Andere Seniorin um 2000 Euro geprelllt

Fake-Staatsanwalt ruft bei Tölzer Seniorin an - aber die macht alles richtig

Ein Staatsanwalt aus Berlin meldet sich bei einer Tölzerin (76) mit einem wichtigen Anlagen. Dahinter steckt ein Betrüger. Die Seniorin regiert genau richtig. Eine andere Tölzerin hatte weniger Glück.

Bad Tölz – Ob es derselbe Täter war? Das weiß die Tölzer Polizei nicht zu sagen, die den ersten Fall folgendermaßen schildert. Am Donnerstag meldete sich ein unbekannter Mann per Telefon bei einer 80-jährigen Tölzerin und gab sich als Mitarbeiter der Sparkasse aus. Im weiteren Gespräch entlockte der offenbar sehr vertrauenserweckend auftretende und rhetorisch geschulte Anrufer der Seniorin sowohl die persönlichen Bank- sowie auch Kartendaten. Er nützte sein Wissen umgehend aus und belastete das Konto der Frau mit 2000 Euro.

An die Falsche geriet vielleicht derselbe Täter am gleichen Tag bei einer 76-jährigen Tölzerin. Dabei rief der Mann, der akzentfrei deutsch sprach, an und gab sich als Mitarbeiter der Berliner Staatsanwaltschaft aus. Es sei festgestellt worden, dass ein Unbekannter Zugriff auf ihre Konten habe, fabulierte der Unbekannte. Man müsse deshalb umgehend die Kontodaten der Tölzerin erfahren, um einer Straftat vorbeugen zu können. Die Tölzerin tat das einzig Richtige in so einem Fall: Sie legte kommentarlos auf und informierte umgehend die Polizei. Es handelt sich in dem Fall übrigens um eine „nicht strafbare Vorbereitungshandlung“.

Die Tölzer Polizei warnt noch einmal eindringlich davor, dass sich solche Betrugsversuche derzeit auffällig häufen. Markus Landthaler von der Tölzer Polizei gibt folgenden Rat: „Geben Sie niemals persönliche Dinge wie Bankdaten oder persönliches Wissen wie beispielsweise den Besitz von Bargeld oder Wertgegenständen am Telefon preis. Im Zweifelsfall lieber den Hörer auflegen und gleich die Polizei verständigen.“

Christoph Fuchs, der als Mitglied des „Weißen Rings“ seit Langem eine Serie über Sicherheit für den Tölzer Kurier schreibt, hat erst in seiner jüngsten März-Folge das Thema von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Man sei keineswegs dumm oder vertrottelt, wenn man auf solche Tricks hereinfalle. Es spielten oft auch positives Denken, Freundlichkeit und Vertrauen, also eigentlich positive Eigenschaften, eine Rolle, die die Betrüger eiskalt ausnützen. Sie sind in der Regel in der Gesprächsführung gut geschult und überrumpeln ihre Opfer. Wenn diese nämlich mit einer ungewöhnlichen Situation konfrontiert und bedrängt werden, haben sie oft nicht die richtigen Antworten parat und reagieren prompt falsch.

Jeder kann angerufen werden. Fuchs rät deshalb vor allem Senioren, sich gedanklich auf solche Situationen vorzubereiten und sich passende Reaktionen zu überlegen, etwa den Hörer aufzulegen. Auch sollten Angehörige mit Senioren das Gespräch suchen und sie auf solche jederzeit möglichen Situationen vorbereiten. All das mache es Betrügern schwer. Und wenn doch etwas schief gegangen ist und man sich dessen erst nach dem Telefonanruf bewusst wird, dann so Fuchs: „Gleich die Polizei anrufen.“ Christoph Schnitzer

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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