Im Kreis der Heimbewohner: Antonie Hoch (2. v. re.) betreut Senioren im Josefistift. Für ihr Engagement wurde die Tölzerin mit neun weiteren Ehrenamtlichen aus Oberbayern am Dienstag mit dem „Weißen Engel“ ausgezeichnet. 

Staatspreis für Tölzerin

Ein Engel für einen Engel

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Bad Tölz - Für die Heimbewohner des Tölzer Seniorenheims Josefistift ist Antonie Hoch schon lange ein Engel. Das hat nun auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml erkannt und verlieh der Tölzerin am Dienstag für ihr ehrenamtliches Engagement im Bereich Pflege die Auszeichnung „Weißer Engel“.

So ganz kann Antonie Hoch den Rummel um ihre Person nicht verstehen. „Ich bin doch nur da und rede mit den Menschen“, sagt die 71-Jährige bescheiden. „Manchmal reicht es auch schon, jemandem übers Gesicht zu streicheln.“ Doch genau diese menschliche Wärme und die aufrichtige Anteilnahme am Alltag der Senioren sind es, was die Bewohner des Josefistifts so sehr an Antonie Hoch schätzen – und was ihr bereits 2014 die Tölzer Verdienstmedaille einbrachte (wir haben berichtet). Gestern bekam Hoch bei einem festlichen Empfang auf Schloss Nymphenburg in München von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml nun auch noch den „Weißen Engel“ verliehen.

Hoch freut sich über die Auszeichnung. Viel wichtiger ist ihr aber, „dass ich für die Bewohner wirklich so eine Art Engel bin“. Entsprechend groß ist die Freude, wenn Hoch am Donnerstagnachmittag in das Josefistift kommt. „Die Senioren warten schon auf mich und freuen sich, wenn ich dann da bin“, sagt Hoch und lächelt. Anschließend geht sie von Wohnbereich zu Wohnbereich, bei schönem Wetter nimmt sie die Bewohner auch mit in den Garten. Nicht nur die Heimbewohner genießen diese gemeinsame Zeit: „Für mich ist es auch sehr schön, ich bekomme so viel zurück.“ Die ergreifendsten Momente seien es, wenn ihr jemand der älteren Herrschaften sagt: „Ich hab’ dich lieb“, was nicht selten der Fall sei.

Weniger schön ist, wenn jemand stirbt. „Aber so ist nun mal der Lauf der Dinge“, sagt Hoch, deren Einstellung zum Tod sich durch ihr ehrenamtliches Engagement stark verändert hat. „Der Tod ist etwas Natürliches, wovor ich keine Angst mehr habe.“ Dennoch ist es auch für Hoch nicht einfach, wenn ein Bewohner stirbt. „Man muss psychisch fest sein, aber das war ich schon immer.“

Neben ihrer inneren Stärke darf auch eine gesunde Portion Humor bei den Besuchen im Josefistift nicht fehlen. Gemeinsam zu lachen sei wichtig – und auch im Umfeld eines Seniorenheims gibt es laut Hoch genügend Anlässe dafür. Zum Beispiel, wenn eine 93-Jährige bei einem Ausflug mit ihrem Rollator schneller die Tölzer Marktstraße hinaufkommt als sie selbst, wie Hoch lachend erzählt.

Auf die Idee, sich ehrenamtlich zu engagieren, kam Hoch vor zehn Jahren, als sie aus ihrem Job bei der Tölzer Stadtverwaltung ausschied und in Rente ging. „Ich habe damals nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht, wo ich mich sozial engagieren kann“, erinnert sich die 71-Jährige. Im Josefistift fand sie genau das, was sie gesucht hatte. „Es passte vom ersten Tag an.“ Das Haus sei sehr gut geführt, und der Zusammenhalt stimme. „Wenn ich mal ins Heim muss, dann hierher.“

Noch lebt Hoch aber zusammen mit ihrem Mann in Tölz. Die Arbeit im heimischen Garten gibt ihr die Kraft, neben ihrem ehrenamtlichen Engagement im Josefistift auch noch regelmäßig ihre ehemalige Nachbarin im Pater-Rupert-Mayer-Heim zu besuchen. Daneben engagiert sich die dreifache Großmutter als Delegierte im Seniorenbeirat des Landkreises. „Für mich ist es selbstverständlich zu helfen.“ Weil es ihrer Ansicht nach viele andere Ehrenamtliche gibt, die den Preis ebenfalls verdient hätten, ist ihr wichtig zu betonen: „Ich teile diese Ehrung mit allen, die sich ehrenamtlich engagieren.“

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