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Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass in der Turnhalle des Tölzer Gymnasiums Spinde und Betten für Asylbewerber aufgebaut wurden.

Erstaufnahme-Einrichtung am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium

Zur Abi-Prüfung soll Turnhalle frei sein

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Bad Tölz –  Bis zum Beginn der Osterferien sollen die letzten Flüchtlinge die Tölzer Gymnasiums-Turnhalle verlassen, die seit Oktober als Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber dient. Die Bilanz von Schulleiter Harald Vorleuter fällt insgesamt positiv aus.

Beschönigen will Schulleiter Harald Vorleuter nach eigenen Angaben nichts. Ein Mädchen wurde von einem Asylbewerber sexuell belästigt, ein Hakenkreuz auf der Turnhalle sorgte zwischendurch für Beunruhigung (wir berichteten). Das waren aber die einzigen negativen Vorfälle, die sich am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium ereignet haben, seit die Schulturnhalle am 19. Oktober 2015 zu einer Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber umfunktioniert worden ist. Deshalb zieht Vorleuter insgesamt eine positive Bilanz: „Bisher lief es sehr gut.“

Mittlerweile wurden mehrmals Bewohner einquartiert und wieder wegverlegt – darunter diese Gruppe junger Männer. Nach den Osterferien steht die Halle voraussichtlich wieder für den Schulsport und die Abiturprüfungen zur Verfügung.

Gewalt unter den Flüchtlingen oder mutwillige Sachbeschädigungen, wie sie aus anderen Erstaufnahmeeinrichtungen immer wieder vermeldet werden, gab es in Tölz bislang nicht. Davon überzeugt sich Vorleuter wöchentlich im Gespräch mit dem Sicherheitspersonal, aber auch mit den Flüchtlingen selbst. „Als ich das letzte Mal in der Turnhalle war, kam mir ein Asylbewerber mit blauen Latexhandschuhen entgegen“, berichtet der Oberstudiendirektor. Der Mann hatte gerade die Toiletten geputzt – eine Arbeit, die die Männer selbstständig untereinander aufteilen. Dennoch seien die sanitären Anlagen durch den häufigen Gebrauch – bis zu 150 Menschen bietet die Turnhalle zwischen jeweils sechs bis acht Wochen ein Obdach, bis sie auf andere Quartiere verteilt werden – inzwischen stark in Mitleidenschaft gezogen. „Die Toiletten müssen ebenso wie die Duschen einer Grundreinigung unterzogen werden, wenn die Belegung beendet ist.“

Das wird voraussichtlich am 18. März der Fall sein. Das ist der letzte Schultag vor den Osterferien, in denen die Betten, Spinde und Bodenplatten wieder entfernt werden sollen. Nach den Ferien könnte die Halle wieder für den Schulsport, aber auch für das anstehende Abitur zur Verfügung stehen. Vor allem mit Blick auf die Prüfungen hofft Vorleuter sehr, dass die Regierung von Oberbayern nicht erneut den Notfallplan aktivieren muss, sollten die Münchner Erstaufnahme-Einrichtungen wieder überfüllt sein. Denn normalerweise finden die schriftlichen Tests in der Turnhalle statt. Steht die nicht zur Verfügung, müssten die 171 Prüflinge auf Räume in der Schule verteilt werden, was mit Unterrichtsausfällen verbunden wäre. „Das wäre eine Katastrophe.“

Bislang hätten die Asylbewerber den Schulbetrieb aber überhaupt nicht gestört. Das liegt auch daran, dass die Schulleitung auf Abtrennung setzt, gerade anfangs, wenn die teils schwer traumatisierten Flüchtlinge in Tölz ankommen. Seien die Menschen ein wenig zur Ruhe gekommen, können sie eines der vielen Angebote nutzen, die die Arbeitsgruppe „Flüchtlingshilfe“ erarbeitet hat. Zirka 90 Schüler bieten jeden Tag entweder Deutsch- oder Musikkurse an. Aber auch Schwimmen oder Fußballspielen stehen auf dem Programm. „Das ist vielleicht auch so ein kleines Mosaiksteinchen, warum es in Tölz so reibungslos funktioniert“, sagt Vorleuter. Denn durch die verschiedenen Angebote könne ein „Lagerkoller“ gar nicht erst entstehen.

Kleinere Reibereien ließen sich dagegen nicht vermeiden. So hätten die Flüchtlinge, die aus ganz verschiedenen Kulturkreisen stammen, manchmal ein Problem damit, dieselbe Dusche oder dieselbe Toilette zu benutzen. „Pakistani können zum Teil mit Syrern nicht so gut“, so Vorleuters Erfahrung. Bislang hätten es die Männer aber immer geschafft, sich zu organisieren. Vorleuter betont in diesem Zusammenhang: „Wenn so viele junge Männer auf engstem Raum zusammenleben, käme es auch bei einer rein deutschen Belegung zu Konflikten.“

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