Veranstalter der Reihe „BrotZeit & Spiele“ und selbst Künstler: Wolfgang Ramadan (57).

abo-Reihe

Das Erfolgsrezept? „Ein gutes Programm“

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Die „kulturelle Grundversorgung“ ist gewährleistet: Die 13. Abo-Veranstaltungsreihe mit dem Titel „BrotZeit  und  Spiele“ von Wolfgang Ramadan steht, der Vorverkauf hat begonnen. 2018 stehen in Bad Tölz bekannte Künstler auf der Bühne.

BadTölz-WolfratshausenNein, öffentliche Zuschüsse bekommen Wolfgang Ramadan und sein vierköpfiges Team nicht. Für den in Icking lebenden Künstler und Veranstalter kein Grund, ein Klagelied anzustimmen. „So ist es eben“, sagt der 57-Jährige. Und: „Irgendwie geht’s immer.“

Ramadan ist im Landkreis an gleich zwei Spielstätten mit seinem „Abo“ präsent – im Vereineheim in Icking (seit 2004) und im Tölzer Kurhaus (seit 2006). Der Anfang war nicht leicht. Wortakrobat Peter Spielbauer nutzte das Ickinger Vereineheim seinerzeit für eine öffentliche Probe „mit dem Who’s Who’ der Kabarettisten“, erinnert sich Ramadan. Beim Besuch der Probe kam ihm der Gedanke: „Hoppala, da kann man ja Theater machen.“

Von dieser Idee war der damalige Ickinger Bürgermeister Hubert Guggenmos zunächst wenig überzeugt. „Der hat gedacht, ich mache nur viel Wind.“ Beim nächsten Besuch Ramadans ein paar Wochen später im Ickinger Rathaus fand er Guggenmos in einen Zeitungsartikel vertieft: „Es war ein Artikel im Lokalteil des Münchner Merkur, der auf die bevorstehende Veranstaltung mit Jörg Hube im Vereineheim hinwies.“ Zwei Jahre später begann Ramadan mit dem Aufbau der „Abo“-Reihe in Bad Tölz, und mittlerweile hat sich das Konzept auch in anderen Orten etabliert, etwa in Aying, Bad Aibling, Isen, München, Starnberg, Wasserburg und Weilheim.

Der Veranstalter spricht gerne von „kultureller Grundversorgung“ und gibt seinem „Abo“ mittlerweile den Titel „BrotZeit und Spiele“. Das Prinzip ist simpel: Ein Abo ist billiger als die Eintrittskarten einzeln zu kaufen. Der Sitzplatz ist immer fest reserviert. Und wenn man mal keine Zeit oder einem der Künstler nicht gefällt, kann man seine Eintrittskarte problemlos an Verwandte oder Bekannte ausleihen. Mittlerweile hat Ramadan einen festen Kundenstamm, der sein Abo Jahr für Jahr verlängert. Die Einzelkarten gibt es erst ab 2. Januar zu kaufen.

Ramadan hat gut 30 Jahre Erfahrung als Veranstalter gesammelt. Er war Kurator bei der 850-Jahrfeier in München, Spielleiter der 200-Jahrfeier des Englischen Gartens, von 1990 bis 1995 Kulturreferent der Stadt Garching und hat erfolgreich eigene Stücke auf die Bühne gebracht, in Bad Tölz unter anderem „Bussi Kathi“ (2009/10) im Kurhaus und „Pension Nirwana“ als Freiluft-Spektakel 2013 und 2014 am Blomberg. „Da kommen noch heute Anfragen, wann wir es wieder spielen“, freut sich Ramadan.

„Ich habe in meinem Leben wahnsinnig viel Glück gehabt“, stellt er fest. Privat, weil er als Kind eine Polio-Erkrankung ohne Folgeschäden überstand, und beruflich, nicht zuletzt mit Blick auf das Projekt Abo. Mit „Nichts“ – außer Herzblut – habe er begonnen, „und ich habe ein Monster geschaffen, dem ich täglich ins Gesicht schaue und aufpassen muss, dass es mich nicht frisst“.

Doch wer mit Ramadan über „BrotZeit & Spiele spricht, merkt nach nur wenigen Minuten: Ja, das Projekt beschert ihm Stress und schlaflose Nächte, doch nein, er könnte davon mutmaßlich nicht lassen.

Hat er Angst, dass das Publikum der Veranstaltungsreihe einmal den Rücken kehrt? „Nein“, sagt Wolfgang Ramadan. Dieses Damoklesschwert schwebe sozusagen über jeder Veranstaltungsreihe. Ein gutes Rezept dagegen sei schlicht und einfach ein sehr gutes Programm. Natürlich ist ihm bekannt, dass in jüngster Vergangenheit der Besuch bei der einen oder anderen Kulturveranstaltung im Landkreis zu wünschen übrig ließ. Gibt es zu viele Spielorte? „Es gibt nicht zu viele Bühnen“, antwortet der 57-Jährige, „es ist die hohe Schlagzahl an Veranstaltungen.“ Und: Im Zeitalter von gefühlten 500 TV-Programmen, Internet und sozialen Netzwerken wie Facebook nehme die Zahl der „Coach-Potatos“ zu: Menschen, die ihre Freizeit auf dem heimischen Sofa verbringen. „Aber das sind alles nur Mutmaßungen.“

Wer wissen will, warum „BrotZeit & Spiele“ beim Publikum so hohen Stellenwert genießt, muss dagegen kein Gutachten in Auftrag geben: Der muss einfach nur ein Abo kaufen – und sich im Kurhaus selbst ein Bild machen.

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