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Zahnarzt in Geretsried teurer als in Bad Tölz

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Von: Andreas Steppan

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Eine Zahnbehandlung kann unter Umständen teuer werden. Und tatsächlich gibt es selbst im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Preisgefälle.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Abgesehen von der Grundversorgung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei vielen Leistungen im Regelfall nur 50 Prozent der Kosten – bei ordnungsgemäß geführtem Bonusheft 60 Prozent. Den Rest muss der Patient aus eigener Tasche zahlen – was vor allem bei Zahnersatz richtig ins Geld geht. Eine Studie der Ergo-Versicherung hat nun ergeben, dass die Höhe der Rechnung auch davon abhängt, in welchem Ort sich die Praxis befindet. Erstaunlich: Auch innerhalb des Landkreises gibt es Unterschiede: Im Nordlandkreis ist es im Schnitt teurer als im Südlandkreis.

Bayern ist im Schnitt deutlich teurer als andere Bundesländer

Die Ergo-Versicherung hat für ihre Studie über acht Millionen Rechnungen ausgewertet, die in den vergangenen drei Jahren bei ihr eingegangen sind (siehe www.ergo.de/de/Ratgeber/zahngesundheit/zahnarztkosten_in_deutschland/bayern). Demnach ist eine Zahnarztbehandlung in Bayern mit im Schnitt 611 Euro deutlich teurer als in vielen anderen Bundesländern. Auch innerhalb des Freistaats gebe es ein Gefälle zwischen der Region Kempten (394 Euro) und Kronach (971 Euro).

In ihrer Statistik führt Ergo auch die Region Bad Tölz, der in diesem Fall nicht nur Loisachtal und Isarwinkel zugeordnet sind, sondern etwa auch Tegernsee, Holzkirchen und Feldkirchen-Westerham. Hier betrug eine Zahnarzt-rechnung im Mittel 620 Euro. In der Region Geretsried (mit Wolfratshausen, Königsdorf, Eurasburg, Egling und Münsing) kostete eine Zahnarztbehandlung im Mittel gar 822 Euro.

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Dr. Ralf Angermaier, Sprecher der Zahnärzte im Landkreis

Mit am teuersten beim Zahnarzt sind Implantate, die jedoch im Raum Bad Tölz mit 2886 Euro noch etwas erschwinglicher waren als im Raum Geretsried (3060 Euro). Eine Krone kostete in Bad Tölz im Schnitt 758 Euro, in Geretsried 799 Euro. Füllungen schlugen in Bad Tölz mit 88 Euro zu Buche, in Geretsried mit 99 Euro.

Wie aber kommen solche Unterschiede zustande? Das Arzthonorar jedenfalls sei bundeseinheitlich festgelegt, wie Dr. Ralf Angermaier, Sprecher der Zahnärzte im Landkreis, auf Anfrage des Tölzer Kurier erläutert. Bei gesetzlich Versicherten gelte der „Einheitliche Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen“ (Bema), bei Privatpatienten die „Gebührenordnung für Zahnärzte“ (GOZ). Die Differenz zwischen beiden sei übrigens nicht so groß wie oft angenommen, stellt Angermaier klar. So erhalte ein Zahnarzt für die Extraktion eines einwurzeligen Zahns von der gesetzlichen Versicherung 8,73 Euro, von der Privatversicherung 9,05 Euro. Der „2,3-fache Satz“, von dem oft die Rede sei, habe andere Bezugspunkte. Beide Gebührenberechnungen seien „wie zwei verschiedene Sprachen“ und nicht eins zu eins vergleichbar.

Etwa ein Drittel hat private Zusatzversicherung

Variablen gebe es allerdings bei anderen Komponenten der Rechnung, so Angermaier. Bei einer Zahnfüllung zum Beispiel komme es darauf an, welches Material der Patient wünscht. Die einst gängigen – und teuren – Goldfüllungen seinen heute aus der Mode. Die meisten Patienten bevorzugen wegen der Optik laut dem Tölzer Mediziner weiße Füllungen – und müssen im Einzelfall für die Schönheit mehr oder weniger draufzahlen.

Bei Kronen, Prothesen oder Implantaten arbeitet Angermaier in den allermeisten Fällen mit heimischen Zahntechnikern in Bad Tölz und Icking als Hersteller zusammen. Für eine „gewisse Klientel mit sehr engem Budget“ komme es aber auch in Frage, den Zahnersatz billiger im Ausland fertigen zu lassen. Zum Beispiel in China werde „fachlich nicht schlecht“ gearbeitet. Man müsse allerdings „gewisse Abstriche“ machen, zum Beispiel was die individuelle Anpassung der Farbe an die restlichen Zähne betrifft.

Bei Implantaten habe man die Wahl zwischen Markenprodukten etablierter Hersteller, bei denen man sicher sein könne, auch in fünf Jahren noch Ersatzteile zu erhalten, oder günstigeren kleineren Firmen.

Letztlich würden freilich auch das Mieten- und das Gehälterniveau zu den regionalen Unterschieden beitragen. Ein Beispiel dafür, dass die Preise auch mit dem angebotenen Leistungsspektrum der Praxen variieren, ist die professionelle Zahnreinigung. „Dabei kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz, etwa Polierpaste, Pulverstrahl oder Gummipolierer.“ Je nach Aufwand und Zeitbedarf koste eine Reinigung bei ihm zwischen 20 Euro – „wenn es nur zehn Minuten dauert“ – und 70 Euro für eine Stunde, so Angermaier. Im Schnitt betragen die Kosten für 60 Minuten laut Ergo in Geretsried 78 Euro, in Bad Tölz 74 Euro, bayernweit allerdings nur 67 Euro.

Angermaier nennt noch weitere Zahlen für seine Tölzer Praxis. Für den Ersatz eines Frontzahns müsse man für eine Brücke mit 1500 Euro Eigenanteil rechnen, für ein Implantat mit Krone mit 2500 Euro, für eine „herausnehmbare Lösung“ mit etwa 600 Euro.

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Und was hält Angermaier von einer privaten Zahnzusatzversicherung, für die Ergo mit seiner Studie letztlich Werbung machen möchte? „Dazu kann ich keine allgemeine Erklärung geben, denn man muss bei jedem Anbieter genau das Kleingedruckte lesen“, sagt der Tölzer Zahnarzt. Grob geschätzt ein Drittel seiner Patienten habe eine solche private Versicherung. Jeder müsse aber selbst wissen, ob es sich für ihn eher rechne, den monatlichen Beitrag zu zahlen oder für den Fall der Fälle etwas „im Sparstrumpf“ zurückzulegen – und es bei Nichtbenötigen vielleicht in einen schönen Urlaub zu investieren. Angermaier verweist darauf, dass jeder selbst mit guter Zahnpflege das Risiko eines Zahnverlusts minimieren könne. „In anderen medizinischen Bereichen ist es viel schwieriger, da etwas zu steuern.“

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