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Dank Asylplus bald mit WLan ausgestattet: Die im Frühjahr eröffnete Gemeinschaftsunterkunft neben der Realschule.

Tölzer Gemeinschaftsunterkünfte 

Endlich WLan als Fenster zur Welt

Kaum zu glauben: Die zwei neuen großen Gemeinschaftsunterkünfte in Bad Tölz wurden ohne WLan-Anschluss gebaut. Die Regierung von Oberbayern begründet das mit der Gesetzgebung. Immerhin: Nun soll der Verein Asylplus für Abhilfe sorgen dürfen.

Bad Tölz – Seit Anfang des Jahres werden in den zwei zentralen Gemeinschaftsunterkünften neben der Realschule (116 Plätze) und auf der Flinthöhe (165) die Flüchtlinge zusammengezogen. Beide Anlagen wurden neu errichtet und nähern sich langsam der Vollbesetzung. Das Klientel ist bunt gemischt, Einzelflüchtlinge, Familien, schwangere Frauen, Kinder aus den Krisenländern.

Im Fall Flinthöhe war die Stadt Bad Tölz Bauherr des Hauses und hat bei den Baustandards die Wünsche des künftigen Mieters, die Regierung von Oberbayern, berücksichtigt. Ein WLan-Anschluss gehörte ausdrücklich nicht dazu, sagt Bürgermeister Josef Janker, der das nicht recht nachvollziehen kann. Natürlich müsse ein WLan-Anschluss bei so einer Einrichtung vorgehalten werden. Die Erfahrung habe die Stadt ja auch gemacht und sogar für eine reine Interims-Unterkunft im Jodquellenhof einen Hot Spot wenigstens im Lobbybereich eingerichtet. Zuvor hatten die Flüchtlinge für Telefonieren oder die Verbindung zur Heimat das WLan an der Kurbücherei angezapft. Das hatte zu allerhand Ärger mit ruhesuchenden Kurgästen geführt. Die Rathausspitze reagierte. Das Problem gelöst.

Für den Tölzer Sozialplaner Armin Ebersberger ist das völlig logisch. „Eine funktionierender WLan-Anschluss ist doch für die Verbindung zu den Familien ganz, ganz wichtig.“ Für ihn persönlich wäre das in so einer Lage auch nicht anders, denkt sich der 43-Jährige in die Asylbewerber hinein. Auch die Stadt hat davon Vorteile. Erfülle man solche Grundbedürfnisse des Menschen, so „gibt es viel weniger Probleme rundherum“. Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Flüchtlinge ja ohnehin zur Untätigkeit verdammt sind und im Internet wenigstens ein bisschen Abwechslung im tristen Alltag finden, wie aus Asylhelferkreisen angemerkt wird, wo die WLan-Vorgaben der Regierung mit Kopfschütteln registriert werden.

Die Regierung von Oberbayern indes beruft sich auf das „Asylbewerberleistungsgesetz“, wonach jedem Flüchtling Geldleistungen für Kommunikation und Nachrichtenübermittlung zustehen. Indes scheint auch bei der Regierung langsam ein Umdenken einzusetzen, denn in der gestern verschickten Pressemitteilung heißt es auch, dass unter bestimmten Umständen erlaubt wird, dass Dritte WLan-Systeme bei Gemeinschaftsunterkünften errichten dürfen. Just in dieser Woche sei dem Wackersberger Verein Asylplus diese Genehmigung für beide Tölzer Häuser erteilt worden.

Die Vorsitzende Waltraud Haase bestätigt dies auf Anfrage. Man sei allerdings auch schon seit Frühjahr dran, um Abhilfe zu schaffen. Das sei eine „unendliche Geschichte“ gewesen. Für Waltraud Haase sind zentrale Hot Spots in den Unterkünften nicht nur Kommunikationsfenster zur Welt, sondern unentbehrlich für die Fortbildungs- und Deutschkurse. „Sie glauben gar nicht, wie hoch der Prozent von Asylbewerbern ist, die am Computer lernen.“

Ganz ohne Haken ist die Erlaubnis der Regierung nicht. Denn die Finanzierung für das WLan-System muss der gemeinnützige Verein erst einmal selbst stemmen. Asylplus arbeitet mit dem privaten Gilchinger Verein Refugees Online zusammen, der schon mehr als 150 Gemeinschaftsunterkünfte mit Internet versorgt hat. „Und zwar mit einem, das auch funktioniert und mit Inhaltsfiltern ausgestattet ist“, sagt Haase. Rund 1000 Euro kostet allein die Installation, erklärt sie. Über monatliche 10-Euro-Nutzungsgutscheine, die sie an die Flüchtlinge veräußert, will sie das Geld wieder hereinholen.

Ob’s funktioniert, wagt die 70-Jährige nicht zu sagen. Spenden an ihren Verein oder „Refugees Online“ seien jedenfalls willkommen.

Christoph Schnitzer

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