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Gemeinsam im Einsatz für fairen Handel (v. li.): Herbert Konrad (Kreisbildungswerk), Brigitte Blösl (katholische Gemeinde), Richard Hoch (Stadtrat), 3. Bürgerm eister Christof Botzenhart, Barbara Rösch-Rupp (Sprecherin Steuerungsgruppe), Gudrun Schroth (Weltladen) und Gabriele Späth (evangelische Gemeinde).

Siegel-Erneuerung nach zwei Jahren

Fairtrade Town: Neue Bewerbung, neuer Schwung

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Zwei weitere Jahre das Prädikat „Fairtrade Town“: Zu diesem Ziel hat sich jetzt Bad Tölz aufgemacht.

Bad Tölz– Vertreter der Steuerungsgruppe – ein breites Bündnis aus Kirchen, Schulen und anderen gesellschaftlichen Institutionen – und der Stadt gaben offiziell die erneute Bewerbung bekannt. Die Erneuerung des Siegels soll der Bewegung neuen Schwung verleihen. Was gut dazu passt: Wie 3. Bürgermeister Christof Botzenhart bekannt gab, kommt Entwicklungsminister Gerd Müller auf Einladung der örtlichen CSU am 28. August nach Bad Tölz.

Im Herbst 2015 wurde Bad Tölz erstmals zur „Faitrade Town“ erkoren. Dafür gilt es, gewisse Kriterien zu erfüllen, etwa dass im Rathaus fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird und dass es in Geschäften ausreichend Artikel mit dem „Faitrade“-Logo zu kaufen gibt, das gerechte Preise und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für die Erzeuger garantiert. Jetzt müssen die Tölzer Initiatoren nachweisen, dass die Stadt nach wie vor alle Voraussetzungen hat. Die Antwort vom Verein „Transfair“, der die Auszeichnung vergibt, wird im Oktober erwartet.

Zwischendurch gab es beim Einsatz für den fairen Handel vor Ort „auch mal Durststrecken“, räumte Barbara Rösch-Rupp ein. „Trotz allem müssen wir feststellen, dass wir noch am Anfang stehen“, sagte die Sprecherin der Steuerungsgruppe. So habe in den zwei Jahren die Zahl der Tölzer Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe, die sich zum fairen Handel bekennen, kaum zugenommen. Im Gegenteil: Einzelne sprangen wieder ab. „Das Problem ist, dass Wirte an Großlieferanten dranhängen – und die haben kaum faire Produkte“, erklärte Grünen-Stadtrat Richard Hoch. „Es wäre schön, wenn die Gastronomen verstärkt bei den Lieferanten nachfragen könnten.“ Bei Beherbergungsbetrieben reiche es schon, wenn sie zum Frühstück Kaffee, Tee, Orangensaft oder Kakao mit entsprechendem Gütesiegel servieren – und schon könnten sie auf die Liste der „fairen“ Tölzer Betriebe aufgenommen werden.

Keinen Erfolg hatte auch die Suche der Ehrenamtlichen nach Kleidungsstücken mit anerkannten Fairtrade-Logos, wie Brigitte Blösl berichtete. In ganz Tölz „gab es das nur in einem Sportgeschäft“. Immerhin: „Es gibt Trachtengeschäfte, die regionale Schafwolle benutzen.“ Im Textilbereich sei auf alle Fälle „Bewusstsein und Nachfrage der Kunden“ nötig.

Doch es tut sich auch einiges in Sachen Fairtrade: Sehr erfreut nahmen die Ehrenamtlichen zur Kenntnis, dass die Tölzer Friedhofssatzung demnächst Grabsteine verbannen wird, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen. „Das ist bei allem Stadtrats-Fraktionen auf breite Zustimmung gestoßen“, berichtete Botzenhart.

Herbert Konrad verwies auf anstehende Veranstaltungen: So gastiere im Herbst der Soziologe Stephan Lessenich in Bad Tölz, der in seinem Buch „Neben uns die Sintfut“ einen Bogen von einer fairen Weltordnung zur Flüchtlingsproblematik spanne. Für März 2018 sei ein großes Kooperationsprojekt unter anderem von Schulen und den beiden Tölzer Theatergruppen in Vorbereitung: das Theaterstück „Anders als du glaubst“ über das Miteinander von Kulturen und Religionen auf der Welt.

Die Gelegenheit, mit Entwicklungsminister Müller persönlich zu diskutieren, will sich die Steuerungsgruppe natürlich nicht entgehen lassen. Er steuert nicht ganz zufällig die „Fairtrade-Stadt“ Tölz an und setzt dabei ein klares Zeichen: Zum Auftakt seiner Stippvisite kommt er in den Weltladen an der Säggasse.

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