Das Erfolgsrezept der Grünen: Darum wächst die Partei auch im Tölzer Land

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Während die großen Volksparteien bei den jüngsten Wahlen herbe Verluste einstecken mussten, sind die Grünen im Höhenflug – auch im Landkreis. Hier verzeichnete die Partei zuletzt einen Mitgliederzuwachs von über 50 Prozent.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Der positive Wille anzupacken, trägt in Eurem Landkreis super Früchte“, hatte Eike Hallitzky, Landeschef der Grünen, bei der Gründung des Lenggrieser Ortsverbands gelobt und eindrucksvolle Zahlen mitgebracht. Im Stimmkreis steigerten sich die Grünen bei der Landtagswahl 2018 von 7,7 auf 19,3 Prozent. Die Mitgliederzahl im Landkreis stieg seit 2017 von 81 auf 140.

Die Erklärungen für den Boom bei den Grünen seien vielfältig, sagt Kreissprecher Alexander Müllejans. „In Tölz hat uns beispielsweise der Bürgerentscheid Bichler Hof einen ziemlichen Schub gebracht“, sagt der Eurasburger. „Auch im Nachgang zur Bundestagswahl gab es bei uns Mitgliederzuwachs.“ Der 61-Jährige glaubt, dass die neuen Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und vor allem Robert Habeck großen Anteil am Erfolg der Partei haben. Gerade Habeck – er ist derzeit der beliebteste deutsche Politiker – sei ein sehr empathischer Mensch. „Ich habe ihn persönlich kennengelernt. Er ist jemand, der mir sehr liegt. Jemand mit gesundem Menschenverstand“, sagt Müllejans.

Zum Erfolgsrezept der Grünen zählt er aber auch, dass die Partei „glaubwürdige Politik“ mache – und das mit Leidenschaft. „Wenn ich an ein Thema glaube, dann kämpfe ich auch dafür.“ Dabei hätten sich die Themen nicht geändert: Soziale Gerechtigkeit, Europa, Umwelt – all das stehe von jeher auf der Agenda der Grünen. Umweltpolitik würden sich natürlich mittlerweile viele auf die Fahnen schreiben. „Aber eher als Modeerscheinung. Und dann ist das nicht glaubwürdig“, sagt Müllejans, der selbst schon in den früher 80er-Jahren bei den Grünen aktiv war.

Dass sich die Themen der Partei nicht gewandelt haben, sondern eher die Gesellschaft, denkt auch Klaus Koch. Der Eurasburger ist Fraktionschef der Grünen im Kreistag und sitzt für die Partei im Gemeinderat. „Unsere Themen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt der 54-Jährige. Zügiger Braunkohleausstieg, das Rad als zentrales Verkehrsmittel, Strategien, um den Klimawandel aufzuhalten – für Forderungen wie diese „sind wir früher belächelt worden“, sagt der Dritte Landrat. Heute sei das nicht mehr so. „Selbst Ministerpräsident Markus Söder sagt, dass die CSU grüner werden muss.“ Positionen der Grünen würden heute auf Zustimmung stoßen, „die wir vor ein paar Jahren noch nicht bekommen hätten. Heute kommen die Leute und sagen: Ihr müsst Eure Forderungen schneller durchsetzen“, so Koch.

Ein grüner Abgeordneter aus dem Landkreis - das gibt Auftrieb

Was den Grünen im Landkreis zudem Auftrieb gebracht hat, „ist, dass wir jetzt wieder einen Abgeordneten aus dem Kreis im Landtag haben“, sagt der Eurasburger. So gelinge es, grüne Themen aus der Region direkt dort einzubringen, sagt Koch.

Hans Urban aus Oberherrnhausen sitzt seit Herbst 2018 im Landtag. Ihn spülten sein exorbitant gutes Erststimmen- und sein positives Zweitstimmenergebnis von einem eigentlich aussichtslosen Listenplatz direkt ins Maximilianeum. Auch der 41-Jährige glaubt, dass sich weniger die Partei als vielmehr die Einstellung bei den Bürgern gewandelt habe. „An unserer grundsätzlichen Ausrichtung hat sich nie etwas geändert. Wir sind eine Programmpartei. Wir besetzen die Themen schon immer, nicht erst seit gestern.“ Und dass gerade Umweltthemen wichtiger werden, liege daran, dass viele Menschen am eigenen Leib die Auswirkungen des Klimawandels erleben – beispielsweise durch Extremwetterereignisse wie die Dürre im vergangenen Jahr. Ähnlich sei das beim Verkehr. Wer morgens und abends in Tölz oder Wolfratshausen im Stau stehe, erkenne, dass sich etwas grundlegend ändern müsse.

Damit der Erfolg der Grünen von Dauer ist, arbeitet die Partei im Landkreis daran, die Basis zu verbreitern. „Überall präsent zu sein, war ja auch das Erfolgsrezept der CSU“, sagt Urban. Anfang April wurde der Ortsverein Lenggries/Gaißach/Jachenau gegründet, an diesem Montag folgt die Ortsgruppe Icking/Münsing. „Dietramszell/Egling wollen wir wiederbeleben“, sagt Müllejans. Geplant ist zudem die Gründung eines Ortsvereins für Reichersbeuern, Sachsenkam und Greiling. „Dort haben wir im Moment allerdings noch sehr wenige Mitglieder“, sagt der Kreissprecher. „Aber wir führen Gespräche.“

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Reinhardt

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