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Setzt sich für Frauen ein: Patrizia Zewe. 

Frauen-Gesprächskreis

Nicht nur schmückendes Beiwerk sein

Bad Tölz – Patrizia Zewe gründet einen neuen Frauen-Gesprächskreis. „Man muss aufpassen, dass Gleichberechtigung erhalten wird“, sagt sie.

Sie kann einfach keine Ruhe geben. Das sagt die Künstlerin und Galeristin Patrizia Zewe von sich selbst. Ihr neuestes Projekt, diesmal jenseits der Kunst, heißt „Wir in Tölz“. Der Gesprächskreis für Frauen aller Alterklassen richtet sich an alle, die das Leben in Tölz schätzen, die Gegend lieben und hier auch etwas bewegen wollen. „Es sollte eine positive Einstellung zu unserer Stadt da sein. Miesmacher können wir bei unseren Treffen nicht brauchen, “ stellt Zewe klar.

Geplant sind zwanglose Treffen bei einem Glas Wein. In netter Runde werden Themen besprochen, die Frauen genauso interessieren wie Männer: Ortsentwicklung, Kommunalpolitik, das neueste Stadtgespräch. Sie selbst lebt seit drei Jahren hier und hat in dieser vergleichsweise kurzen Zeit schon eine Menge auf die Beine gestellt. Sie eröffnete den „Kunstsalon“, wurde Vorsitzende des Kunstvereins und veranstaltete immer wieder neue Aktionen von Ausstellungen bis zu Kleider-Flohmärkten.

Sie habe hier „so viel moderne, interessante, freigeistige und spannende Frauen getroffen, die mitten im Leben stehen“, dass in ihr der Gedanke reifte, sich dieses Potenzial mal genauer anzusehen. Hinzu kommt die Liebe zu Tölz, die sie quasi beflügelt. „Wir leben an einem Superplatz, dass sollte man einfach mal honorieren und auch was dafür tun.“

Freude am Leben in Tölz haben, das Beste aus allem machen und neue Ideen einbringen, das sollen die Frauen, die zum geplanten „gehobenen Stammtisch“ kommen, verbinden. Sich zu engagieren sei aber für Frauen immer noch etwas anderes als für Männer: „Mir ist aufgefallen, dass es sich im Vereinsleben und da, wo es Dinge zu entscheiden gibt, immer noch hauptsächlich um die Männer dreht. Frauenmeinungen werden oft an den Rand gedrängt. Ich habe das Gefühl, dass Frauen, die in Versammlungen eine Idee äußern, mit einem großzügigen Lächeln abgetan werden.“ Das ärgert Zewe, und sie zitiert aus dem derzeit in den Kinos laufenden Film „Suffragetten“: „Wir sind die Hälfte der Menschheit. Wir sind in jedem Haus.“

Sie sei keine Männergegnerin, wolle nicht spalten und ganz bestimmt nicht die Emanzenkeule auspacken, aber sie wünsche sich, dass sich Frauen und Männer auf Augenhöhe begegnen. Auch im öffentlichen Leben. „Gerade in der heutigen Zeit muss man aufpassen, dass die Gleichberechtigung erhalten und weiterentwickelt wird. Ich spüre da einen Rückwärtstrend“, sagt Zewe. „Gegen diese Entwicklung wollen wir angehen.“

Jede Frau, die sich angesprochen fühlt und die gemeinsam mit anderen etwas bewirken möchte, ist willkommen. „Was man bei Versammlungen nicht mehr hören will, ist der Satz: ,Wir haben beschlossen, dass die Frauen was für den Weihnachtsbasar backen‘“, sagt Zewe mit einem Augenzwinkern. Lieber wäre ihr: „Moment mal. Wir sind nicht nur das schmückende Beiwerk.“

„Wir in Tölz“

Die Frauengesprächsrunde trifft sich am Mittwoch, 9. März, um 19 Uhr im Gasthaus Kolberbräu. Willkommen sind interessierte Frauen aller Altersgruppen.

Ines Gokus

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