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Wie gut ist die Tölzer Luft? Das wird derzeit untersucht.

Feinstaub-Messungen

Tölzer Luft auf dem Prüfstand

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An vier Stellen in Bad Tölz wird derzeit ein Jahr lang die Luftqualität gemessen – damit die Stadt das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ auch weiterhin führen darf. Das Gutachten, das Mitte 2018 zu erwarten ist, kostet 15 500 Euro.

Bad Tölz – „Dank der ,Tölzer Champagnerluft‘ trägt Bad Tölz bereits seit 1969 das Prädikat Heilklimatischer Kurort.“ So preist die Stadt das gesunde Klima vorort auf ihrer Homepage an. Doch die Tölzer Luft ist aktuell auf dem Prüfstand. Alle zehn Jahre wird die Qualität getestet.

Vier Mess-Stationen hat der Deutsche Wetterdienst im Stadtgebiet errichtet, um herauszufinden, wie viel Stickstoffdioxid, Ruß, Grob- und Feinstaub vorort so herumfliegt. In den Messstangen sind Sammler integriert, die luftverunreinigende Gase und Stäube aufnehmen. Man sieht sie am Kapellengasteig, an der Badstraße, am Kalvarienberg und – logischerweise – im Kurpark.

Seit Februar leert der Hausmeister der Tourist-Info die Geräte jede Woche. Dann müssen die Sammler zur Analyse nach Freiburg geschickt werden. Dort sitzt Stefan Gilge vom Deutschen Wetterdienst. „Die Messreihe ist voraussichtlich Ende März 2018 beendet“, sagt er auf Nachfrage. Das Gutachten, das zur Verlängerung des Prädikats „Heilklimatischer Kurort“ nötig ist, werde wohl im Juni 2018 fertig.

Wie viel Feinstaub die Tölzer Luft enthält, kann jeder mit Internetanschluss aber schon heute sehen. Auf der Homepage des Deutschen Wetterdiensts werden die Werte wöchentlich eingetragen – wegen der Analyse mit leichter zeitlicher Verzögerung. Jene am Kapellengasteig – also im Stadtzentrum, wo jede Menge Verkehr herrscht – bewegen sich zwischen 7,5 und 3,5 Mikrometer pro Kubikmeter (µm/m3). Der Grenzwert für das Jahresmittel liegt bei 16 µm/m3. Dass er überschritten wird, scheint also relativ unwahrscheinlich.

Die Tölzer Kurdirektorin Brita Hohenreiter gibt sich bei dem Thema dementsprechend entspannt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir keine Probleme kriegen werden.“ Zu Zwischenergebnissen und wie diese zu bewerten sind, möchte sie sich vorab aber nicht äußern. Das letzte Gutachten aus dem Jahr 2008 habe insgesamt 53 Seiten umfasst. Hohenreiter: „Es ist wirklich sehr komplex.“

Und nicht billig: 15 500 Euro kostet die Stadt die Überprüfung der Luftqualität. „Wir müssen ein Auge darauf haben und uns rechtzeitig darum kümmern“, sagt die Kurdirektorin.

Der Deutsche Wetterdienst, eine Bundesbehörde, führt vergleichbare Messungen im bundesweit durch. In Bayern aktuell noch in vier anderen Orten – unter anderem in Hohenpeißenberg. Dass die Tölzer Luft einen gewissen Druck verspürt, ist Hohenreiter klar: „Der Verkehr wird immer mehr, das ist einfach so. Als Stadt kann man ihn nur mit strategischen Konzepten in den Griff bekommen.“ Beispielhaft nennt sie die Umgehungsstraße, das Tölzer Parkleitsystem oder das Parkhaus. „Es geht darum, die Autos vom Stadtzentrum wegzuhalten.“ Wenn es um das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ geht, muss Hohenreiter an einen Trend im Badeteil denken. „Immer mehr Menschen wollen dort wohnen. Das bringt Verkehr mit sich“, sagt sie, erwähnt aber auch, dass die meisten Touristen ja ebenfalls mit dem Auto anreisen.

Bad Tölz schmückt sich übrigens noch mit einem zweiten Prädikat: dem des Moorheilbads. Es löste im Jahr 2005 das historische Prädikat des Jodbads ab, das die Stadt einst bekannt machte, seit den 1990er-Jahren aber keine Bedeutung mehr hat. „Die Krankenkassen haben das Jodwasser damals aus ihrem Leistungskatalog genommen“, erinnert sich Hohenreiter.

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