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Nikoläuse für Asylbewerber: Im Namen der Schule haben die Schülersprecher Johann Lenz (blonde Haare), Magdalena Bachmair (Mitte) und Julia Bauer (dahinter) den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung Nikolaus-Sackerl überreicht. Die Schüler Jawed Mohammadi (2. v. li.) und Parssa Vakil Pour (Mitte, blaues Shirt) erklärten ihnen den Brauch auf Dari und Farsi. Ein paar der knapp 150 Beschenkten kamen zum Gruppenbild vor die Schulturnhalle. 

Gabriel-Von-Seidl-Gymnasium

Selfies mit Nikolaus

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Bad Tölz – Die Aktion war schon lange geplant: Schüler des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums schenkten den Asylbewerbern, die in der Turnhalle leben, Nikolaus-Sackerl. Weil vergangene Woche kurzfristig 120 neue Bewohner eingezogen sind, war das gleichzeitig ein Willkommensgeschenk.

Gastgeber sein, heißt, seine Gäste willkommen zu heißen. Diese Konvention nimmt sich das Gabriel-von-Seidl-Gymnasium zu Herzen, seit in der Schulturnhalle eine Erstaufnahmeunterkunft eingerichtet wurde. Zu Nikolaus hatten alle Klassen Tüten mit einer Mandarine, Schoko-Nikolaus und ein paar Nüssen für die Asylbewerber gepackt. Die Schülersprecher überreichten die Geschenke.

Den Nikolaus kannten die Männer vorher noch nicht. Deswegen waren sie sichtlich gespannt, als die Schülersprecher Julia Bauer (11. Klasse), Johann Lenz und Magdalena Bachmair (beide 10. Klasse) mit den Säckchen in die Turnhalle kamen. Jawed Mohammadi aus der 9. Klasse und Parssa Vakil Pour aus der 6. Klasse erklärten, wer der Nikolaus ist und warum er Geschenke bringt. Die beiden sind zwar in Deutschland geboren, können aber Dari und Farsi sprechen. Es waren noch nicht alle Sackerl verteilt, da zückten viele Asylbewerber bereits ihre Handys, um das Ereignis zu fotografieren und Selfies mit den Schülern und den Schoko-Nikoläusen zu machen.

„Alle waren sehr nett und herzlich“, sagte Johann Lenz. Überrascht hat ihn das nicht. „Ich war schon mal in der Unterkunft in Waakirchen.“ Überhaupt stören sich die Schüler nicht an der Belegung ihrer Turnhalle. „Wir merken nichts davon, und es ist nie was passiert“, sagte Julia Bauer.

Als die Nachricht kam, stand Bauer der Situation allerdings kritisch gegenüber. „Es war viel Negatives über Asylbewerber zu hören und dann erfährst du, dass sie in deine traute Umgebung ziehen.“ Auch Magdalena Bachmair fand die Situation erst komisch, weil nur Männer in der Turnhalle untergekommen sind. Bauer und Bachmair wurden schnell eines Besseren belehrt: „Das sind alles nette Leute.“

Dennoch schmierten Unbekannte in der Nacht zum Samstag ein Hakenkreuz an die Turnhalle. „Das ist feige“, findet Schulleiter Harald Vorleuter. Er wünscht sich eine Diskussion, in der jeder seine Meinung öffentlich äußert. Vorleuter sieht sich und die Schule als Gastgeber. „Die Menschen, die hier unterkommen, können nichts dafür und haben nichts mit der Flüchtlingspolitik zu tun.“

Dass vergangene Woche 120 neue Asylbewerber in die Erstaufnahmeeinrichtung gezogen sind, stört Vorleuter nicht. „Ich habe immer gesagt, wir können nicht wissen, was kommt.“ Überrascht hat den Schulleiter aber, dass die Belegung bereits nach vier Wochen gewechselt hat. Das zeigte, dass die Umverteilung nach dem Königsteiner Schlüssel greift.

Den Sportunterricht halte die Schule zu 100 Prozent aufrecht. „Es läuft sehr gut, aber nicht reibungslos“, so Vorleuter. Die umliegenden Schulen stellen Kapazitäten zur Verfügung, manche Klassen gehen Schwimmen oder Eislaufen. „Teilweise ist das improvisiert, aber wir können alles abdecken.“

Die Parksituation ist allerdings eine Belastung für die Lehrer. Durch die belegte Turnhalle fallen 30 Stellplätze weg. Die vergangenen sechs Wochen durften Angestellte kostenfrei die städtischen Parkplätze nutzen. „Wir waren sehr dankbar, dass die Stadt so schnell reagiert hat“, sagt Vorleuter. Nun hat die Stadt dieses befristete Arrangement allerdings nicht verlängert.

„Auf Dauer können wir das nicht machen“, sagt Alexander Schindler, Leiter Verkehrswesen bei der Stadt. Durch den Christkindlmarkt sei alles sehr beengt. „Jetzt müssen sich die Lehrer wie jeder andere Berufstätige einen Stellplatz suchen“, so Schindler. Ein paar zusätzliche Stellflächen an den Containern und an der Förderschule kann das Gymnasium nutzen. „Wir kratzen alle Reste zusammen, dann wird auch ein Kuchen draus“, sagt Vorleuter.

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