Charlie und Maria Martin in ihrem Wohnmobil in Bad Tölz.
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Auf keinen Komfort verzichten müssen Charlie und Maria Martin in ihrem Wohnmobil. Da das Gefährt sogar über eine Fußbodenheizung verfügt, können sie damit auch im Winter verreisen.

Ferien im fahrbaren Hotelzimmer

Wohnmobil-Urlaub im Trend: Im Landkreis ist kaum noch ein Stellplatz frei

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Die Campingplätze sind brechend voll, Wohnmobil-Verleiher restlos ausgebucht: Auch in Bad Tölz-Wolfratshausen zeigt sich, was der große Urlaubstrend der Saison ist.

  • Die Nachfrage nach Wohnmobilen ist heuer „so stark wie noch nie“, sagt ein Verleiher in Wackersberg.
  • Viele Urlauber fühlen sich im eigenen Wohnmobil freier und in Corona-Zeiten auch sicherer als im Hotel.
  • Auch dem Stellplatz in Bad Tölz lassen sich Gefährte mit allerlei Extras bis hin zur Fußbodenheizung besichtigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die große Freiheit auf vier Rädern genießen, an keine Flugverbindung gebunden sein, stehen bleiben, wo es einem gefällt, und dabei genügend Abstand zu anderen halten: Urlaub im Wohnmobil liegt im Trend und erlebt im Corona-Sommer 2020 noch einmal einen ungeahnten Aufschwung. Das merkt man auch im Tölzer Land recht schnell. Die meisten Camping-Plätze sind brechend voll und ein spontaner Halt an einem Wohnmobil-Stellplatz wird zur Glückssache.

Wie angesagt die flexible Urlaubsvariante ist, wissen auch Michael Schaffer und Jan Richter, die in ihrem Wackersberger Betrieb Wohnmobile verleihen und verkaufen. „Unsere Fahrzeuge sind die gesamten Ferien über komplett ausgebucht“, sagt Jan Richter. „Und auch danach ist bis Oktober nur noch wenig frei.“ Schon in den vergangenen Jahren sei ihm eine deutlich gestiegene Nachfrage aufgefallen. „Aber so stark wie heuer war es noch nie.“

Große Nachfrage nach Wohnmobilen macht Verluste nicht wett

Dies liege nicht zuletzt daran, dass viele Kunden von „Wohnmobile Isarwinkel“ für die Oster- oder Pfingstferien bereits ein Wohnmobil gemietet und diese Buchung dann aufgrund der Corona-Lage auf den Sommer verschoben hätten. „Wir sind natürlich froh über das große Interesse, aber die Ausfälle der vergangenen Ferien kann das leider auch nicht wettmachen“, sagt Richter.

Zum Ende der Saison veräußert der Wohnmobilverleih jährlich die Fahrzeuge. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt schon alle verkauft“, sagt der Inhaber. Soweit er mitbekommen habe, sei die Nachfrage mittlerweile überall wesentlich größer als das Angebot.

Mit Roller im Anhänger: Wolfgang Kerschels hat sein Zweirad zur Erkunden der Gegend dabei.

Am Wohnmobilstellplatz in Bad Tölz bestätigt sich dieser Eindruck. Wagen an Wagen stehen hier die gigantischen Gefährte nebeneinander gereiht. Der Platz ist beliebt und günstiger als ein Campingplatz.

Christiane Bollug und Anne-Marie Faber sind aus Luxemburg angereist. Seit drei Jahren besitzt Faber ein Wohnmobil. „Aktuell würden wir uns aus Angst vor einer Corona-Ansteckung auch nicht trauen, in einer anderen Form Urlaub zu machen“, sind sich die beiden Freundinnen einig. „So können wir Abstand halten und müssen in kein Hotel gehen.“

Einige der Stellplätze, die sie auf ihrer Deutschlandtour anfahren, haben sie einen Monat im Voraus gebucht.

Flexibel mit Hund: Christiane Bollug (li.) und Anne- Marie Faber sind zum Radeln nach Tölz gekommen.

Dass die Stellplätze in Bayern knapper denn je sind, haben auch Wolfgang und Siegrid Kerschels aus dem Sauerland bemerkt. Sie sind eingefleischte Camper. „Mein erstes Wohnmobil habe ich mir mit 20 Jahren gekauft“, sagt Wolfgang Kerschels. Diesmal ist das Paar vier Wochen unterwegs. „Ein Wohnmobil muss gefahren werden, sonst lohnt es sich nicht. Meins hat an die 100.000 Euro gekostet“, sagt er. Doch der Preis ist es ihm wert. „Ich bin kein Typ fürs Hotel. Ich will frei sein und in meinem eigenen Bett schlafen.“ Doch die Freiheit gibt es für die Eheleute in diesem Sommer nur innerhalb Deutschlands. „Ins Ausland zu fahren, wäre uns aktuell zu ungewiss.“ Um auch vor Ort flexibel zu sein, haben sie in einem Anhänger einen Roller dabei. „Damit können wir dann vor Ort alles erkunden.“

Mit luxuriös ausgestattetem Wohnmobil lässt sich sogar in Skiurlaub fahren

Mit einem luxuriös ausgestatteten Wohnmobil haben sich Charlie und Maria Martin einen Traum erfüllt. Andere Urlaubsreisen interessieren sie schon seit 20 Jahren kaum mehr. „Wir haben hier alles dabei, was man braucht. Dazu unser eigenes Bett“, sagt Charlie Martin. Im Innenraum gibt es ein Schlafzimmer, eine Küche samt Kühlschrank, eine Toilette mit Waschbecken, eine separate Dusche, und mit zwei Handgriffen verwandeln sich auch die Fahrersitze in ein Wohnzimmer. Das Ehepaar war mit ihrer fahrbaren Wohnung schon in ganz Europa unterwegs, bis nach Norwegen und Russland. Im Winter geht’s mit dem Gefährt sogar zum Skifahren. „Wir haben eine Fußbodenheizung eingebaut“, sagt Charlie Martin stolz.

Roland und Stefanie Eichbaum aus Düsseldorf sind erst kürzlich auf den mobilen Ferienspaß gekommen. „Freunde von uns haben das gemacht, und dann wollten wir es auch unbedingt mal ausprobieren“, sagt Roland Eichbaum. Der Vorteil für die Familie mit einer Tochter besteht darin, dass sie auch ihre zwei Hunde mit auf Reisen nehmen können. „Vor allem heuer ist es eine gute Lösung ein Wohnmobil zu mieten. Wir haben auch ein Haus auf Lanzarote, aber das wäre uns aktuell zu riskant“, sagt Eichbaum und fügt hinzu: „Es ist aber kein günstiger Spaß. Wer denkt, dass der Urlaub billiger als eine Reise mit Flieger und Hotel ist, irrt sich.“

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Der gestiegenen Nachfrage nach Wohnmobil-Stellplätzen will man jetzt auch in Kochel nachkommen.

In der TV-Sendung „Mein Lokal, dein Lokal“ waren kürzlich zwei Campingplätze aus der Region zu sehen.

Die Pläne zur Erweiterung des Campingplatzes am Stallauer Weiher liegen auf Eis.

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