Renate Waßmer ist seit Oktober Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.

Sparkassen-Chefin im Interview

Frauen in Führungspositionen: Augenhöhe statt Hierarchie

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Seit Oktober 2016 ist Renate Waßmer (47) Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Damit gehört sie zu den wichtigsten und einflussreichsten Führungspersönlichkeiten in unserer Region. Wie ist ihre Karriere verlaufen? Und: Gehen Frauen eigentlich anders mit Geld um?

Frau Waßmer, was würden Sie machen, wenn Sie eine Million Euro im Lotto gewinnen?

(schmunzelt) Ich würde auf jeden Fall weiterarbeiten! (dann überlegt sie kurz)Ich denke, ich würde das Geld aufteilen: einen Teil für gute Zwecke spenden, einen Teil ganz klassisch für die Altersvorsorge verwenden und mir zudem schöne Reise gönnen. Und ein paar schöne Schuhe sind bestimmt auch noch drin...

Wie sind Sie eigentlich zur Sparkasse gekommen? Wie verlief Ihr Werdegang?

Als junges Mädchen wollte ich eigentlich was mit Sprachen machen. 1989 habe ich eine Ausbildung bei der Sparkasse in meiner Heimat Bad Säckingen in Baden-Württemberg begonnen. Die Sparkasse war der Platzhirsch unserer örtlichen Ausbildungsbetriebe. Ausschlaggebend für mich war, dass man damals ein EU-Sprachprogramm mit Auslandsaufenthalt angeboten hat. Das habe ich aber bis heute nicht gemacht. . . (schmunzelt)

Stattdessen sind Sie heute Vorstandsvorsitzende. Wie ging es für Sie beruflich nach der Ausbildung weiter?

Ich habe verschiedene Weiterbildungs- und Lehrgangs-Angebote genutzt und dann Ende der 1990er-Jahre die Deutsche Sparkassen-Akademie in Bonn als diplomierte Sparkassen-Betriebswirtin abgeschlossen. Später wurde ich bei der Sparkasse Hochrhein stellvertretendes Vorstandsmitglied und war zuständig für Kreditfragen. Nach Bad Tölz bin ich durch eine Ausschreibung gekommen. 2009 wurde ich Vorstandsmitglied, seit Oktober 2016 bin ich Vorstandsvorsitzende.

Wären Sie auch woanders hingegangen?

Mein Mann und ich haben uns diese Region ganz bewusst ausgesucht. Ich hätte meine Heimatregion nicht um jeden Preis verlassen.

Haben Sie Kinder?

Nein.

Ist es als Frau leichter, Karriere ohne Kinder zu machen?

Ich glaube schon. Wenn eine Frau, die Kinder hat, eine Führungsposition übernimmt, muss sie oft immer noch den Spagat zwischen Familie und Beruf bewältigen. Eine Führungsposition kann man hingegen nur begrenzt in Teilzeit ausüben, da gerade in Deutschland noch immer eine starke Präsenzkultur besteht.

Glauben Sie, dass es an diesem Spagat liegt, dass Frauen nicht so häufig eine Führungsposition übernehmen?

Ja, durchaus. Ich denke auch, dass Frauen viel eher bereit sind, zu sagen, dass sie sich um Kinder und Familie kümmern möchten und diese nicht der Karriere opfern wollen. Männer sind da noch nicht so offen.

Welche Eigenschaften, denken Sie, müssen Frauen auf der Führungsebene mitbringen?

Die gleichen, die für alle Führungskräfte gelten: Verantwortungs- und Durchsetzungsbereitschaft, gute kommunikative Fähigkeiten, motivieren können und auch die Fähigkeit, zuzugeben, wenn einem selbst mal etwas nicht so gut gelingt.

Wie viele weibliche Führungskräfte gibt es bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen?

Wir haben insgesamt rund 470 Mitarbeiter. Der Frauenanteil liegt bei 60 Prozent. Der Anteil weiblicher Führungskräfte, also Gruppen-, Referats-, Abteilungs- und Geschäftsstellenleiterinnen, liegt bei 20 Prozent.

Das ist in Ordnung, aber könnte natürlich auch besser sein. Welche Möglichkeiten bietet die Sparkasse, damit Frauen Karriere machen können?

Wir haben ein sehr gutes Aus- und Weiterbildungsprogramm mit Ausbildung, Nachwuchsförderprogramm und Beraterlehrgängen. Bei Interesse, Eignung und Bedarf können junge Kolleginnen und Kollegen auch den Betriebswirt machen. Eine Unterscheidung nach Herren und Damen treffen wir nicht.

Pflegen Sie ein weibliches Netzwerk?

Hier im Haus haben wir keine eigene Gruppe, sondern es finden die normalen Treffen auf Führungsebene statt. Ich selbst bin aber im Netzwerk der Vorständinnen der Sparkassen in Bayern. Wir sind zehn Frauen, die sich zirka zweimal im Jahr treffen.

Und worüber sprechen Sie da?

Diese Fragen stellen die Herren auch immer (schmunzelt sehr). Wir sprechen über unseren Beruf. Jedes Mal stehen bestimmte Themen im Mittelpunkt, etwa Niedrigzins oder Regulatorik. Es ist eine kleine Runde, in der man intensiv diskutieren kann.

Sprechen Frauen untereinander anders?

Ja, ich denke schon, vor allem im Hinblick auf die Gesprächsebene. Bei Frauen ist sie eher horizontal, also auf Augenhöhe. Bei Männern ist sie oft auch vertikal, also eher hierarchisch.

Hatten Sie im Laufe Ihrer Karriere jemals das Gefühl, besser sein zu müssen als ein Mann? Mehr Fachwissen zum Beispiel vorweisen zu müssen?

Nein, diese Erfahrung habe ich nie gemacht. Aber ich bin mir sicher, dass Frauen diese Erfahrung durchaus machen.

Wie wichtig ist Kleidung in Ihrem Beruf?

Kleidung ist wichtig. Es gibt hier im Haus eine etwas ältere, sehr grobe, aber immer noch passende Kleiderempfehlung, denn gute, gepflegte Kleidung im Umgang mit Kunden ist wichtig. Man drückt damit ja auch Wertschätzung gegenüber dem Kunden aus. Ein gepflegtes Aussehen bedeutet – gerade in unserer Branche – Seriosität.

Kommen wir jetzt zu einem ganz anderen Thema, nämlich Frauen und Geld. Gehen Frauen anders mit Geld um?

Lassen Sie es mich so erklären: Die Bandbreite sieht anders aus. Das hängt damit zusammen, dass bei Frauen der Lebensweg oft ganz anders verläuft als bei Männern.

Inwiefern?

Natürlich gibt es noch das klassische Rollenmodell, in dem der Mann jahrelang ganz alleine für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig ist. Auch bei Jüngeren gibt es das noch. In anderen Familien arbeitet die Frau Teilzeit, wenn die Kinder größer werden. Das bringt wieder ganz andere finanzielle Fragen mit sich. Und dann gibt es natürlich Frauen, die ihren Lebensunterhalt ganz alleine bestreiten und sich auch entsprechend um die Finanzen kümmern wollen.

Wie verhalten sich Frauen in Beratungsgesprächen?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Frauen sich im Vorfeld mehr informieren als Männer. Und sie sind beratungsaffiner. Bei ihnen sind es nicht nur Fakten, die zählen, sondern es geht auch um Vertrauen, soziale Kompetenz und Empathie. Frauen entscheiden sich nicht so schnell wie Männer, aber gründlicher. Das soll jetzt nicht heißen, dass sich Männer nicht gründlich entscheiden. Frauen entscheiden aus anderen Blickwinkeln.

Sind Frauen beim Thema Geld emotionaler?

Frauen sind sicherheitsorientierter. Sie wollen verstehen, welches Finanzprodukt sie da erwerben. Gerade, wenn man Familie und Kinder hat, steht dieser Aspekt sehr im Vordergrund. Das sehen wir bei Alleinerziehenden sehr deutlich. Viele alleinerziehende Frauen achten so sehr auf die finanzielle Sicherheit für ihre Kinder, dass wir sagen: Vergessen Sie nicht, auch an die eigene Vorsorge zu denken.

Kümmern sich denn viele Frauen um ihre finanzielle Vorsorge fürs Alter?

Das Bewusstsein ist schon da, auch bei Jüngeren. Aber trotzdem könnte es noch größer sein.

Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass mit Finanz-Fragen oft sehr sperrige Begriffe verbunden sind.

Ja, das stimmt. Aber es ist wichtig, sich damit zu beschäftigen. Das Auto bringt man doch auch regelmäßig zum TÜV. Da kann man sich auch mal einen Tag Zeit nehmen, um sich um die eigenen Finanzen zu kümmern.

Geld ist auch dazu da, dass man sich mal etwas Schönes leistet. Wofür geben Sie gerne Geld aus, Frau Waßmer?

(überlegt kurz)Für einen schönen Urlaub! Am liebsten in den Bergen.

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