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So oder so ähnlich könnte der neue Laden aussehen: In Haidhausen betreibt Katrin Schüler bereits eine „Plastikfreie Zone“. 

Bund Naturschutz

Eine plastikfreie Zone für Bad Tölz

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Bad Tölz - Ein Laden in Bad Tölz, in dem man Dinge des täglichen Bedarfs ohne Plastikverpackung kaufen kann: Das ist die Vision der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN). Dieser Traum könnte schon bald wahr werden – dank eines Projekts der Parfümerie Wiedemann.

Bis zu 20 Jahre dauert es laut dem Naturschutzbund Deutschland, bis eine Plastiktüte verrottet ist. Das ist einer der Gründe, warum sich Peter Wiedemann von der gleichnamigen Parfümerie mit Hauptsitz in Bad Tölz dazu entschlossen hat, Plastiktüten künftig nicht mehr gratis an seine Kunden auszugeben. Ein zweiter Grund ist eine Erklärung des deutschen Einzelhandels gegenüber der Bundesregierung, wonach die Verwendung von Tragetaschen aus Polyetylen durch die Einführung einer Gebühr deutlich reduziert werden soll.

Wiedemann geht jedoch noch einen Schritt weiter und verlangt seit vergangener Woche in seinen 21 Filialen auch für Papiertüten pauschal 20 Cent. An den Gebühren will sich der Unternehmer aber keineswegs bereichern. „Im Gegensatz zu den meisten Handelsunternehmen wird der auf diesem Weg vereinnahmte Betrag jedes Jahr für ein anderes nachhaltiges Umweltprojekt gespendet.“ Den ersten Zuschlag erhält die BN-Kreisgruppe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen für ihr Konzept eines Ladengeschäfts mit plastikfreier Zone.

„Das freut uns natürlich sehr“, sagt BN-Kreisvorsitzender Friedl Krönauer. Er hofft, dass mit der Anschubfinanzierung von geschätzt 10 000 Euro bis spätestens Herbst 2017 ein entsprechender Laden in der Stadtmitte eröffnet werden kann. Wie der konkret aussehen könnte, hat BN-Umweltbildungsreferentin Diana Meßmer in einem Konzept erarbeitet. „Es geht vor allem um Lebensmittel, die man sonst nur in Plastikverpackungen kaufen kann“, erklärt Meßmer und nennt als Beispiel Nudeln. Die sollen ähnlich wie in einem Tante-Emma-Laden offen ausliegen und bei Bedarf individuell abgewogen und in Papiertüten verpackt werden.

Denn nicht erst die Aktion „Plastikfasten“ des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern habe gezeigt: Gerade Dinge des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Toilettenpapier sind im Landkreis so gut wie gar nicht ohne Plastikverpackung zu bekommen. „Das ist eine echte Marktlücke“, glaubt Meßmer, die den Laden führen würde.

Neben ökologisch unbedenklichen Produkten für Küche, Bad und das tägliche Leben sollen zudem kleine Snacks wie Suppen und Salate sowie Kaffee in das Sortiment des Ladens aufgenommen werden – selbstverständlich alles in Bio-Qualität und, wenn möglich, mit Produkten aus der Region oder zumindest fair gehandelten Waren. Mit dem neuen Snack-Angebot will Meßmer vor allem Jugendliche ansprechen. Die hatten sich bei einer Veranstaltung der Jungen Union und des CSU-Ortsverbands ein besseres Mittagsangebot in der Marktstraße gewünscht – weg von Döner und Leberkässemmel hin zu frischen Sandwiches, Salaten und anderen vollwertigen, veganen oder fair gehandelten Angeboten (wir haben berichtet). Deshalb wäre ein Standort im Zentrum von Bad Tölz auch so wichtig, betont Meßmer, die hofft, dass sich durch einen Bericht in der Zeitung der ein oder andere Vermieter bei ihr meldet.

Der Verkauf soll „mit jungen Menschen aus benachteiligten Lebenswelten“ organisiert werden, sagt Meßmer, unter anderem mit Blick auf Flüchtlinge. Ob in den Laden auch ein Repair-Café integriert wird, hängt davon ab, ob einige haftungsrechtlichen Fragen noch geklärt werden können.

Ladenfläche gesucht

Wer in der Tölzer Stadtmitte einen kleinen Laden zwischen 50 und 60 Quadratmetern vermieten würde, kann sich bei Diana Meßmer unter 0160/3 68 00 43 melden.

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