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Referent und Kunsthistoriker Helmut Braun widmete sich dem Thema „Tendenzen und neue Ansätze in der Kunst des 21. Jahrhunderts“. 

Evangelische Gemeinde

Kunst als Chance für die Kirche

Bad Tölz – Beim Dekanatsempfang waren dieses Mal Künstler zum Austausch eingeladen.  Kunst und Kirche haben einiges gemeinsam.

Kann die künstlerische Ausgestaltung einer Kirche die Besucher tiefer in ihren Glauben hineinführen? Ja, sagt Kunsthistoriker Helmut Braun. Zum Dekanatsempfang der evangelisch-lutherischen Kirche, den es seit zehn Jahren gibt, waren diesmal bildende Künstlerinnen und Künstler aus den zugehörigen Gemeinden eingeladen. „Denn auch uns verbindet etwas: Nämlich der Versuch, dem Abstrakten und Hintergründigen Ausdruck zu verleihen“, beschrieb Pfarrer Martin Steinbach als Leiter des Tölzer Dekanatsbezirks sein Ansinnen, Kirche und Künstler zum Austausch zusammenzuführen.

Das Thema des Abends im evangelischen Gemeindehaus lautete „Tendenzen und neue Ansätze in der Kunst des 21. Jahrhunderts“. Dass Kunst stets eine Sache des Verständnisses, des Hineindenkens und der Kritik ist, wurde am Beispiel der Kreuzigungsgruppe über dem Eingang der evangelischen Auferstehungskirche in Rottach-Egern demonstriert. Die ausführende Künstlerin Meide Büdel aus Nürnberg hatte dazu einen kurzen Film mitgebracht, der die Darstellung selbst sowie einige sehr deutlich konträre Beurteilungen ihres Werks durch Bürger unverfälscht vermittelte. Dazu erläuterte sie ebenso ihre intensive gedankliche Auseinandersetzung mit dem schmerzvollen Tod Jesu am Kreuz, aus der schließlich die gezeigte „äußerst minimalistische Umsetzung“ ohne figürliche Heiligen-Identitäten hervorgegangen sei.

Prof. Peter Poscharsky, Vorsitzender des Vereins für Christliche Kunst in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche, habe dieses Werk als erstes richtungsweisendes Kunstwerk des 21. Jahrhunderts bezeichnet, hatte Steinbach in seiner Einführung hervorgehoben.

Unterschiedliche Sichtweisen ließen indes auch die Wortmeldungen der etwa 60 Gäste im Gemeindehaus erkennen. Ob denn unbedingt immer das Leid am Kreuz dargestellt werden müsse?, lautete eine Frage. In moderner Zeit könne man stattdessen doch auch andere Botschaften von Jesus’ Wirken – Liebe, Freude, Miteinander – in künstlerischer Fassung den Kirchenbesuchern nahebringen. Ziel soll es sein, so Brauns Ansatz, ein Kunstwerk ganz speziell auf Architektur, Einrichtung, Weihebestimmung und vorrangige Gemeindeaktivitäten der betreffenden Kirche abzustimmen.

Grundsätzlich sehe er in der Kunst eine große Chance für die Kirche. Künstlerische Freiräume, die sich nicht auf den ersten Blick deuten ließen, erforderten vom Betrachter ein Innehalten und sich Öffnen für Ungewohntes. „Oft braucht es dazu wohl eine Hilfestellung und kritische Diskussionen.“ Es entstehe daraus aber die Fähigkeit, seine Sichtweise zu verändern und die Perspektive zu wechseln. „Dann gehen wir vielleicht auch anders mit unseren Mitmenschen um. Ein Kunstwerk vollendet sich erst im kulturellen Miteinander der Menschen.“

Rosi Bauer

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