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Amtsgericht

Ekelfisch und Gammelfleisch

Bad Tölz-Wolfratshausen – Faulig riechende Shrimps, in trüber Flüssigkeit schwimmende Pangasiusfilets, Enten- und Gänseteile, verdorbene Ochsenbratenstücke, Räucherlachs, ungenießbare Sauce Hollandaise, schimmelige Semmelknödelmasse, Hirschnüsschen, Wildlendchen und andere schwer verdauliche Zutaten: All das fanden Kontrolleure des Landratsamts bei vier Besuchen zwischen Mitte Januar und Anfang Juli 2014 in der Küche eines Lokals im südlichen Landkreis.

Die klare Einordnung für die vergammelten Waren: „nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet“. Deswegen musste sich ein 71-jähriger Gastronom jetzt wegen Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz verantworten.

Die Ehefrau des Angeklagten war als Geschäftsführerin des Lokals schon im August vorigen Jahres zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie 1000 Euro Geldbuße verurteilt worden. Weil ihr Ehemann, der in erster Linie für die unappetitlichen Zustände in der Restaurantküche verantwortlich gewesen sein soll, damals wegen gesundheitlicher Probleme nicht zur Verhandlung erscheinen konnte, wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt und ein Strafbefehl erlassen. Darin wurde der ehemalige Koch und Geschäftsführer zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung sowie 700 Tagessätzen zu je 40 Euro (insgesamt 28 000 Euro) Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Einspruch ein, beschränkte diesen aber auf die Rechtsfolgen, also die Höhe der Strafe.

Auch zur neuen Verhandlung musste der Angeklagte nicht persönlich erscheinen. Statt seiner warb Verteidiger Walther Kießel um Nachsicht für seinen Mandanten, der in jüngeren Jahren unter anderem im Bayerischen Hof in München die Gäste mit seiner Kochkunst verwöhnte. „Ich habe bei ihnen immer gut gegessen“, so der Rechtsanwalt. „Wir haben dort wunderbare Feste gefeiert, aber Rechtsanwälte und Staatsanwälte nicht mit in die Küche genommen“, sagte Kießel. „Er ist ein Mensch, der mal groß war und klein geworden ist.“ Nun erlebe sein Mandant „einen langen Niedergang, den viele Menschen vor sich haben“. Seine Schuld sei freilich unbestritten. „Wir müssen Gesetze einhalten, darüber müssen wir nicht diskutieren“, so der Verteidiger. Aber die Geldstrafe sei eine „barbarische Strafe“, die Anzahl der Tagessätze sei „mindestens zu halbieren, wenn nicht zu dritteln“.

Das Schöffengericht kam dem Antrag nur bedingt entgegen, indem es lediglich die Höhe der Tagessätze auf 25 Euro reduzierte (gesamt also 19 600 Euro). „Es hat sich nichts geändert, das berechtigen würde, von den Tagessätzen deutlich runterzugehen“, so Richter Berger. Zur Höhe der Strafe trägt auch bei, dass der Angeklagte bereits im Jahr 2009 wegen ähnlicher Vorfälle zu einer Geldstrafe verurteilt worden war und zudem nach einer Verurteilung wegen Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt zum Zeitpunkt der letzten Vorfälle unter offener Bewährung stand. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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