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Stellten noch einmal Thomas Mann in den Mittelpunkt: Albert von Schirnding und Ausstellungskuratorin Elisabeth Hinterstocker. 

Lesung über Schriftsteller

Ende des Thomas-Mann-Jahrs: Freuden und Leiden eines Sammlers

Albert von Schirnding ist stets auf der Suche nach Erstausgaben von Thomas Mann. Jetzt hat er mit einer Lesung das Tölzer Thomas-Mann-Jahr offiziell beendet.

Bad Tölz – Mit einer Lesung des Thomas-Mann-Experten Albert von Schirnding ist am Sonntag das Tölzer „Thomas-Mann-Jahr“ zu Ende gegangen. Die Stadt hatte dabei mit einem sehr vielfältigen Kulturprogramm an die „Tölzer Jahre“ der Mann-Familie von 1909 bis 1917 erinnert.

Die Leidenschaft des Albert von Schirnding, der auf Schloss Harmating bei Egling lebt, ist eine sehr spezielle Facette der Thomas-Mann-Verehrung: Seit Jahrzehnten sammelt er kostbare (und möglichst auch handsignierte) frühe Erstausgaben von Werken des berühmten Schriftstellers. Von den „Freuden und Leiden“ dieser nicht ganz billigen Passion berichtete er jetzt im Tölzer Stadtmuseum. Und das große Interesse an diesem Vortrag machte auch deutlich, wie umfangreich hier mittlerweile die Anhängerschar von Thomas Mann ist.

Mit viel Selbstironie, ganz in der Art des Schriftstellers, nahm von Schirnding seine Passion selbst auf die Schippe: „Als Sammler gleiche ich dem Don Juan: Begehren ist wichtiger als Besitz.“ Doch während Mozart seinen Don Juan am Ende zur Hölle schickt, bleibt von Schirndings Jagd nach den begehrten Sammlerstücken ein folgenloses Vergnügen. Und er ergänzt noch: „Wir Sammler sind eine „im Aussterben begriffene Spezies, seitdem im Internet alles verfügbar geworden ist“.

Von Schirnding ist natürlich auch ein eifriger Leser und profunder Kenner des Gesamtwerks von Thomas Mann. Auf die Frage, was denn für ihn die Großartigkeit und Bedeutung des 1929 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Schriftstellers ausmacht, sagt er: „Seine wunderbare Sprache und die unerschöpfliche humane Substanz seiner Werke.“ Seine größte Bewunderung gilt dabei den vier Joseph-Romanen, dem Spätwerk Thomas Manns.

Die Frage, wie man als junger Mensch leichten Zugang zu Mann finden könne, beantwortet Petra Schenk, Inhaberin der Buchhandlung Winzerer. Sie schlägt vor: „Nicht gleich die ganz großen Romane lesen, sondern mit weniger umfangreichen Werken anfangen.“ Zum Beispiel Herr und Hund („leicht zugänglich und humoristisch“) oder Dr. Faustus („ein tolles Buch, nicht nur über Musik“). Schenk bestätigt auch, dass das Interesse an Mann groß ist. „Wir haben im Jubiläumsjahr viel mehr Thomas Mann verkauft als sonst.“

Rainer Bannier

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