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Fälle in Lenggries und Bad Tölz: Warum Diebe scharf auf Katalysatoren sind

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Von: Andreas Steppan

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Wegen der „inneren Werte“ sind Katalysatoren ein begehrtes Diebesgut.
Wegen der „inneren Werte“ sind Katalysatoren ein begehrtes Diebesgut. © DPA

Immer wieder meldete die Tölzer Polizei in den vergangenen Tagen gestohlene Katalysatoren. Für die Täter sind vor allem die enthaltenen Edelmetalle interessant.

Bad Tölz/Lenggries – Es sind Meldungen, die auf den ersten Blick etwas skurril anmuten, die sich in jüngster Zeit in der Region allerdings häuften: In den vergangenen Wochen meldete die Tölzer Polizei drei Fälle, in denen unbekannte Täter Katalysatoren von Autos stahlen. Wer tut so etwas und warum? Nach Auskunft von Andreas Rohrhofer, stellvertretender Chef der Tölzer Polizeiinspektion, geht es den Tätern offenbar um in den Katalysatoren enthaltene Edelmetalle.

Platin, Palladium und Rhodium stecken in den Katalysatoren

„Katalysatoren enthalten Platin, Palladium und Rhodium“, erklärt Rohrhofer. Aufgrund dieser „inneren Werte“ sei es nach Erkenntnissen der Polizei möglich, Katalysatoren für 100 bis 600 Euro weiterzuverkaufen.

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Weil die Rohstoffpreise in die Höhe gingen, sei bayernweit im Jahr 2020 ein sprunghafter Anstieg solcher Taten aufgefallen. Registrierte die Polizei 2019 im Freistaat noch 60 Katalysatoren-Diebstähle, wies die Statistik laut dem Vize-Polizeichef im Folgejahr schon 378 Fälle aus. Für 2021 lag ihm noch keine Auswertung vor. Die bekannten Fallzahlen lassen es aus Rohrhofers Sicht jedoch nicht zu, von einem „Massenphänomen“ zu sprechen, wie etwa der „Enkeltrick“ eines sei.

Täter montieren Katalysatoren von abgestellten Fahrzeugen ab

Die Tölzer Polizei hatte es zuletzt mit drei einschlägigen Taten zu tun: Am 23. Mai montierten Unbekannte an einem Am Sportpark in Bad Tölz abgestellten und zum Verkauf angebotenen Kfz den Katalysator ab. Zwei Tage später passierte dasselbe bei einem Mercedes Sprinter, der zur Reparatur auf dem Gelände eines Kfz-Handels in Lenggries-Fleck stand. Und zwischen 8. und 10. Juni bedienten sich die Täter an einem Nissan, der auf einem privaten Parkplatz an der Buchener Straße in Bad Tölz abgestellt war.

Polizei findet Spuren von Winkelschleifern

Was die Täter angeht, so hat die Polizei bisher keine wirklichen Ansatzpunkte für ihre Ermittlungen. Überregional gebe es jedenfalls keine Erkenntnisse, dass größere Strukturen im Bereich der Organisierten Kriminalität dahinter stecken, so Rohrhofer. Reisende Banden seien hier genauso denkbar wie Täter aus der Umgebung, die aufgrund ihres Fachwissens von den Edelmetallen in Katalysatoren wissen. Und es sind vermutlich Personen, die wissen, wie man einen Katalysator schnell ausbaut und die entsprechend ausgerüstet sind. An den betroffenen Fahrzeugen in Bad Tölz fanden sich laut Polizei Spuren von Wagenhebern und Winkelschleifern.

Hoffen auf Kommissar Zufall

„Zur Klärung sind wir letztlich auf die Hilfe von Kommissar Zufall angewiesen“, räumt Rohrhofer ein. „Wir müssten dazu ein Fahrzeug kontrollieren, in dem sich zwei bis drei Katalysatoren befinden, die dann den Diebstählen zugeordnet werden können.“

ADAC wird immer wieder wegen gestohlener Katalysatoren zur Hilfe geufen

Wegen gestohlener Katalysatoren wird auch der ADAC immer wieder zu Hilfe gerufen. Laut einem Sprecher verzeichnete der Automobilclub 2020 deutschlandweit 420 solcher Meldungen, 2021 bereits 950. Der ADAC-Sprecher führt an, dass Platin aktuell mit 33 Euro pro Gramm gehandelt werde, Rhodium sogar mit 770 Euro. „Nur zum Vergleich: Gold kostet in der gleichen Menge knapp 50 Euro.“

Diesel-Fahrzeuge sind kaum betroffen, Fall in Lenggries ist die Ausnahme

Allgemein beobachtet der ADAC, dass vom Kat-Klau vor allem ältere Fahrzeuge mit Benzinmotoren betroffen seien, bei denen der Dreiwege-Katalysator gut zugänglich in der Mitte des Wagenbodens verbaut sei. Der Anteil der Diesel-Fahrzeuge liege lediglich bei drei Prozent. Insofern bildete der Fall in Lenggries-Fleck also eine Ausnahme, denn der Mercedes Sprinter, an dem sich die Diebe zu schaffen machten, war ein Diesel-Fahrzeug. Hier rissen die Unbekannten aber auch gleich die gesamte Auspuffanlage mit ab.

Diebstahl des Katalysators kann zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen

Für die Opfer bedeutet der Verlust des Katalysators laut ADAC, dass die Straßenzulassung für ihr Fahrzeug wegen der fehlenden Abgasreinigung erlischt. Außerdem sorge ohne Kat ein sehr lautes Motorengeräusch für eine erhebliche Lärmbelästigung. „In der Regel übernimmt den Schaden nach einem Diebstahl die Teilkasko“, so der ADAC-Sprecher, „allerdings abzüglich der Selbstbeteiligung.“

Und er ergänzt: „Wer nur haftpflichtversichert ist – und das ist bei älteren Autos oft so –, bleibt auf den Kosten sitzen.“ Zudem rät er, bei alten Autos erst einmal zu überprüfen, ob hier nicht ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliege. Immerhin könne der Einbau eines neuen Katalysators je nach Modell und Stundensatz zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro kosten.

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