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Exhibitionist im Regionalzug: 30-Jähriger verurteilt

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Der Täter wurde wegen exhibitionistischer Handlungen sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt.
Der Täter wurde wegen exhibitionistischer Handlungen sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt. © Daniel Reinhardt/dpa

Eine ekelige Begegnung erlebte ein Schüler (15) am 13. März dieses Jahres im Regionalzug von München nach Bad Tölz. Ein Exhibitionist setzte sich neben ihn. Nun stand der Täter (30) vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen.

Bad Tölz/Wolfratshausen -In Holzkirchen setzte sich im Zug ein Mann neben den 15-Jährigen und streichelte ihn plötzlich am Oberschenkel. Der 15-Jährige wechselte den Platz. Daraufhin habe der stark alkoholisierte Mann sein Geschlechtsteil „ausgepackt“, daran manipuliert und dabei Blickkontakt zu dem Teenager gesucht. Als dieser in Bad Tölz den Zug verließ, folgte ihm der 30-Jährige, noch immer mit offener Hose, und belästigte den Jungen weiter. Erst als dieser ihm „eine verpasste“, suchte der Exhibitionist das Weite.

Nun musste sich der Pakistani, der in Bad Tölz lebt, vor Gericht verantworten. Er wurde wegen exhibitionistischer Handlungen sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte (er hatte sich gegen die Blutentnahme im Krankenhaus gesperrt) zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Angeklagter: „Kann mich an nichts erinnern“

„An alles, was im Zug passiert ist und nachdem ich ausgestiegen bin, kann ich mich nicht mehr erinnern“, ließ der Angeklagte seinen Dolmetscher übersetzen. Wegen des Alkohols sei er „nicht mehr bei Sinnen“ gewesen. Eine Gerichtsmedizinerin berechnete, dass der Mann zur Tatzeit mit knapp drei Promille Alkohol im Blut unterwegs war. Erst im Krankenhaus sei er wieder zu sich gekommen, so der Angeklagte.

Er habe Angst gehabt, gedacht, man wolle ihm eine Giftspritze geben. Später in der Nacht, als er nach Hause gekommen sei, habe er allerdings geahnt: „Irgendwas Falsches ist passiert.“ Auf die Frage der Richterin, ob er es für möglich halte, dass es so passiert sei, wie in der Anklageschrift zusammengefasst, antwortete der Mann: „Ich kann nicht sagen, dass es nicht passiert ist.“ So blieb es dem Schüler nicht erspart, den unappetitlichen Vorfall noch mal detailliert zu schildern. Warum er nicht einfach das Abteil gewechselt oder andere Fahrgäste informiert hatte, konnte der Geschädigte nicht erklären. „Er war mit der Situation völlig überfordert gewesen“, schlussfolgerte der Staatsanwalt.

„Wenn ich Alkohol trinke, mache ich viele Dummheiten“

Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Zeugen. Der junge Tölzer war nicht der Einzige, dem so etwas passiert ist. Am 26. Juli dieses Jahres soll sich ein ähnlicher Vorfall mit dem Angeklagten ereignet haben. Ebenfalls in einem Zug von München in die Kreisstadt. Dieses Mal nahmen Beamte der Bundespolizei den Mann in Holzkirchen fest. Er soll vor zwei 15-Jährigen onaniert haben. „Ich weiß noch, dass es Probleme gab“, so der Beschuldigte. Auch an diesen Fall könne er sich jedoch nicht erinnern. „Aber wenn ich Alkohol trinke, mache ich viele Dummheiten“, übersetzte der Dolmetscher.

Gefängnis droht

„Das sind keine Dummheiten, sondern Straftaten“, korrigierte der Staatsanwalt. „Und die werden irgendwann dazu führen, dass sie die Heimreise antreten müssen.“ Da er nach Einschätzung der Medizinerin aufgrund seines übermäßigen Alkoholkonsums in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei, kam der Angeklagte mit einer Geldstrafe davon: 180 Tagessätze à 10 Euro, insgesamt 1800 Euro. Er stehe zu dem, was er getan habe, erklärte der Pakistani mehrmals während der Verhandlung. Er nahm das Urteil an. „Aber wie soll ich das bezahlen“, wollte er wissen, angesichts von 336 Euro, die er als Asylbewerber monatlich erhält. „Am Ende müssen Sie es im Gefängnis absitzen“, lautete die knappe Antwort des Staatsanwalts.

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