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Vorlesen

Heute ist bundesweiter Vorlesetag

„Es ist immer schön, was vorzulesen“

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Welche Bücher eignen sich besonders zum Vorlesen für Kinder? Und warum ist es so wichtig? Der Tölzer Kurier hat Buchhändler, Kindergärten und Bibliothekare in der Region befragt.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Ein Drittel aller Eltern liest zu selten vor, besagt eine neue Studie. Heute, am bundesweiten Vorlesetag, gibt es viele Aktionen, die genau das ändern wollen.

„Vorlesen beflügelt schon früh die Fantasie und hilft, die Kinder bereits in frühem Alter an Bücher heranzuführen.“ Annika Fitze, Buchhändlerin bei „Rupprecht“ in Tölz, weiß außerdem, dass Vorlesen den Wortschatz erweitert, was in der Schule hilfreich ist. Zum Vorlesen gibt es laut Fitze einen ganz eigenen Buchtyp, der sich durch kürzere, leicht verständliche Sätze, kurze Kapitel und einen hohen Anteil an Bildern auszeichnet. Natürlich gebe es Lieblinge. Astrid Lindgren, die „Lotta“-Reihe oder Otfried Preußler seien Dauerbrenner. Aber auch aktuelle Bücher wie „Tilda Apfelkern“, „Snöfrid“ oder „Missi Moppel“ seien sehr beliebt.

Lustige Bücher eignen sich gut zum Vorlesen, sagt Sarah Ulbrich, von „Bücher Ulbrich“ in Geretsried. Sie empfiehlt „Der Fuchs hat seine lieben Nöte beim Halleluja auf der Flöte“ – ein Buch, das den Kindern das Abc näher bringen soll. Verrückte Vorlesegeschichten findet man in „Hier kommt die Hatze“ von Sylvia Englert, ein ebenfalls sehr lustiges Vorlesebuch ist laut Ulbrich „Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst“. Zu den Klassikern zählt auch sie die Werke von Preußler, nennt aber als Geheimtipp „Hörbe mit dem großen Hut“.

Weniger geeignet zum Vorlesen halten sowohl Ulbrich als auch Fitze E-Books. „Man ist doch zusammengekuschelt, die Kinder wollen mit reinschauen, das ist mit einem E-Book nicht so schön“, sagt Ulbrich. Außerdem zeige eine Studie, dass beim digitalen Lesen weniger hängen bleibe. Fitze: „Einfach, weil man auf elektronischen Medien viel schneller von anderen Nachrichten, Funktionen und so weiter abgelenkt wird.“

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Buben würden sich häufig gerne Sachbücher vorlesen lassen, Mädchen seien derzeit an der „Minus Drei“-Reihe von Ute Krause interessiert, berichtet Irina Schwindt von der Tölzer Stadtbücherei. Natürlich seien derzeit auch Weihnachtsgeschichten sehr beliebt. Die Bilderbuchkinos, bei denen zu großen Bildern vorgelesen wird, seien in der Bücherei gut besucht. Auch kämen viele Eltern mit ihren Kindern, um gemeinsam Bücher auszusuchen. „Manche lesen vor, bis die Kinder 9 oder 10 sind, andere auch länger“, sagt Schwindt. Es könne ein schönes Ritual sein, mit Kindern abwechselnd zu lesen.

Einen wichtigen Bestandteil des Tagesablaufs stellt Vorlesen auch in den Kindergärten dar. „Wir lesen zum Beispiel Bücher, die die Gemeinschaft fördern“, sagt Maria Girmann, Leiterin des Arche Noah-Kindergartens im Tölzer Badeteil. Natürlich gibt es Bücher zu bestimmten Jahreszeiten oder Themen, aktuell beispielsweise St. Martin. „Aber die Kinder bringen auch immer wieder Bücher mit.“

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Außerdem gibt es eine Bücherei im Kindergarten, organisiert von Eltern, aus der ausgeliehen werden darf. „Wir versuchen damit auch Familien zu erreichen, die nicht viele Bücher zu Hause haben“, sagt Girmann. Oft seien dies Familien mit Migrationshintergrund. „Die Kinder wollen unbedingt Bücher ausleihen und dass ihnen vorgelesen wird. Für ihre Sprachentwicklung ist das total wichtig.“

So sei schon zu spüren, wer von den Kleinen zu Hause vorgelesen bekomme, oder auch mit wem sonst sehr viel kommuniziert werde. „Diese Kinder haben einen größeren Wortschatz.“

In jeder Gruppe gebe es einen eigenen Vorlesebereich mit Sofa und bequemen Liegen. Manchmal initiieren die Kinder das Vorlesen, manchmal die Erzieherinnen. „Es ist gerade bei Fortsetzungsgeschichten bemerkenswert, wie viel die Kinder im Kopf behalten“, berichtet die Kindergarten-Leiterin. Da merke man erst, wie aufmerksam sie seien.

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