+
Damit mehr Menschen, vor allem Pendler, vom Auto auf den Bus umsteigen, sollen neue Expressbuslinien entstehen. Endpunkte der Linien sind S- beziehungsweise Regionalbahnhöfe.

Bessere Anbindung der Bahnhöfe

Expressbuslinien: Im 20-Minuten-Takt durch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

  • schließen

Der Kreistag stimmte am Dienstag für die Ausschreibung von zwei Expressbuslinien. Im 20-Minuten-Takt sollen so die S-Bahnhöfe in der Region erschlossen werden.

Bad Tölz-WolfratshausenDer Landkreis erstickt im Autoverkehr. Doch wer möchte, dass Menschen das eigene Auto stehen lassen und in den Bus steigen, muss ein attraktives Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schaffen. Das kostet Geld – und zwar viel.

Einen Vorgeschmack auf das, was auf den Landkreis zukommt, gab es in der gemeinsamen Sitzung von Infrastruktur- und Kreisausschuss am Dienstag. Dabei ging es um die Einführung von zwei neuen Expressbuslinien.

Beide gehören zu einem Konzept der Staatsregierung, das die Mobilität in Bayern verbessern soll. Erstellt wurde ein „Netz von landesbedeutsamen Buslinien“, wie Landrat Josef Niedermaier erläuterte. Eigentlich wären das Bereiche, die durch Schienenverbindungen erschlossen werden müssten. Da neue Zugstrecken aber selbst langfristig schwierig zu realisieren sind, sollen dort nun Expressbusse fahren.

Expressbusse fahren im 20-Minuten-Takt

Zwei Linien betreffen den Landkreis. Einmal geht es um die Verbindung X970 Bad Tölz-Geretsried-Wolfratshausen-Starnberg. Die andere führt von Wolfratshausen über Egling nach Deisenhofen (X320). Sie ist Teil einer Ringbuslinie rund um München, die eine derzeit fehlende Querverbindungen herstellen soll.

Endpunkte der Linien sind S- beziehungsweise Regionalbahnhöfe. Für Nutzer sind die geplanten Busverbindungen extrem attraktiv. „Vorgesehen ist ein durchgehender 20-Minuten-Takt, und zwar montags bis samstags von etwa 6 bis 22 Uhr und sonntags ein 60-Minuten-Takt“, erläuterte Matthias Schmid, ÖPNV-Experte am Landratsamt. Der Takt sei deshalb so dicht gewählt, „weil der Freistaat fordert, die Busse an den Takt der S-Bahn anzubinden“, sagte Schmid. „Und wenn wir wollen, dass die Bürger umsteigen, müssen wir mit einem attraktiven Angebot reingehen – auch außerhalb der Schulzeiten.“

Freistaat trägt einen Teil der Kosten

Nun fahren zwar die S-Bahnen in Deisenhofen und Starnberg im 20-Minuten-Takt, nicht aber die S7 in Wolfratshausen. „Da wären wir schon glücklich, wenn der 40-Minuten-Takt funktionieren würde“, sagte Peter Plößl (CSU). Niedermaier gab ihm Recht. Der Ausbau des Schienennetzes, der notwendig für eine Taktverdichtung ist, sei eine seit Langem erhobene Forderung. „Und die Forderung steht, endlich mit dem Ausbau zu beginnen“, bekräftigte Niedermaier.

Die beiden Buslinien, die möglichst ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 fahren sollen, werden den Landkreis eine Stange Geld kosten. 4,5 Millionen Euro kalkuliert Schmid für die derzeit geplanten fünf Jahre. Eingerechnet sind hier ein Zuschuss des Freistaats, der 50 bis 65 Prozent der Kosten trägt, und Einnahmen aus Tickets. „Wie hoch diese sein werden, wissen wir nicht. Mit 35 Prozent haben wir sehr konservativ geschätzt und hoffen, dass sie sich auf 50 Prozent steigern“, sagte Schmid.

CSU hadert mit den hohen Ausgaben

CSU-Fraktionschef Martin Bachhuber schluckte angesichts der Zahlen. Ob es denn wirklich durchgehend einen 20-Minuten-Takt brauche, fragte er. Ja, antwortete Niedermaier. „Der 20-Minuten-Takt ist gesetzt.“ Klaus Heilinglechner (FW) fand das gut. „Ich glaube sogar, dass der Takt auf Dauer zu wenig sein könnte“, sagte der Wolfratshauser Bürgermeister. Auch Klaus Koch (Grüne) begrüßte den Vorstoß. Gut sei auch, dass die Expressbuslinie nach Deisenhofen die Anbindung von Egling deutlich verbessere. Die zweite Linie schaffe Entlastung für Bad Tölz. Auch Michael Müller (CSU) gefiel die Idee der Expressbuslinien, er fragte aber an, ob der Bus nach Tölz nicht über Königsdorf fahren könnte, um so vielleicht die Fahrgastzahlen zu erhöhen. Man habe das überlegt, sagte Niedermaier. Der Tölzer Bahnhof/Schulzentrum sei so aber schwerer erreichbar, die Fahrzeit verlängere sich. Daher habe man sich für die Linienführung über die S 2072 entschieden. „Es ist auch nicht sinnvoll, das jetzt noch einmal aufzubohren“, sagte Schmid – vor allem, weil die Linie, die in Starnberg endet, verzahnt ist mit den weiteren Verbindungen rund um München.

Auch vom Alpenbus würde die Region profitieren

Werner Weindl hatte ein Problem, das Thema Verkehrswende „scheibchenweise“ anzugehen. Der Landkreis erstelle gerade den Nahverkehrsplan. „Wir brauchen erst diese Gesamtschau, auch um zu wissen, welche Kosten auf uns zukommen“, sagte der CSU-Kreisrat. Michael Häsch (CSU) gab ihm bei „aller Euphorie“ recht, was die Kosten betrifft. „Es werden enorme Steigerungen auf uns zukommen, die wir alle bezahlen müssen.“ Hier müsse man auch prüfen, ob man Linien, die nicht rentabel sind, streichen könne.

FW-Fraktionssprecher Hans Sappl forderte von seinen Ausschusskollegen den Mut zuzustimmen. „Ja, das kostet Geld. Aber das muss uns die Verkehrswende wert sein.“ Zögern sei jetzt keine Option, sagte auch Niedermaier. „Der Zug ist nicht aufzuhalten. Und ich plädiere auch nicht dafür, das zu tun, weil die Region sonst abgehängt wird.“ Aber natürlich müsse man sich im Klaren sein, dass die Verkehrswende den Landkreis Millionen kosten wird.

Am Ende stimmten die beiden Ausschüsse und am Ende auch der Kreistag für die Ausschreibung der beiden Buslinien. Es gibt übrigens noch eine weitere landesbedeutsame Buslinie, von der der Landkreis profitieren wird: Für den Alpenbus, der eine Querverbindung von Rosenheim bis in den Landkreis Weilheim-Schongau schaffen soll, sind die Planungen aber noch nicht so weit gediehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tölzer Schenkräumchen: Die Helfer brauchen Hilfe
An Kunden mangelt es dem Tölzer „Schenkräumchen“ genauso wenig wie an Ware. Es fehlen aber Ehrenamtliche, die helfen, den Andrang und die Flut an gebrauchten Dingen in …
Tölzer Schenkräumchen: Die Helfer brauchen Hilfe
Tölz live: Tipps gegen Langeweile und Vorschau auf Dienstag
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Tipps gegen Langeweile und Vorschau auf Dienstag
Kommunalwahl 2020: 24 Bichler wollen in den Gemeinderat
Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 gibt es in Bichl wieder eine gemeinsame Liste fürs Dorf. 24 Kandidaten stehen zur Auswahl. 
Kommunalwahl 2020: 24 Bichler wollen in den Gemeinderat
Krug für 10.000 Euro: Flohmarkt-Besucher macht Mega-Fund - und begeht beim Weiterverkauf Riesenfehler
Ein Tölzer hat den Wert von einem Flohmarkt-Schnäppchen erst entdeckt, als er es bei Ebay schon verkauft hatte. Ein Fall für das Landgericht München II.
Krug für 10.000 Euro: Flohmarkt-Besucher macht Mega-Fund - und begeht beim Weiterverkauf Riesenfehler

Kommentare