Familiäre Übergabe: Dr. Heinz Nitschke übergibt seinen Teil in der gynäkologischen Praxis an seinen Stiefsohn Dr. Alexander Rieger.
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Familiäre Übergabe: Dr. Heinz Nitschke übergibt seinen Teil in der gynäkologischen Praxis an seinen Stiefsohn Dr. Alexander Rieger.

Gesundheitswesen

Frauenarzt Heinz Nitschke (79) reicht sein „Baby“ weiter und übergibt die Praxis

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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10 000 Kinder hat er als Gynäkologe auf dem Weg ins Leben unterstützt. Jetzt tritt Dr. Heinz Nitschke (79) kürzer und übergibt seinen Teil der gynäkologischen Gemeinschaftspraxis an seinen Stiefsohn.

Bad Tölz – Begeisterung für seine Tätigkeit und eine positive Haltung: Das sind die Markenzeichen von Dr. Heinz Nitschke (79). Ab sofort möchte der Tölzer Gynäkologe aber kürzer treten und seinen Teil in der Gemeinschaftspraxis mit Dr. Stephan Krone abgeben – an seinen Stiefsohn Dr. Alexander Rieger.

Es ist eine bemerkenswerte Karriere, auf die Nitschke zurückblickt. Nach dem Studium in Mainz und Salzburg sowie einer anschließenden Tätigkeit in München in der Geburtshilfe verschlug es Nitschke 1978 nach Tölz. „Ich hatte die Chance, hier etwas aufzubauen“, erklärt er seine Motivation. Denn zu der Zeit herrschten noch andere Sitten in den Geburtskliniken: Dass Väter bei der Geburt anwesend sind, war nicht üblich. Ebenso wenig war es selbstverständlich, dass die Babys nach der Entbindung bei ihren Müttern bleiben. Vielmehr gab es separate Räume für die Babys, die nur zum Stillen zu den Mamas gebracht wurden. Nitschke setzte sich dafür ein, dass sowohl die Männer bei der Geburt anwesend sein durften, als auch, dass die Babys im Zuge des so genannten „Rooming-In“ bei ihren Müttern bleiben ab der Geburt. Ihm war auch wichtig, die „sanfte Geburt“ zu etablieren, bei der die Frauen ihren ganz eigenen Takt vorgeben.

Pro Jahr verhalf der Arzt 300 Babys in Tölz und 150 Babys in der damals noch existierenden Klinik Benediktbeuern auf die Welt. Insgesamt waren es 10 000 Erdenbürger, die er auf dem Weg ins Leben begleitete. „Darüber bin ich glücklich, und es macht mich stolz.“ Manchmal schlief er abends nach dem letzten Termin in seiner Praxis an der Badstraße, war nachts bei Geburten in den Kliniken im Einsatz und stand am nächsten Morgen wieder in der Praxis. Von Belastung spricht er aber nicht. „Ich bin gut zurechtgekommen.“ Er selbst bezeichnet sich als „leidenschaftlichen Geburtshelfer“.

Nach einigen Jahren war die Patientenzahl in der Praxis so gewachsen, dass sich Nitschke einen Partner suchte – und ihn in Dr. Stephan Krone fand. Dass er nun eine ganzjährige, vollumfängliche Versorgung für Frauen sicherstellen konnte, freute ihn ebenso, wie dass er mit der „begeisternden Hilfe unserer Hebammen und Schwestern“ werdende Mütter unterstützen konnte. Auch für sein Praxisteam findet er nur lobende Worte. „Hier läuft alles rund.“ Am Schönsten ist es für ihn, dass er mit sehr vielen Tölzern freundschaftlich verbunden ist. Bei einem Spaziergang dauert es meistens nicht lange, bis er angesprochen wird.

Er freue sich nun sehr, sein Lebenswerk an seinen Stiefsohn Alexander Rieger übergeben zu können. Der 36-Jährige arbeitete nach seinem Studium am Klinikum Ingolstadt. Dort kümmerte er sich als Oberarzt um sämtliche Bereiche der Frauenheilkunde. Als seine „Leidenschaft“ bezeichnet er die traditionelle chinesische Medizin, mit der er während eines Auslandsaufenthalts in China im Zuge seines Studiums in Berührung kam. In diesem Bereich wird er neben seiner Tätigkeit in der Praxis seinen Master abschließen. Während seiner Präsenztage an der Uni wird Dr. Nitschke weiterhin aushelfen.

Rieger ist es ein besonderes Anliegen, das Lebenswerk seines Stiefvaters fortzusetzen. „Deshalb möchte ich es auch weiter ausbauen.“ Dazu gehören für ihn beispielsweise Video-Sprechstunden für Jugendliche aber auch Kooperationen mit Hebammen, Psycho- und Physiotherapeuten. „Ich freu’ mich sehr. Das hier ist ein cooles Team, es passt alles zusammen. Ich bin sehr positiv gestimmt für die Zukunft.“

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(Von Melina Staar)

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