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Die einen mit Federkleid, die anderen ohne: WM-Teilnehmer Andreas Bergler, Weltrekordler Christof Wandratsch und Conny Kornprobst (v. li.) vom WSV Bad Tölz in der 4,9 Grad kalten Isar.

Gruppe mit Weltrekordler 

Eisschwimmen in der Isar: Nichts für Warmduscher

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Schnee auf den Dächern, Menschen im Wasser: Fünf Eisschwimmer trainierten in der Tölzer Isar für die Deutsche Meisterschaft. Angeleitet wurde die Gruppe vom Weltrekordler höchstpersönlich.

Bad Tölz – Es könnte eine Szene aus dem Hochsommer sein: Langsam steigt ein 51-jähriger Mann mit knallbunter Badehose aus dem Wasser. Er trocknet sich ab, ganz gründlich und in aller Ruhe. Dann schnauft Christof Wandratsch durch – so wie jemand durchatmet, wenn er etwas Anstrengendes in vollen Zügen genossen hat. Zehn Minuten ist er gerade gegen die Strömung geschwommen und hat dann noch ein bisschen in der Isar geplanscht.

Aber in dieser Szene stimmt etwas nicht: Da liegt kein einziger anderer Badegast am Tölzer Isarstrand, sondern der Schnee auf den Dächern der Altstadt. Spaziergänger tragen dicke Winterjacken, einige sogar Skihosen. Die Lufttemperatur liegt bei null, die des Wassers bei 4,9 Grad. Diese Fakten halten an diesem Sonntagvormittag Ende November fünf Eisschwimmer nicht davon ab, baden zu gehen.

Der Extremsportler Christof Wandratsch hält hier ein sogenanntes Aqua-Camp ab: ein Wochenende, vier Seen und zur Krönung das eiskalte fließende Gewässer. Einerseits ist Wandratsch Lehrer an der Mittelschule in Burghausen, andererseits ist er quasi der Gottvater des Eisschwimmens. Er hält den Weltrekord über 1000 Meter im Eiswasser, ist mehrfacher Weltmeister, schwimmt aber auch mal im Sommer – zum Beispiel durch den gesamten Bodensee: 66 Kilometer in 20 Stunden. Rekord.

Um 10 Uhr fährt Wandratsch mit seinem Kleinbus runter zur Isar in der Stadtmitte und schaltet schon mal die Standheizung ein – fürs Aufwärmen danach. Die Camp-Teilnehmer warten schon, dick eingepackt mit Mützen und Handschuhen. Nur vier sind gekommen, bei den Camp-Stationen Tegernsee, Kirchsee, Schliersee und Spitzingsee waren es noch an die zehn. Zwei Frauen vom Wassersportverein Bad Tölz, Birgit Martin und Conny Kornprobst, wollen wissen, wie sich die Isar im Winter anfühlt. Und sie trainieren hier für die German Open, die Deutsche Meisterschaft Anfang Januar in Veitsbronn bei Nürnberg. „Eigentlich bin ich eine totale Warmduscherin. Und deshalb wollte ich das mal ausprobieren“, sagt Birgit Martin. An diesem Wochenende hat die Tölzerin gelernt: „Es ist reine Kopfsache.“ Man müsse nur die erste Schrecksekunde überwinden.

Baden bei 4,9 Grad Wassertemperatur: Die Isar-Eisschwimmer 

Während sich die Schwimmer nach kurzem Warmlaufen am Bus ausziehen, ahnen Passanten, was gleich passieren wird: „Die gehen da nicht rein, oder?“, fragt eine Frau. Staunende Blicke, Bewunderung, Unverständnis: WM-Teilnehmer Andreas Bergler ist all das gewohnt. Es gab Wochen, in denen er sechsmal ins kalte Wasser sprang. In letzter Zeit schafft es der IT-Redakteur aus Augsburg beruflich bedingt nicht mehr so oft. Aber so oft wie möglich: „Es ist eine Sucht. Wenn ich aus dem Wasser komme, fühle ich mich total entspannt. Eine gigantische Endorphindusche, die ich nicht mehr missen möchte“, sagt er.

Und tatsächlich: Von allen scheint er am meisten Spaß zu haben, albert auch noch für den Fotografen herum. Um kurz vor halb elf stehen die drei Frauen und zwei Männer bis zu den Knien im Wasser. Niemand zögert, alle tauchen beherzt ein. Dann schwimmen sie gegen die Strömung an. „Das ist ja megaanstrengend“, schreit Conny Kornprobst. Dass es saukalt ist, schreit niemand.

Doch dann treibt eine der Frauen ab. Christiane, nur so will sie genannt werden, ist keine trainierte Schwimmerin. Nach drei Minuten muss sie raus, ihr Freund hängt ihr das Handtuch um. Eine andere Nummer sei das in der Isar, im Gegensatz zum Schliersee am Vortag, wo die Sonne schien. Ein paar Minuten später steigen auch Birgit Martin und Conny Kornprobst aus dem Wasser, während Wandratsch und Bergler weiter stoisch auf der Stelle kraulen.

Als Wandratsch die Isar verlässt, ist sein Körper knallrot, das Blut pulsiert. Der Weltrekordler hat gute Voraussetzungen: Unter „Gewicht“ steht auf seiner Homepage „75 Kilo plus 20 Kilo (Übergewicht für natürliche Kälteabwehr)“. Nach ein paar Minuten an der frischen Luft lässt sich die Kälte aber nicht mehr verschleiern. Abgetrocknet und angezogen beginnen die fünf Eisschwimmer nacheinander zu zittern – am Oberkörper und im Mundwinkel. „Ganz normal, dass das erst später eintritt“, erklärt Wandratsch. Es sei wichtig, sich danach behutsam aufzuwärmen und nicht gleich in warmes Wasser zu springen. Das wäre dann auch für den Körper zu viel. „Und man darf sich nicht überschätzen.“ Man würde es schon viel länger als zehn Minuten aushalten. Doch dann mache die Motorik an Land nicht mehr mit.

Wer Eisschwimmer werden will, sollte sich an die Kälte herantasten, rät Wandratsch. Und zunächst im Herbst in die Seen gehen. „Für ein, zwei Minuten, aber dafür oft. Es bringt nichts, wenn man sich einmal gleich zehn Minuten reinquält.“ Gequält hat sich in Tölz offenbar niemand. Am Nachmittag geht die Gruppe ein zweites Mal baden.

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