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Nette Idee: In einer der letzten Freinächte wurde das Brunnenbuberl in der Marktstraße „eingekleidet“. 

Freinacht

„Es darf nichts kaputtgehen“

In der Freinacht sind Scherze erlaubt. Nicht mehr lustig ist es allerdings, wenn Gulli-Deckel herausgerissen oder Blumentöpfe auf die Straße gestellt werden. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– In der Nacht auf Montag, 1. Mai, ist wieder die sogenannte Freinacht. Eine Nacht, in der allerlei Streiche ausgeheckt oder auch noch der eine oder andere Maibaum geklaut wird. Aber manchmal laufen die „Scherze“ auch aus dem Ruder.

Ursprünglich bezeichnet der Begriff die Nacht vor einem speziellen Feiertag. In einigen Gebieten gilt beispielsweise auch die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag als Freinacht. „Die genaue Ursache liegt, wie so oft bei Bräuchen, im Dunkeln“, sagt Norbert Göttler, Heimatpfleger des Bezirks Oberbayern und ansässig in Benediktbeuern. „Es handelt sich um besondere Nächte, in denen Dämonisches und Mythologisches vor sich geht. Man hilft dann sozusagen dem nach, was die Hexen treiben.“

Seit Jahrzehnten machen vor allem Jugendliche in dieser Nacht einiges an Unsinn. Solange man keine Sachen beschädigt oder Menschen verletzt, ist fast alles erlaubt. „Mittlerweile nimmt der Brauch Auswüchse an, die natürlich nicht zu befürworten sind“, sagt Göttler. „Vor allem Alkohol stärkt den Vandalismus.“

Dem stimmt auch Alois Grünwald zu. „Der Brauch gehört zur Tradition, aber natürlich mit Maß und Ziel“, sagt der Tölzer Polizeihauptkommissar. Die vergangenen Jahre seien aus polizeilicher Sicht „einigermaßen ruhig gewesen“, aber Beschwerden gab es trotzdem: beispielsweise über Ruhestörungen, ausgehängte Verkehrs- und Baustellenschilder und das Herausnehmen von Gulli-Deckeln. Letzteres und auch der „Scherz“, Blumentöpfe auf die Straße zu stellen, ist laut Grünwald sehr gefährlich. „Wenn man in den Verkehr eingreift, kann man Menschleben gefährden.“

Die Tölzer Polizei hält in dieser Nacht die Augen besonders offen, hat verstärkt Streifen im Einsatz und bekommt Unterstützung vom Einsatzzug aus Murnau. „Wir hoffen natürlich auch auf die Mithilfe der Bevölkerung. Man kann uns jederzeit anrufen“, sagt Grünwald. Trotz allem soll der Spaß nicht zu kurz kommen. „Solange man Sachen versteckt oder auch mal ein Auto mit Klopapier umwickelt, ist das ja in Ordnung. Es darf halt nichts kaputt gehen.“

Früher, erklärt Bezirksheimatpfleger Göttler, sei der Brauch eine Sozialkontrolle gegen schlampige Dorfbewohner gewesen. „Man sollte das Ganze mit Humor nehmen“, sagt er. „Es soll die Dorfgemeinschaft stärken. Das ist das eigentliche Ziel eines solchen Brauchtums.“

Tamara Scheid

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