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„Eine Bürgerbefragung zum Josefistift wurde abgelehnt.“ SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Ernst übte deshalb Kritik am Rathaus. 

Infoveranstaltung

Ernst fragt nach, die Bürger antworten

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Ernst hat seinen ersten Diskussionsabend unter der Überschrift „Ernst fragt nach“ durchgeführt. Die Standortfrage des „neuen“ Josefistifts lockte viele Besucher an. 

Bad Tölz – Das Resultat war eindeutig. Bei der abschließenden Befragung am Ende der Informationsveranstaltung der Tölzer SPD zum „neuen“ Josefistift favorisierten 67 Prozent der knapp 50 Anwesenden im Gasthof Schlössl den Standort an der Arzbacher Straße.

Dabei wurden in der Diskussion eigentlich nur Argumente für und wider Arzbacher Straße sowie auf der Flinthöhe (Spielplatz an der General-Patton-Straße) ausgetauscht. Die weiteren vier möglichen neuen Standorte fanden kaum Beachtung.

Eingeladen hatte Michael Ernst (39), der neue Vorsitzende des Tölzer SPD-Ortsvereins und Bürgermeister-Kandidat im Frühjahr 2020. Es war sein erster Diskussionsabend unter der Überschrift „Ernst fragt nach“, mit der er demnächst diverse Brennpunkte innerhalb der Stadt beleuchten will. Anfänglich führte er in das Thema ein, in dem er alle sieben der vom Tölzer Stadtrat ins Auge gefassten Standorte für ein künftiges Pflegeheim vorstellte. Er ließ keinen Zweifel aufkommen, dass das derzeitige Senioren- und Pflegeheim an der Bahnhofstraße nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entspricht und die Stadt bis 2021 eine Lösung finden muss. Voraussichtlich wird der Stadtrat nun in seiner Oktober-Sitzung eine Entscheidung über die Standortfrage treffen. Der 39-jährige Ernst kritisierte, dass die von seiner Partei vorgeschlagene Bürgerbefragung „von der Verwaltung strikt abgelehnt wurde“.

Teilnehmer wollen Standort erhalten

Deutlich wurde zu Beginn der Veranstaltung, dass den Teilnehmern am liebsten wäre, wenn man das Josefistift am augenblicklichen Standort erhalten könnte. Ernst: „Eine Grundsanierung oder Entkernung ist bautechnisch aber nicht möglich. Abriss und Wiederaufbau sind viel zu teuer.“ Außerdem komme da das Problem hinzu: Wohin mit den aktuell 98 Bewohnern in der grob geschätzt sechsjährigen Bauzeit? Ernst erteilte dem Verbleib am Standort Bahnhofstraße eine eindeutige Absage. Es würden aber bereits Pläne für die künftige Nutzung des heutigen Josefistift-Geländes „in der Schublade liegen“, sagte Ernst. Denkbar wäre dort ein reines Altenheim oder ein betreutes Wohnen. Auf jeden Fall gehe es um eine soziale Verwendung für Tölzer Senioren, da die Stadt sonst Gefahr laufen würde, Probleme mit dem Stiftungszweck zu bekommen.

Bettina Emmrich, die Leiterin des Josefistifts, stellte klar, dass das künftige Haus ein reines Pflegeheim werden würde. Schon jetzt seien die Bewohner dort kaum mehr mobil beziehungsweise gebe es viele demente Senioren. Letztere müssten zu ihrer eigenen Sicherheit in einer geschlossenen Abteilung verbleiben. Damit seien auch Argumente für die zentrumsnähere Arzbacher Straße obsolet: „Das Personal würde den Standort General-Patton-Straße bevorzugen, weil es dort droben insgesamt lebendiger ist.“ Zudem wäre es dort auch einfacher, Wohnmöglichkeiten fürs Personal zu schaffen.

Michael Ernst sprach sich wie die Mehrheit der Anwesenden allerdings für den Standort Arzbacher Straße aus, da er auf der Flinthöhe „andere städteplanerischen Entwicklungsmöglichkeiten“ sehe. Freilich hänge dies auch von der geplanten Nordumfahrung ab, von der aber im Moment immer noch keiner weiß, „wann diese kommen wird“. (Ewald Scheitterer)

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