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Große Aufgabe für die Tölzer Berufsschule: 84 junge Flüchtlinge absolvieren hier ein Berufsintegrationsjahr. Aus den vier Klassen werden ab Februar sechs. 

Asylbewerber

Erschwerte Planungen im Schulbereich

Bad Tölz-Wolfratshausen – Durch den Flüchtlingszuzug steigt der Bedarf an Lehrern, Klassenzimmern und Betreuungsplätzen. Flexible Lösungen  sind gefragt.

Der Kochler Bürgermeister Thomas Holz war dieser Tage zum Weihnachtsbesuch im Kindergarten. Unter den Kleinsten klappt die Flüchtlingsintegration prima, davon konnte er sich überzeugen. „Es war eine schöne, harmonische Stimmung. Die Kinder sind sich keiner Unterschiede bewusst, die Mitarbeiter sind sehr engagiert.“ Doch Holz mahnt auch: „Überstrapazieren darf man das nicht.“ Die Sorge, die nicht nur ihn umtreibt: Wie lassen sich Betreuung und Unterricht für immer mehr Flüchtlingskinder bewerkstelligen? Wird es in Kindergärten und Schulen irgendwann zu eng?

„Das ist einer von vielen Punkten, der von der Bundesregierung noch überhaupt nicht durchdacht ist“, kritisiert Holz. Noch ist die Thematik in Kochel nicht akut: In der Franz-Marc-Schule sind die räumlichen Kapazitäten laut Holz groß genug, auch die drei Kindergärten im Gemeindegebiet seien noch aufnahmefähig. Doch wie wird es nächstes Jahr aussehen? Aktuell geht das Landratsamt davon aus, dass sich die Zahl der Asylbewerber im Landkreis bis Ende 2016 auf rund 5000 mehr als verdreifacht.

„Für Lenggries würde das bedeuten, dass dann 400 Flüchtlinge in der Gemeinde leben“, sagt Bürgermeister Werner Weindl. Wie viele Plätze in den Kindergärten und Schulen geschaffen werden müssen, „das ist für uns sehr schwierig zu planen“, so der Rathauschef. „Keiner kann mir sagen, wie viele Menschen tatsächlich kommen. Und ob es sich dann um Familien oder um Alleinreisende handelt, wissen wir erst, wenn sie tatsächlich da sind.“ Neue Klassenzimmer zu bauen, sei in dieser Lage kaum möglich. Dasselbe gelte für die Einstellung von Personal. „Wir werden uns ein Konzept überlegen müssen, mit dem wir absolut flexibel reagieren können“, sagt Weindl. Eine Option sei, zur Überbrückung Räume anzumieten.

Schon jetzt – mit etwa 150 Asylbewerbern in Lenggries – sind Kinderbetreuung und Beschulung eine Herausforderung. Von neun kleinen Kindern müssen laut Weindl aus Kapazitätsgründen vier in den Kindergarten nach Wegscheid, auch wenn der Weg von der Containerunterkunft am Pfarrheim deutlich weiter ist. Zur Lenggrieser Grundschule gehen zurzeit 14 Flüchtlingskinder, zur Mittelschule 22. „Das ist in der Summe eine ganze Klasse mehr“, stellt Weindl fest.

Mittelschul-Rektor Bernhard Kraft bleibt vorerst gelassen: „Nach jetzigem Stand reicht der Platz“, sagt er. Aktuell seien die Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien auf die regulären Klassen aufgeteilt, von denen die größte eine Stärke von 25 erreicht habe. „Das ist noch im normalen Bereich.“ Mittlerweile mache man sich auch über eine eigene Übergangsklasse für Flüchtlinge Gedanken. „Auch dafür hätten wir den Raum.“

Eine Übergangsklasse gibt es an der Tölzer Südschule schon, und zwar für die Siebt- bis Neuntklässler. „Die ist mit 18 Schülern voll, es steckt viel Arbeit drin, um den Kindern gerecht zu werden“, sagt Schulleiter Christian Müller. In absehbarer Zeit werde wohl eine weitere Übergangsklasse dazukommen. Das Schulgebäude sei zwar „generell sehr voll“, doch es gebe immer wieder Bewegung, so Müller. „Nächstes Jahr werden wir wahrscheinlich eine Grundschulklasse weniger haben, und ein starker Jahrgang mit drei Klassen wird fertig.“

Deutlich akuter ist die Raumnot an der Tölzer Berufsschule. 84 junge Flüchtlinge absolvieren hier in vier Klassen ein Berufsintegrationsjahr. „Und im Februar kommen zwei neue Klassen dazu, im Herbst wohl noch eine“, sagt Schulleiter Josef Bichler. Die mögliche Rettung: In unmittelbarer Nachbarschaft wird demnächst ein Container mit zwölf Klassenzimmern frei, die aktuell von Realschule und Gymnasium genutzt werden. Zwei Räume im Container werden im Februar bezogen, so Bichler. Über den Rest laufen Gespräche mit dem Landratsamt, das den Container eigentlich zur Flüchtlingsunterkunft umbauen wollte. „Wir werden unsere Aufgabe wohl nur bewältigen, wenn wir eine der zwei Ebenen für den Unterricht nutzen“, sagt Bichler.

Der Schulleiter bleibt bei alldem zuversichtlich: Auf längere Sicht schaffe der Berufsschul-Erweiterungsbau räumlich etwas Luft. Baubeginn ist im Frühjahr. Auch personell sieht sich Bichler gewappnet. „Im Februar bekommen wir zwei zusätzliche Planstellen, die auch schon besetzt sind“, sagt er. „Nach Weihnachten werden wir uns außerdem auf die Suche nach einem weiteren nebenberuflichen Lehrer machen.“ Das Budget sei vorhanden. „Da zolle ich dem Freistaat ein großes Lob: Geld ist da.“

 Andreas Steppan

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