Ein Notfalleinsatz
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Auch in Corona-Zeiten ist jeder verpflichtet, in einem Notfall Erste Hilfe zu leisten. Wenn man sich dem Risiko einer Ansteckung nicht aussetzen will, sollte man zumindest die 112 wählen und den Rettungsdienst alarmieren.

Expertin des BRK klärt auf

Erste Hilfe in Corona-Zeiten: Diesen fatalen Fehler sollte man nicht machen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Erste Hilfe angesichts des grassierenden Coronavirus: Katrin Jungmeier vom BRK-Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen erklärt, auf was man achten muss.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Frage stellt sich: Kann man in Pandemiezeiten Erste Hilfe leisten, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Schließlich weiß man nicht, ob das Opfer eines Verkehrsunfalls, oder eine Person, die auf der Straße bewusstlos zusammen gebrochen ist, mit dem Coronavirus infiziert ist. „Generell ist jeder verpflichtet, Hilfe zu leisten – das heißt aber nicht zwingend, direkt Hand anzulegen“, erklärt dazu Katrin Jungmeier, zuständig für den Fachbereich Bildung sowie Beauftragte für den Schulsanitätsdienst beim Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes. „Nämlich dann, wenn ich mich selbst in Gefahr bringe.“

Man sollte sich immer im Klaren sein, dass man selbst auch in eine Notsituation kommen kann, wo man dann froh ist, wenn jemand da ist und hilft.“

Katrin Jungmeier vom Kreisverband des BRK

Ähnlich ist es mit Corona: Wie man sich verhält, welches Risiko man eingehen möchte, liegt bei einem selbst. Aber: Egal, in welcher Situation sich ein Opfer oder Verletzter befindet, eines ist immer möglich: „Sich um Hilfe zu kümmern, indem ich die 112 wähle und so den Rettungsdienst alarmiere.“ Eine große Hilfe für die Betroffenen oder gar Verletzen ist schon, ihn oder sie nicht alleine zu lassen. „Oft genügt es in so einer Situation, einfach da zu sein“, so Jungmeier.

Warnweste an, Unfallstelle absichern

Die 39-Jährige kann die Angst vor einer Infektion nachvollziehen. „Aber man sollte auch nicht vergessen, dass die meisten Unfälle eher im häuslichen Bereich passieren. Hier kennt man – im Gegensatz zu einem Verkehrsunfall – die Menschen und deren Umfeld, kann eine etwaige Ansteckungsgefahr besser einschätzen.“ Im öffentlichen Raum werden im Allgemeinen Mund-Nasen-Bedeckungen getragen – oder zumindest mitgeführt. „Man kann sein Gegenüber dann bitten, den Schutz aufzusetzen.“ Ist bei einem Verkehrsunfall Hilfe erforderlich, steht erst einmal der Eigenschutz über allem. „Warnweste an, Unfallstelle absichern – schließlich steht man hier mitten in der Unfallstelle“, erklärt Jungmeier das Vorgehen. „Dann wird sich um die Verletzten gekümmert.“

Sollte eine Person tatsächlich wiederbelebt werden müssen, kann man vorerst auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten. Untersuchungen haben ergeben, dass die Herz-Druck-Massage wichtiger ist, damit der Kreislauf im Körper aufrecht erhalten bleibt und der Sauerstoff im Blut zu den Organen kommt. Ansonsten sorgen Masken oder Folien mit Rückschlagventil für eine Herabsetzung der Infektionsgefahr, da durch sie kein direkter Kontakt zum Atemempfänger mehr gegeben ist. „Im Notfall hilft auch ein Stück Stoff über Mund und Nase des Betroffenen, sich vor Aerosolen zu schützen.“

Eine Herzdruckmassage „kann jeder einleiten“

Die wichtigere Herzdruckmassage, „kann jeder einleiten“, so die erfahrene Fachbereichsleiterin. Denn: Wird bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand nichts unternommen, haben auch die Rettungskräfte weniger Chancen, etwas für den Patienten zu erreichen. Sie kommen in der Regel erst nach zehn Minuten und in dieser Zeit ist der Ersthelfer ein wichtiges Glied in der Rettungskette.

Trotz aller Angst, sich mit dem Virus anzustecken – eines dürfe man nicht vergessen: „Es gibt außer Corona noch viele weitere Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln und Hepatitis. Daran, und an die Möglichkeit sich hier anzustecken, denkt man oft gar nicht.“ Wenn man sich selber mit Handschuhen, und Mund-Nasen-Bedeckung schützt, minimiere sich das Ansteckungsrisiko. „Nicht jeder Verletzte hat Corona oder eine andere ansteckende Krankheit“, betont Jungmeier. „Man sollte sich immer im Klaren sein, dass man selbst auch in eine Notsituation kommen kann, wo man dann froh ist, wenn jemand da ist und hilft.“ Und: „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun.“ (sh)

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