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Bei der Arbeit: Im Januar wurde der neue Ickinger Computerraum eröffnet, in dem Flüchtlinge Deutsch lernen können. Muafaq Al-Mufti – hier mit Jörg Vogel vom Helferkreis und Yasmin (25) aus Syrien – übernimmt für den Verein „Asyl plus“ auch hier den IT-Support.

Integration

Als Flüchtling auf der Erfolgsspur

Bad Tölz – 2013 kam Muafaq Al-Mufti als Asylbewerber nach Bad Tölz. Heute arbeitet er für den Verein „Asyl plus“.

Seine Erfolgsgeschichte ist noch die Ausnahme, doch sie zeigt, wie Integration gelingen kann: Vor nicht einmal drei Jahren kam Muafaq Al-Mufti als Flüchtling nach Bad Tölz. Heute spricht er fließend Deutsch, hat eine Arbeit und hilft damit sogar anderen Einwanderern, Fuß zu fassen.

Muafaq Al-Mufti IT-Beauftragter beim Verein „Asyl plus“

„Seit einem Jahr habe ich eine feste Stelle, und es ist ein gutes Gefühl, keine Sozialhilfe mehr zu bekommen“, sagt der Syrer. Den Weg zu diesem Ziel hat der studierte Informatiker schneller zurückgelegt als viele andere. Leicht waren die vergangenen Jahre für den 43-Jährigen freilich nicht. „Ich musste in meiner Heimat sehr viel aufgeben.“ Es war ein gutes Leben, das er und seine Familie in Damaskus führten. „Vor dem Krieg habe ich nie daran gedacht wegzugehen.“ Muafaq Al-Mufti war bei der amerikanischen Botschaft beschäftigt, erledigte zudem freiberuflich für private Firmen den IT-Support. Im Februar 2012 aber schlossen die USA die Botschaft. Das war für Al-Mufti aber noch nicht ausschlaggebend, das Land zu verlassen. „Das größte Problem war, dass wir nicht mehr in Sicherheit leben konnten.“

Auf der Suche nach einem Ort, an dem die Familie außer Gefahr war, kam der Computerfachmann Mitte 2013 nach Bad Tölz. „Vom ersten Moment an waren hier alle so nett, ich habe mich willkommen gefühlt“, sagt er. Bis heute weiß Al-Mufti die Mentalität der Tölzer zu schätzen. Was ihm besonders gefällt: die Freiheit, die man in vielen Bereichen genießt. „Niemand hat hier ein Wort dazu gesagt, dass meine Frau ein Kopftuch trägt. Das wird als Privatangelegenheit angesehen.“

Von Anfang an wollte Al-Mufti so schnell wie möglich Deutsch lernen. Er wartete nicht, bis ihm ein Sprachkurs zustand, sondern ergriff selbst die Initiative. „Ich habe mir in der Stadtbibliothek als erstes ein Kinderbuch ausgeliehen“, erinnert er sich. Heute kann sich der Syrer bestens auf Deutsch ausdrücken. Doch seine Frau habe ihn überflügelt, gibt er zu. „Sie hat die theoretische Führerscheinprüfung auf Deutsch bestanden, ich habe sie auf Englisch gemacht.“

Kostenlosen Online-Sprachkurse

Auch das Angebot von „Asyl plus“ nutzte Al-Mufti: Der von der Wackersbergerin Waltraud Haase ins Leben gerufene Verein bietet Flüchtlingen Zugang zu kostenlosen Online-Sprachkursen zum Selbstlernen an. Die Nutzer können dazu Computer verwenden, die etwa in Bad Tölz im Jugendcafé und in der Kurbücherei stehen, oder Laptops, die für eine bestimmte Zeit verliehen werden.

Al-Mufti wurde bald vom Nutzer zum Helfer bei „Asyl plus“. „In einer Sitzung des Tölzer Helferkreises wurde gefragt, ob jemand einen Fachmann kennt, der den IT-Support übernehmen kann“, berichtet er. Seine Betreuerin brachte Al-Muftis Namen ins Spiel – und er übernahm den Job ehrenamtlich. „Es ist mir nicht ums Geld gegangen, sondern um eine Aufgabe.“ Nach etwas mehr als einem Jahr war dann klar, dass die Tätigkeit ein Vollzeit-Job ist, und Muafaq Al-Mufti wurde bei dem Verein angestellt.

Zu tun ist weiter jede Menge. Das Konzept des Vereins macht nämlich Schule. Nicht nur in Geretsried, Kochel, Bad Heilbrunn, Icking und zuletzt in Wackersberg hat Al-Mufti inzwischen Computer installiert und wartet sie. Auch in München, Mannheim, Düsseldorf und anderen Städten wendet man das „Tölzer Modell“ an, so dass der IT-Beauftragte auch Dienstreisen machen muss.

Al-Mufti ist froh über seine sinnvolle Arbeit. „Das Angebot von ,Asyl plus‘ kann nicht nur Flüchtlingen helfen, sondern genauso EU-Ausländern“, sagt er. Den vielen Asylbewerbern, die nach ihm angekommen sind, gibt er mit auf den Weg: „Die Sprache ist der erste Schritt in ein neues Leben.“

Für die Zukunft wünscht sich Al-Mufti, dass seine Tochter (17) und sein Sohn (14), die beide in die Realschule gehen, das Abitur machen und einmal studieren. Vor allem aber ersehnt er Frieden für Syrien. Ob er dann in Deutschland bleiben oder zurückkehren würde, kann er nicht sagen.

Andreas Steppan

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