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Im September besichtigten Moralt-Vorstand Klaus Feile (li.) und die Belegschaft schon einmal den künftigen Firmensitz in Hausham. Bürgermeister Jens Zangenfeind begrüßte die Gruppe.  

Wirtschaft in der Region

Umsiedlung als Chance

Bad Tölz – Die Firma Moralt nutzt den Umzug nach Hausham für die Anschaffung neuer Produktionsanlagen. 750 000 Euro steckt der Türrohling-Hersteller in den Neuaufbau. Am alten Standort investiert der Moralt-Lieferant SWL in seine Zukunft.

Seit dem Herbst 2015 ist es beschlossene Sache: Der Tölzer Traditionsbetrieb Moralt zieht nach Hausham (Kreis Miesbach). Klaus Feile, Vorstand der nach der Insolvenz 2011 gegründeten Moralt AG, war am vergangenen Wochenende in Istanbul unterwegs. Seine Firma präsentierte sich dort drei Tage lang auf der „Door Fair Turkey“, einer internationalen Fachmesse von Türenherstellern. „Man kann nur hoffen, dass die angekündigten Besucher aus dem Ausland auch anreisen“, sagte Feile vor dem Abflug angesichts des kürzlichen Terroranschlags in der türkischen Metropole.

Moralt macht 50 Prozent seines Jahresumsatzes (6,5 Millionen Euro) im Ausland, exportiert seine Holz-Türrohlinge hauptsächlich nach England, Österreich und in die Schweiz. In der oberbayerischen Heimat beschäftigt das 35-Mitarbeiter-Unternehmen die Umsiedlung des Werks nach Hausham – auf das ehemalige Gelände des Direktmailing-Anbieters Rotaform (wir berichteten). „Der Teufel steckt im Detail“, kommentiert Feile die aufwändigen Vorbereitungen für den Umzug, der Ende Juni vollzogen werden soll. In den vergangenen Monaten habe man eine Menge Angebote eingeholt und Aufträge vergeben. Stromanschlüsse, Absaugungs-, und Lüftungsanlagen müssen installiert, Fragen der Statik auf dem neuen Areal geklärt werden. Außerdem habe man einen externen Berater zur Aufstellung eines genauen Zeitplans engagiert.

„Wir liegen voll im Plan“, sagt Feile. Das Genehmigungsverfahren für den Bau einer neuen Produktionshalle schreite voran. Bei der Nutzungsänderung des Geländes stehe die Gemeinde Hausham nicht im Weg. Feile: „Wir bekommen da klasse Unterstützung.“ Genau die hat der Geschäftsführer von der Stadt Bad Tölz vermisst. Der Bauausschuss lehnte 2014 die Errichtung einer neuen Lagerhalle ab – hauptsächlich aus Gründen des Hochwasserschutzes. Bürgermeister Josef Janker verteidigte die Behörde damals mit Berufung auf rechtliche Voraussetzungen, die „einfach nicht gegeben“ seien.

Für Feile ist das längst Vergangenheit. Im Umzug nach Hausham sieht er „eine gute Gelegenheit, etwas zu verändern“. Viele der größeren Maschinen – wie die 50 Jahre alte Türenpresse – werden nun durch neuere Anlagen ersetzt. „Wir können dann viel effizienter produzieren“, sagt Feile, der von einem „Umzug in Etappen“ spricht. Nach dem Aufbau der neuen Maschinen soll die Verwaltung umgesiedelt werden. „Dann räumen wir in Tölz aus und nehmen die handlichen Geräte mit“, schildert es Feile plastisch. Auf 750 000 Euro beziffert er die Gesamtkosten für den Umzug inklusive der neuen Anlagen.

Geld hat auch die Firma SWL für eine neue Schälmaschine in die Hand genommen. „Wir investieren, Tölz ist ein wichtiger Standort für uns“, sagt Bernd Schonlau, einer der Geschäftsführer. SWL hat seinen Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, produziert spezielle Stäbchenplatten und beliefert auch Moralt. Zur Rettung Moralts im Zuge des Insolvenzverfahrens hatte SWL 2012 einen Teil der Firma Moralt übernommen. Aktuell nutzt SWL zirka 60 Prozent des Areals an der Lenggrieser Straße, das seit 2003 der Münchner Beteiligungsgesellschaft Certina Holding um den Geschäftsführer Hans Wehrmann gehört.

Certina hatte das Gelände an die Insolvenzverwalterin Birgitt Breiter verpachtet, bis Ende 2017 noch ist SWL ihr „Untermieter“. „Nach 2017 ziehen wir komplett in den südlichen Bereich“, teilt Schonlau mit. Diese Aussage spricht dafür, dass ein neuer Pachtvertrag ab 2018 – dann direkt zwischen Certina und SWL – nur noch Formsache ist.

Tobias Gmach

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