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Beginn der Fastenzeit

Fasten mal anders: Ab Aschermittwoch autofrei

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Weniger trinken, weniger rauchen, weniger Schokolade: Das sind klassische Vorsätze für die am Mittwoch beginnende Fastenzeit. Doch es gibt auch ganz andere Ansätze: Bundesumweltamt und Grüne rufen heuer zum „Autofasten“ auf. Diese Anregung kommt an der Parteibasis im Landkreis und auch bei Geistlichen gut an.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Das Auto freiwillig stehen lassen: Aus der Sicht des katholischen Pfarrers Leo Sobik aus Wackersberg passt das ausgezeichnet zum Sinn des Fastens, den er so formuliert: „selbst auf etwas verzichten, um für die anderen oder für die Allgemeinheit etwas zu gewinnen“. Fasten, das hat für den Geistlichen viel mit Geben zu tun und daran, an die Bedürfnisse anderer zu denken. Wer dagegen die Fastenzeit zum Anlass nehme, fünf Kilo abzunehmen, „der denkt an sich selbst. Das ist nicht der Sinn des Fastens.“

Autofasten hält auch der evangelische Dekan Martin Steinbach für sinnvoll – wenn auch für ihn persönlich im Arbeitsalltag, in dem er das ganze Dekanat bereisen muss, schwer umsetzbar. Generell sei die Fastenzeit eine „Chance, einmal etwas anders zu machen als sonst“. Ob man aufs Fahrrad umsteigt, täglich eine halbe Stunde spazieren geht, oder jeden Abend vier Seiten liest: „In der Fastenzeit kann ich schauen, was mit mir passiert, wenn ich etwas im Alltag ändere.“

Wie vielfältig der Begriff des Fastens ist, zeigt auch das Motto der evangelischen Fastenaktion: „Sieben Wochen ohne Sofort“. „Es muss nicht alles sofort passieren, man muss sich nicht direkt in alles reinstürzen, und die E-Mail kann man auch erst am Montag beantworten“, erklärt Steinbach.

Peter Priller ist altkatholischer Pfarrer und Tölzer Grünen-Stadtrat. Der Aufruf zum Autofasten spricht ihn an. „Aschermittwoch ist ja auch der 1. März, da kann ich mir gleich eine Monatskarte für die BOB kaufen“, sagt er. Priller pendelt beruflich nach München. „In letzter Zeit habe ich das Autofahren sehr einreißen lassen, weil mich die BOB geärgert hat.“

Sich selbst kasteien will Priller in der Fastenzeit aber nicht. „Es ist eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, was man wirklich braucht“, sagt der Geistliche. Er nehme sich in der Fastenzeit täglich morgens ein wenig Zeit zum Nachdenken und Meditieren.

Weniger Auto fahren oder auch Plastikfasten, wie es das Benediktbeurer Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) propagiert: Das unterstützt auch die Grünen-Kreisvorsitzende Barbara Schwendner. Für ihren Alltag räumt sie aber ein, selbst manchmal das Auo zu nehmen, statt kurze Strecken zu Fuß zurückzulegen – „aufgrund der Eile“. Das will sie wieder ändern – unabhängig vom Datum der Fastenzeit. „Sobald das Wetter es zulässt, steige ich vermehrt aufs E-Bike um.“

Ein Sinn der Fastenzeit besteht aus Sicht der Tölzerin darin, „dass man in unserer Überflussgesellschaft gewissen Lebensgewohnheiten die Besonderheit erhält“. Diesen Gedanken pflegt sie das ganze Jahr über: „Ein Frühstücksei gibt es nur am Samstag, und ich finde es eine gute Tradition, dass es nur am Sonntag Fleisch gibt.“

Wie Schwendner erklärt auch ihr Parteikollege, Dritter Landrat Klaus Koch, dass eine Art Autofasten bei den Grünen „nicht auf die Fastenzeit beschränkt ist“. Bei Parteitreffen bilde man Fahrgemeinschaften. „Zur Kreistags-Fraktionssitzung in Tölz hole ich die Mitglieder aus dem Nordlandkreis mit meinem Neunsitzer-VW-Bus in Königsdorf ab“, sagt der Beuerberger. Auf dem Weg zum Sonderpädagogichen Förderzentrum in Tölz, wo Koch Schulleiter ist, nehme er Schüler mit. Wenn jetzt die Menschen aufgefordert werden, in der Fastenzeit einen Beitrag zu einem ökologischen Ziel zu leisten, findet Koch das „sehr, sehr gut“.

Selbst hat er sich vorgenommen, bis Ostern auf Alkohol, Süßigkeiten und Knabberzeug zu verzichten. „So kann man prüfen, ob man standhaft bleiben kann“, sagt er. „Wenn ich den Vorsatz erfolgreich umsetze, ist das charakterlich stärkend.“

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