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Selbstbewusst und stolz: Primiziant Martin Gehringer (Mitte) im Festzug auf dem Weg zum Franziskanergarten.

Erster Gottesdienst in der Heimat

Ganz Bad Tölz feiert mit Martin Gehringer Primiz

Bad Tölz - Mit neun Jahren, so verriet Primizprediger Prälat P. Markus Graulich, habe ihm Martin Gehringer als Ministrant gesagt, er wolle Priester werden. Am Samstag wurde der 27-Jährige geweiht, gestern feierte Tölz seine Primiz. Und was für eine.

Ach, dieser Regen. Noch beim Empfang des Primizianten am Freitagabend an der Mühlfeldkirche hatte Stadtpfarrer Peter Demmelmair ein bisschen Optimismus von den Schlechtwetter-Propheten eingefordert. „Werd’s sehng, das wird noch was.“ Wurde es nicht. War aber nicht so schlimm. Weil noch einmal viele unter der Leitung von Primizlader Heinz Bader zusammenhalfen und die Stadtpfarrkirche seit dem frühen Morgen schmückten und dekorierten. Und Martin Gehringer konnte im prall gefüllten Gotteshaus seiner Heimatgemeinde eine prächtige Primiz und Nachfeier begehen, über die Besucher sagten, dass sie „Gänsehautgefühl“ erzeugt habe.

Der Tölzer selbst empfand die eigentliche Priesterweihe am Samstag im Freisinger Dom und sein erstes hl. Messopfer gestern als „so dichtes und rasches Erleben hintereinander, dass ich das wohl erst in einigen Tagen realisieren werde: Ich bin Priester.“

An Graulichs Anekdote konnte sich Gehringer gar nicht mehr erinnern. Eine gewisse Tendenz und Veranlagung war bei dem eifrigen Ministranten aber wohl schon früh zu spüren. Nicht umsonst zitierte Mutter Elisabeth Gehringer gestern den Mühlfeldkirchen-Geistlichen Konrad Baumgartner, der bereits vor 17 Jahren seiner Freude Ausdruck verliehen habe, „wenn der mal Priester werden tät“. In die Wiege wurde Gehringer die Berufung übrigens nicht gelegt. Es gab keine Prägung durchs Elternhaus, sagt die Mutter und gestand gestern den Festgästen, dass sie wohl nur gelächelt hätte, wenn ihr jemand bei der Geburt ihres einzigen Kindes prophezeit hätte, dass der mal Priester wird. Umso bewundernswerter sei es, dass ihr Martin selbstständig und mit großer Entschlossenheit diesen Weg gegangen ist. „Ich und die ganze Familie, sind stolz auf ihn.“

Pater Graulich, der als Kirchenrechtler im Vatikan arbeitet, aber immer wieder zur Aushilfe nach Tölz zurückkehrt, kennt den Primzianten seit vielen Jahren. Auch aus der Zeit, als Gehringer in der „Ewigen Stadt“ studierte. Er kam deshalb gerne eigens aus Rom in den Isarwinkel, um eine sehr warmherzige und griffige Primizpredigt zu halten. Sein Rat an den Neupriester: Man höre heute viel, dass der Hirte den Geruch der Schafe annehmen müsse, um Akzeptanz zu finden. Das sei nur die halbe Wahrheit. Der Hirte müsse vielmehr den Wohlgeruch Christi annehmen, damit ihn die Schafe auch als Bote Christi erkennen könnten.

Ermutigende Ratschläge gab es beim anschließenden offiziellen Teil im prall gefüllten Festzelt im Franziskanergarten zuhauf. Stadtpfarrer Demmelmair sprach von der Freude der Pfarrei über den ersten Primizianten seit 17 Jahren. Und: „Ob als Kaplan oder Pfarrer: Du findest überall hervorragende Leute, echte Perlen, die mitmachen wollen. Das ist die Summe meiner Seelsorge-Erfahrungen.“ Der Weg des Priesters benötige Mut. Das sei immer so gewesen. „Heute umso mehr.“

Der stellvertretende Dekan Leo Sobik meinte lächelnd zu Gehringer gewandt: „Weißt Du, Du brauchst keine Angst haben. Priestersein ist etwas Schönes.“

Bürgermeister und ehemaliger Innungsobermeister Josef Janker verglich Priester „mit Verlaub, mit Handwerkern der Nächstenliebe“. Er freute sich, dass Tölz diese Primiz in eine lebendige Tradition eingebettet feiern könne. Landrat Josef Niedermaier erinnerte Gehringer, dass solche Feiern auch den Gemeinden Kraft geben. Er lud den Neupriester ein, möglichst oft in Tölz Kraft zu schöpfen.

Einige Weggefährten auf dem Weg zur Priesterweihe nannte schließlich Elisabeth Gehringer in ihrer Rede. Einen hatte zuvor im Gespräch der Primiziant selbst hervorgehoben. Der verstorbene ehemalige Tölzer Kaplan Günter Eckl habe ihn gerade in der Zeit nach dem Abitur sehr unterstützt und damit Weichen mitgestellt.

Dass der ruhig und in sich gekehrt wirkende 27-Jährige auch anders kann, daran erinnerte die Tölzer Ministrantenschar, die die Schwächen ihres einstigen Kollegen frech-vergnügt aufs Korn nahm. Lustige Idee: Früher war es üblich, dass eine in Weiß gekleidete „Primizbraut“ dem Festzug voranmarschierte und eine Primizkrone oder einen Kelch trug. In Anlehnung daran, wurde Gehringer ein Barbiepüppchen überreicht. „Eine echte ham wir nicht geschafft, drum hoffen wir, dass er jetzt lacht." Christoph Schnitzer

Der Tölzer Martin Gehringer feiert seine Primiz

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