Steht im Sudhaus ihren Mann: Lisa Ilg gefällt am Brauen besonders die Nähe zu den Rohprodukten. Im Mühlfeldbräu werden Hopfen, Malz und Co. noch von Hand in den Sudkessel geschüttet.
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Steht im Sudhaus ihren Mann: Lisa Ilg gefällt am Brauen besonders die Nähe zu den Rohprodukten. Im Mühlfeldbräu werden Hopfen, Malz und Co. noch von Hand in den Sudkessel geschüttet.

Interview mit einer angehenden Brauerin

Eine junge Nachwuchsbrauerin für das Tölzer Mühlfeldbräu

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Bei ihr ist Hopfen und Malz nicht verloren. Ganz im Gegenteil. Die Zutaten aus dem deutschen Reinheitsgebot sind bei Lisa Ilg in besten Händen. Die 18-Jährige aus Moosham gehört zu den wenigen Frauen, die eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin machen. Beim Tölzer Mühlfeldbräu geht sie seit September mit Begeisterung dem Handwerk nach.

Frau Ilg, Sie haben 2020 Abitur gemacht, aber sind einen anderen Weg gegangen als viele andere Abiturientinnen. Statt Studium haben Sie sich für eine handwerkliche Ausbildung entschieden. Warum?

Mir war schon vor drei Jahren klar, dass ich Brauerin werden möchte. Da habe ich beim Tölzer Mühlfeldbräu ein Praktikum gemacht. Ich war mir schon am ersten Tag sicher, dass das der Beruf ist, den ich machen möchte. Mir war es dazu immer wichtig etwas Bodenständiges zu machen.

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass Sie sich da sofort so sicher waren?

Ich fand es brutal faszinierend,wie man aus so wenigen Rohstoffen so unterschiedliche Produkte herstellen kann. Dazu hat es mir gefallen, dass – vor allem in kleineren Brauereien – das Handwerk noch eine große Rolle spielt. Dadurch ist man noch näher am Produkt dran. Wir schütten zum Beispiel noch selber das Malz in die Mühle oder holen den Hopfen selber.

Ist die handwerkliche Komponente auch der Grund, aus dem Sie sich für die Ausbildung entschieden haben und nicht zum Beispiel für den Studiengang Brauerei und Getränketechnologie?

Definitiv. Ich komme vom Dorf und da hat das noch einen hohen Stellenwert. Ich wollte schon immer einen handwerklichen Beruf erlernen. Ich bin eher der praktische Typ. Im Studium spielen Technik, Biologie und Chemie eine größere Rolle. Wenn ich abends sehe, was ich tagsüber mit meinen Händen und meiner Kraft geschaffen habe, bin ich glücklich.

Handwerkliche Komponente als ausschlaggebendes Argument für die Ausbildung

Was sind Ihre täglichen Aufgaben?

Zweimal die Woche ist Brautag, da setzen wir zwei Sude an, sonst helfe ich beim Abfüllen und Ausliefern, und es gehören auch viele Reinigungsarbeiten zum Alltag, da ja alles hygienisch sauber und keimfrei sein muss.

Was gefällt Ihnen an der Ausbildung am besten?

Am schönsten ist es, das Malz für den Sud herzurichten. Das ist zwar anstrengend, weil man dazu die schweren Malzsäcke über eine Treppe vom Sudhaus zur Mühle schleppen muss. Aber wenn man dann das Malz in die Schrotmühle schüttet, riecht es wahnsinnig gut. Es ist ein total schönes Gefühl, dieses Rohprodukt in den Händen zu halten und durch die Finger rieseln zu lassen.

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Sind in Ihrer Berufsschule viele Frauen?

In unserer Klasse sind sieben Mädels und 16 Jungs.

Wie ist es für Sie, in einer solchen Männerdomäne zu arbeiten?

Damit habe ich kein Problem. Auch in unserem Betrieb ist das überhaupt kein Thema. Hier wird zwischen Mann und Frau nicht unterschieden, was die Arbeit betrifft.

„Man darf sich für keine Arbeit zu schade sein“

Wie muss man ticken, um Brauerin zu werden?

Man darf sich für keine Arbeit zu schade sein. Es gibt in jedem Handwerk ein paar Arbeiten, die nicht so schön sind, aber gemacht gehören. Dazu sollte man auch ein bisschen anpacken können. Und das Wichtigste ist natürlich: Die Leidenschaft zum Bier. Nur so kann man das Produkt auch authentisch verkaufen.

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Wie fallen die Reaktionen aus, wenn Sie erzählen, was Sie beruflich machen?

Die meisten sind erst erstaunt, weil es ja doch von Haus aus ein recht ungewöhnlicher Beruf für eine Frau ist. Aber eigentlich finden es dann alle total cool. Ich meine, jeder trinkt ja hier auch gern mal ein Bier.

Was ist denn Ihr Lieblingsgetränk?

Unser Zwickel – ein unfiltriertes Kellerbier. Das ist wirklich sauguad.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Ich will erst mal eine gute Gesellenprüfung schreiben und danach werde ich sehen, ob ich noch den Meister drauflege. Auf jeden Fall freue ich mich schon jetzt auf das erste Bier, das ich alleine brauen darf.

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