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„Entmachtung“ in der Kirche ? Diskussion in Tölzer Franzmühle

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Wie ist Kirche zu verändern? Eine Podiumsdiskussion führten (v. li.) Stadtpfarrer Peter Demmelmair (Bad Tölz), Dekan Thomas Neuberger (Dietramszell), Prof. Michael Ebertz (katholische Hochschule Freiburg), Gemeindereferentin Elisabeth Stangassinger (München-Westend) und Herbert Konrad (Kreisbildungswerk Bad Tölz).
Wie ist Kirche zu verändern? Eine Podiumsdiskussion führten (v. li.) Stadtpfarrer Peter Demmelmair (Bad Tölz), Dekan Thomas Neuberger (Dietramszell), Prof. Michael Ebertz (katholische Hochschule Freiburg), Gemeindereferentin Elisabeth Stangassinger (München-Westend) und Herbert Konrad (Kreisbildungswerk Bad Tölz). © Birgit Botzenhart

Bei einer Podiumsdiskussion über Kirche in der Tölzer Franzmühle rücken Teilnehmer von Forderung nach Priesterweihe für Frauen ab.

Bad Tölz – Frauen ins Priesteramt: Bei einer Podiumsdiskussion in der Tölzer Franzmühle am Dienstagabend wurde diese Forderung relativiert – auch von Elisabeth Stangassinger, die Mitglied von „Maria 2.0“ ist, der Initiative katholischer Frauen in Deutschland. Zuvor hatte Prof. Michael Ebertz von der Freiburger katholischen Hochschule den Titel seines Vortrags „Entmachtung“ erklärt: Unter Macht in der Kirche versteht er soziale Beziehungen. Einer verfüge über etwas, das ein anderer begehre. Früher versprachen sich die Menschen Heil und Erlösung von der Kirche. Inzwischen habe sich dieses Abhängigkeitsverhältnis fast völlig aufgelöst. Folglich stelle sich die Frage nach der Bedeutung der Sakramente und der Priester, die sie allein spenden dürfen. „Das daraus erwachsende Identitätsproblem des Klerus’ ist völlig ungeklärt“, sagte der Soziologe.

Frage nach Bedeutung der Sakramente und der Priester stellt sich

Stadtpfarrer Peter Demmelmair stellte als Erster die Forderung von „Maria 2.0“ in Frage: „Sind die Probleme der Kirche wirklich gelöst, wenn Frauen geweiht werden?“ Zustimmung bekam er von Dekan Thomas Neuberger: „Dadurch kommen nicht mehr Menschen“, meinte er. Ausgerechnet die streitbare Gemeindereferentin Elisabeth Stangassinger, die bekannterweise kein Blatt vor den Mund nimmt, erklärte: „Inzwischen teile ich die Zweifel von Pfarrer Demmelmair, weil damit alles gleich bleibt. Das Amt und die Hierarchie müssen zuerst fallen.“

Ebertz beschrieb einen möglichen „Andockpunkt“ für die Kirche in der Gesellschaft: den personellen Einsatz im Alltag, der durch Leid aus den Fugen gerate. Er sprach vom Umbau des Kirchenpersonals zu „pastoralen Einsatzteams“. Dem stimmte Demmelmair zu. Er berichtete, dass er Teil des Kriseninterventionsteams war, als 2006 das Dach der Eishalle in Bad Reichenhall einstürzte. 15 Menschen starben, darunter zwölf Kinder und Jugendliche. „Dort vor Ort gewesen zu sein, war außergewöhnlich wichtig“, sagte der Geistliche.

Gemeindereferentin Elisabeth Stangassinger relativiert Forderung

Allerdings sträuben sich Kirchgänger gegen Nichtgeweihte. Während der Lockdowns, als Zeit und Plätze bei Beerdigungen begrenzt wurden, unterstützte die Dietramszeller Gemeindereferentin den Dekan. Anschließend erfuhr er über eine zweite Person, dass er beschimpft worden war: „Feige“ sei er, weil er nicht persönlich die Beerdigung „der Mutter“ geleitet habe. „Was wollen wir?“, fragte Neuberger, „schöne Gewänder oder 30 Jahre Erfahrung in Trauerbegleitung?“

Herbert Konrad vom Kreisbildungswerk forderte nach zwei Stunden eine Vision aller Redner zur künftigen katholischen Kirche. Stangassinger wünschte sich, dass Menschlichkeit an oberster Stelle steht. Demmelmair war optimistisch mit Blick auf die Geschichte: Die Kirche habe Krisen wie die Reformation und die französische Revolution überlebt. Neuberger hoffte, dass die Menschen die Botschaft der Bibel als lebenswert erkennen. Allein Ebertz gab zu: „Ich kann nicht einfach so auf Hoffnung machen.“ Der nächste Papst werde kaum ein Franziskus II. werden, meinte er mit Hinblick auf das international geprägte Konklave. (B. Botzenhart)

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