflanzflächen hergerichtet und dort rund 600 bereits veredelte Obstbäume gesetzt werden.

Als erstes muss das Dach der alten Villa gesichert werden

Sobald der Notarvertrag für den Kauf mit der Stadt unterschrieben ist, geht es auch an die Sanierung des Hauses. Als Erstes müsste das Dach dicht gemacht werden, damit die Feuchtigkeit nicht noch mehr Schaden im Inneren anrichtet. Der Zustand des Gebäudes ist desolat. 1992 hatte die Stadt das Areal von der einst dort ansässigen Gärtnerei Schmidl gekauft. „Das Grundstück war für eine Friedhofserweiterung vorgesehen“, erläutert Bürgermeister Ingo Mehner am Donnerstag bei einem Pressetermin. Es habe sich aber gezeigt, „dass wir auf lange Sicht keine Erweiterung brauchen werden“. Die Idee von Hölzl stelle für alle Beteiligten daher „eine Win-win-Situation dar“, ergänzt Kämmerer Hermann Forster.

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Hölzl investiert rund eine Million Euro in das Projekt

Für wie viel die Stadt das Gebäude im Außenbereich samt der landwirtschaftlichen Flächen verkauft, ist nicht öffentlich. Etwa eine Million Euro werde er aber wohl inklusive Kauf in das Projekt investieren, verrät Hölzl. Wobei sich eben erst noch zeigen muss, ob das Haus zu retten ist. Wenn ja, möchte er dort Seminarräume anbieten. „Aber auch Ausstellungen und Vorträge könnte ich mir vorstellen.“

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