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Ein breites Angebot von Produkten aus fairem Handel hat der Eine-Welt-Laden an der Tölzer Säggasse.

Prädikat „Fairtrade-Stadt“ soll bald erneuert werden

Fairer Handel in Tölz: Kaffee ja, Kleidung nein

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Als „Fairtrade-Stadt“ darf sich Bad Tölz seit Herbst 2015 bezeichnen. Eine Steuerungsgruppe beackert seither das Thema fairer Handel – teils hinter den Kulissen, teils in öffentlichen Veranstaltungen. Weil demnächst die Erneuerung des Siegels ansteht, treten die ehrenamtlichen Aktiven um die Sprecherin Barbara Rösch-Rupp jetzt wieder verstärkt an Tölzer Einzelhändler und Gastronomen heran.

Bad Tölz– Insgesamt, so Rösch-Rupp, gehe es beim Thema fairer Handel in Bad Tölz voran – wenn auch in kleinen Schritten. „Man braucht Durchhaltevermögen.“ Das oberste Ziel der Auszeichnung als „Fairtrade-Stadt“ sei es, die Bedeutung des fairen Handels ins Gespräch und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In dieser Hinsicht habe sich schon einiges getan. „Ich erlebe, dass mich Menschen darauf ansprechen und dass es eine Rolle spielt.“ Gleichzeitig ist sich Rösch-Rupp bewusst, „dass das nicht unbedingt ein Mainstream-Thema ist. Im Alltag hat es nicht für alle die oberste Priorität.“

Der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh im April 2013 mit 1127 Toten gab den Ausschlag, dass sich in Bad Tölz eine Gruppe interessierter Bürger verstärkt dem Thema fairer Handel widmete. Die Stadt bewarb sich um das Gütesiegel „Fairtrade-Stadt“. Mehrere Kriterien galt es dafür zu erfüllen. Dazu gehörte der Nachweis, dass genügend Institutionen, Vereine und Geschäfte den fairen Handel unterstützen – etwa indem sie selbst fair gehandelten Kaffee und Tee ausschenken oder Produkte aus fairem Handel zum Verkauf anbieten.

Was ist seither passiert? Die Steuerungsgruppe aus sechs bis acht Personen treffe sich einmal im Monat, berichtet Rösch-Rupp. Im Hintergrund stünden für konkrete Aktionen aber weitere Engagierte bereit, etwa aus dem Eine-Welt-Laden, der Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt oder der evangelischen Kirchengemeinde. Öffentlich in Erscheinung trat die Fairtrade-Gruppe zuletzt mit einem Tag der offenen Tür im Eine-Welt-Laden, bei dem Spezialitäten aus Peru angeboten wurden und eine Kartoffelbäuerin aus Peru von ihrer Kleinbauernkooperative berichtete. Zudem lud die Steuerungsgruppe in Kooperation mit dem Kreisbildungswerk zu einem Vortrag des Mystik-Experten Michael von Brück zum Thema „Eine Welt? Spirituelle Grundlegung“ ein. Die nächste öffentliche Veranstaltung ist laut Rösch-Rupp in Planung: Der Soziologe Prof. Stephan Lessenich, Autor des Buchs „Neben uns die Sintflut“, habe bereits zugesagt.

Weniger ermutigend war das Ergebnis einer anderen Aktion der Steuerungsgruppe. Durch Besuche in Bekleidungsgeschäften wollten sie herausfinden, wo es in Bad Tölz Textilien mit den anerkannten Labels für faire, sozialverträgliche Arbeitsbedingungen, „GOTS“ (Global Organic Textile Standard“) und „FWF“ (Fair Ware Foundation) zu kaufen gibt. Das Ergebnis: nirgends. „Das hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, schränkt Rösch-Rupp ein. Doch vom Vorhaben, einen Einkaufsführer für fair produzierte Bekleidung zu erstellen, musste die Steuerungsgruppe abrücken.

Immerhin: In den Geschäften hätten sich interessante Gespräche mit den Inhabern ergeben, die durchaus offen gewesen seien und ihre Verantwortung bei dem Thema anerkannt hätten. „Aber oft arbeiten sie mit bestimmten Lieferanten zusammen, die die entsprechenden Produkte nicht im Angebot haben. Andere haben erklärt, dass sie nur mit in Europa produzierenden Firmen zusammenarbeiten. Aber das heißt nicht unbedingt, dass gute Sozialstandards garantiert sind.“

Nach zwei Jahren muss Bad Tölz heuer sein Gütesiegel „Fairtrade-Stadt“ auffrischen – also noch einmal nachweisen, dass alle Kriterien erfüllt sind. Das ist laut Rösch-Rupp kein Problem, denn es gibt in Bad Tölz jede Menge Geschäfte, die zumindest einzelne Produkte aus fairem Handel im Angebot haben. „Da wollen wir jetzt neue Teilnehmer dazugewinnen“, sagt Rösch-Rupp. Der städtische Citymanager Falko Wiesenhütter habe zugesagt beim Kontaktieren der Unternehmen mitzuhelfen. Bis Sommer soll die erneute Bewerbung fertig sein.

Kontakt

Geschäfte und Einzelhändler, die gern im Fairtrade-Einkaufsführer erwähnt werden möchten, sowie Interessierte, die ehrenamtlich in der Steuerungsgruppe mitmachen wollen, werden gebeten, eine E-Mail an die Adresse info@fairtrade.bad-toelz.de zu schreiben.

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