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Jazz im Blut: Peter Zoelch und der Amerikaner Tim Collins (vorne von links) mit dem Munich Up town Jazz Orchestra im Kurhaus.

Im Kurhaus

Fetzige Klänge, leere Ränge

Musik, zu der gleich Frank Sinatras unvergessliche Stimme einsetzen könnte, war am Donnerstagabend im Kurhaus geboten. Das Munich Uptown Jazz Orchestra mit zwei Gästen begeisterte die Tölzer Fans. Diese scheinen rar gesät, denn die Besucher füllten den Saal nicht einmal zur Hälfte.

Bad Tölz – Orchestergründer und Trompeter Franz Weyerer tritt auch in anderen Formationen auf, ist aber seit vielen Jahren laut einschlägigen Fachmagazinen die Nummer eins in der Münchner Jazzszene. Schon von den ersten Takten an riss der beschwingte Rhythmus mit. „Nocturnal Turnings“ von Frank St. Peter und „Lullaby of the Leaves“ von Bernice Petkere begannen das Programm von Jazzstandards. Die Musiker des 15-köpfigen Orchesters – fünf Saxofone, drei Posaunen, vier Trompeten, Piano, Kontrabass und Schlagzeug – verstanden sich blind, ob bei Wechsel oder Zusammenspiel der Instrumente. Die tiefen Saxofone harmonierten mit den Posaunen, über denen die hellen Trompeten den fetzigen Klang abrundeten. Stets wunderbar zu hören war das Trio Piano, Kontrabass und Schlagzeug, dessen ruhiger Klang eine wohltuende Atempause nach den furiosen Bläsern war. Allerdings hieß das kein Nachlassen im Tempo, das mal fabelhaft dahinraste oder mal lässig dahinflog. In allen Stücken zeigten die Musiker ihr bravuröses Können in den Soli.

Das Orchester hatte einen Gast aus den USA mitgebracht, den Vibrafonisten und Komponisten Tim Collins. Mit seinen vier Schlegeln, die über die metallenen Klangstäbe flogen, verlieh er dem Orchester einen ganz eigenen Klang. In einem Stück mit Sambatakten entstand eine wunderschöne Harmonie zwischen Vibrafon und Saxofon. Diese Musik hätte auch der Hintergrund für einen James-Bond-Film sein können. Neben Collins stand schließlich Peter Zoelch für ein Stück mit Saxofon auf der Bühne. Weyerer begrüßte den einheimischen Jazzmusiker, der gewöhnlich nur mit drei weiteren Kollegen unterwegs ist, mit den Worten: „Er hat das Ganze erst ins Rollen gebracht“, sprich das Orchester nach Bad Tölz geholt. So spannte sich an diesem Abend der Jazzbogen von New York bis Bad Tölz.

Collins hatte für das Munich Uptown Jazz Orchestra eine eigene Komposition geschrieben mit dem Titel „Summersplash“. Diese äußerst elegante Komposition begeisterte mit ungewöhnlich stark geführter Melodie, die die Bläser stets zu strahlenden Endakkorden führten.

Es bleibt nach diesem musikalisch begeisternden Abend die Hoffnung, dass das Orchester wegen geringer Zuschauer und einem fehlenden Techniker fürs Mikrofon Bad Tölz doch wieder einmal beehren wird. Bis zum nächsten Termin wird die Mundpropaganda das Ihrige getan haben, um das Kurhaus dann entsprechend zu füllen. Birgit Botzenhart

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