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„Eine große gesellschaftliche Frage“: Im Film „Auf der Jagd“ geht es auch um die Rückkehr des Wolfs. 

Interview  

Filmregisseurin: „Dem Wolf zeigen, wo er nicht erwünscht ist“

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Die Regisseurin Alice Agneskirchner stellt am Donnerstag in Bad Tölz ihre Dokumentation „Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“ vor. Darin beleuchtet sie das Thema Jagd aus verschiedenen Perspektiven und stellt auch die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Rückkehr des Wolfs. 

Bad Tölz – „Wem gehört die Natur?“ Diese Frage stellt der Dokumentarfilm „Auf der Jagd“. Zum Filmstart am Donnerstag, 10. Mai, ist Regisseurin Alice Agneskirchner (51) zu einer Sondervorführung im Tölzer Capitol-Kino zu Gast und steht im Anschluss für Fragen bereit. Diskussionsstoff könnte der Film tatsächlich liefern, denn er zeigt nicht nur faszinierende Natur- und Tieraufnahmen aus Wäldern in Brandenburg sowie am Schliersee und am Tegernsee. Er widmet sich auch Fragen der Jagd, die zwischen Naturschützern, Jägern sowie Land- und Forstwirten umstritten sind – gerade wenn es um den Wolf geht. Der aus München stammenden, und heute in Berlin lebenden Alice Agneskirchner geht es um eine differenzierte Betrachtungsweise, wie sie im Kurier-Interview erläutert.

Frau Agneskirchner, in Lenggries fand vor wenigen Tagen die Hegeschau statt. Wäre das eine Veranstaltung, auf der man Sie treffen könnte?

Ich habe für meinen Film auch auf Hegeschauen gedreht, zwar nicht in Lenggries, aber in Garmisch und Miesbach. Ich sehe mich als Dokumentaristin, und wenn es um die Darstellung von gesellschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhängen geht, mache ich keinen Unterschied, ob ich eine Polizeistation, einen Friseursalon oder eben Jägerinnen und Jäger bei einer Hegeschau besuche.

Laut Pressetext stellt Ihr Film die Frage, ob wilde Tiere überhaupt gejagt werden müssen. Ist es ein jagdkritischer Film?

Regisseurin Alice Agneskirchner

Der Film stellt grundsätzlich die Frage: Wem gehört die Natur? Und wie regeln wir unser Zusammenleben mit wilden Tieren? Jägerinnen und Jäger gehen nicht los, weil sie heute einen Rehbraten essen oder sich eine Hirschtrophäe an die Wand hängen wollen. Sondern es gibt klare Regeln, was und wann gejagt werden darf und Vorgaben, wie viel. Dabei gibt es Interessenskonflikte, von denen viele Menschen, die keinen Jagdschein haben, keine genauen Vorstellungen haben.

Das galt auch für Sie selbst?

Ich habe zum Beispiel nicht gewusst, dass im Jahr in Deutschland 1,2 Millionen Rehe erlegt werden – was dem Reh aber im Vergleich zu seiner Gesamtpopulation nicht weh tut. Wenn man bedenkt, dass die Deutschen gleichzeitig jedes Jahr 60 Millionen Schweine essen, wirkt die Aufregung der Jagdgegner bisweilen nicht verhältnismäßig. Ich wollte solchen Widersprüchen ganz vorurteilsfrei nachgehen.

Und zu welchem Schluss gelangen Sie?

Der Film will keine letztgültige Antwort geben. Er soll einen Anstoß zur Diskussion geben und zeigen, dass jede Argumentation ihr Recht hat. Auf der einen Seite muss man sehen, dass es bei uns nur noch ganz wenige Flächen gibt, die reine Natur sind. Es gibt in Deutschland größtenteils eine Kulturlandschaft, Flächen, die jemandem gehören. Und der hat ein berechtigtes Interesse, auf dieser Fläche einen Ertrag zu erwirtschaften. Von dieser Notwendigkeit sind viele Naturschützer weit weg. Man muss aber auch sehen, dass Wildtiere per se erst mal keine Lobby haben. Sie können keine Petition unterschreiben und keinen Vertrag mit dem Menschen abschließen. Man kann nicht sagen, Wildtiere sollen nur noch in Afrika oder Alaska leben. Deutschland ist eines der wildreichsten Länder überhaupt. Die Jäger müssen all diesen Interessen Rechnung tragen und sind gleichzeitig auch Anwälte des Wilds. Die Jäger wollen ja, dass es Wild gibt. Förster und Landwirte sind am Wildtier nicht so interessiert, weil sich diese Tiere ja auf den von ihnen bewirtschafteten Flächen ihr Futter suchen.

Besonders emotional wird die Debatte aktuell beim Thema Wolf geführt. Wie sehen Sie die Rückkehr des Wolfs?

Das ist ja eine große gesellschaftliche Frage. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat mir erzählt, dass dieses Thema in den Koalitionsverhandlungen ungelogen einen halben Tag lang diskutiert wurde. Wir müssen uns fragen: Ist die Rückkehr des Wolfs gewollt? Das können nicht ein paar Almbauern allein beantworten, sondern wir alle als Gesellschaft.

Wie beantworten Sie die Frage für sich?

Ich bin dafür, denn die Tiere haben ein Recht auf einen Lebensraum. Und der Gedanke, dass bei uns wieder Wölfe leben, ist schön: Der Wolf ist ein mythisches Tier, auch mit einer romantischen Bedeutung. Die Ängste kann ich aber ebenfalls verstehen. Wie bei anderen Tieren auch müssen wir uns überlegen, wie viele Tiere wir haben möchten und wo. Auch hier kommt den Jägern eine große Verantwortung zu. Und es ist eine Gefahr, wenn Menschen gerne der Freund des Wolfs sein wollen. Man muss dem Wolf schon zeigen, wo er nicht erwünscht ist. Ein Tier lernt durch Abschreckung, also durch Jagd. Wenn wir den Wolf haben wollen, müssen wir unsere Lebensweise diesen neuen Tatsachen anpassen – und dürfen ihn auf keinen Fall füttern.

Termine

„Auf der Jagd“ wird in Anwesenheit der Regisseurin am Donnerstag, 10. Mai, im „Capitol“ gezeigt (Karten: Telefon 0 80 41/ 96 58). Eine Preview vor dem offiziellen Filmstart gibt’s am Mittwoch, 9. Mai, im „Capitol“ sowie im Kinocenter in Wolfratshausen. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

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