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SPD-Mitglied aus Überzeugung: Florian Iszovics (15) an seinem Schreibtisch im heimischen Bad Tölz. Im Hintergrund ein Foto des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt. 

Beim GroKo-Votum

Wahlberechtigt mit 15 Jahren

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Beim SPD-Mitgliedervotum dürfen auch Minderjährige wie Florian Iszovics aus Bad Tölz abstimmen. Der 15-Jährige kandidiert sogar um den Vorsitz des Ortsvereins.

Bad Tölz – Bei der Bundestagswahl durfte Florian Iszovics mit seinen 15 Jahren kein Kreuzchen machen. Jetzt hat der Schüler aus Bad Tölz doch noch die Chance, auf die Regierungsbildung Einfluss zu nehmen: Beim SPD-Mitgliedervotum ist Florian stimmberechtigt – obwohl er minderjährig ist.

„Ich finde das schon gewaltig, vor allem für mein Alter“, sagt der gebürtige Wolfratshauser. Aber er freut sich über das Vertrauen und nimmt seine Verantwortung sehr ernst. Er liest Zeitung oder informiert sich im Internet über die aktuellen politischen Geschehnisse. Den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD ackerte er einen ganzen Abend lang durch. „Er weiß genau, wovon er spricht“, sagt Mama Birgit Iszovics.

Mutter: Seine Interessen sind nicht alltäglich.

Sie und ihr Mann besitzen beide kein Parteibuch und schauen mit einer Mischung aus Stolz und Verwunderung auf ihren Sohn. „Es ist nicht alltäglich, dass er in seinem Alter solche Interessen hat“, sagt Birgit Iszovics. Solange die Schule nicht darunter leidet, haben die Eltern aber kein Problem damit, dass Florian als Delegierter im Kreisvorstand der Jungsozialisten (Jusos) Oberland sitzt. Bald schon könnte er sogar der wohl jüngste SPD-Ortsvereinsvorsitzende Deutschlands werden: Florian kandidiert um die Nachfolge von Katarina Koper.

Die derzeitige SPD-Chefin von Bad Tölz zieht um, bis auf Florian gibt es bislang keinen anderen Kandidaten. Dennoch zögert der Kreisvorstand, den Vorsitz in die Hände eines Jugendlichen zu legen. Eine Doppelspitze sei ebenfalls im Gespräch, berichtet Florian. Er stehe für beides bereit. An erster Stelle steht für den 15-Jährigen nach seinem qualifizierenden Hauptschulabschluss ab Herbst aber eine Ausbildung zum IT-Einzelhandelskaufmann. Derzeit absolviert er ein Berufsvorbereitungsjahr.

Überregionales Medieninteresse

Eine Zukunft als Berufspolitiker schließt Florian nicht aus. „Ich bin für alle Wege offen.“ Wer ihn kennenlernt, hegt keine Zweifel, dass er als Politiker geeignet wäre. Die meisten vergessen schnell, dass sie mit einem 15-Jährigen sprechen. Florian kommt sympathisch rüber, ist kompetent, wortgewandt und spricht ohne Scheu. Diese Eigenschaften machen den Tölzer derzeit zum begehrten Interview-Partner: RTL war schon da, und auch der Bayerische Rundfunk berichtete bereits über den Minderjährigen, der darüber mitentscheiden darf, ob eine Große Koalition Deutschland regieren soll oder nicht. Die Frage, ob Minderjährige das mitentscheiden dürfen, beantworten Experten mit „ja“. Denn das Grundgesetz verbietet es der SPD nicht ausdrücklich, Parteimitglieder unter 18 Jahren an einem internen Votum teilnehmen zu lassen.

Abgestimmt hat Florian noch nicht. Die Unterlagen kommen erst nächste Woche. Bis zum 2. März haben er und über 463 700 andere Genossen dann Zeit, ihr Kreuzchen zu machen. Anders als viele andere ist der Jugendliche übrigens nicht wegen der „No Groko“-Kampagne der Jusos in die Partei eingetreten. Florian besitzt bereits seit knapp einem Jahr ein Parteibuch.

Den Grundstein für sein politisches Interesse legte in der achten und neunten Klasse sein damaliger Geschichtslehrer. Er begeisterte Florian für die deutsche Historie, zu der seit 1864 auch die SPD gehört – für den Jugendlichen ist sie die einzig wählbare Partei. Trotzdem wünscht sich Florian nicht, dass die SPD an die Macht kommt, zumindest nicht im Rahmen einer Großen Koalition. „Der Koalitionsvertrag ist für mich kein Zukunftsplan, sondern einfach nur ein ,weiter so‘.“ Florian findet: Seine Partei sollte in der Opposition ihr Profil schärfen. Deshalb wird er beim Mitgliedervotum mit nein stimmen.

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